WIRTSCHAFT
24/08/2015 08:50 CEST | Aktualisiert 24/08/2015 09:41 CEST

Dax rauscht ab, Panik an den Börsen - "Eine negative Spirale nach unten, die schwer zu stoppen sein wird

dpa

Das Beben an den Börsen geht weiter. Die Börse in Shanghai verzeichnete den schlimmsten Einbruch seit acht Jahren. Auch an der Wall Street sowie an den chinesischen Börsen sackten die Kurse massiv ab.

So kam es für die Börsianer in Frankfurt wie befürchtet: Der Dax fiel zum Handelsstart unter die psychologisch wichtige 10.000-Punkte-Marke. Zur Erinnerung: Im April war der Dax noch bei 12.390 Punkten.

Die Kurse purzeln, weil der chinesische Wirtschaft zuletzt deutlich schwächer lief als noch vor einigen Jahren. Das reißt auch die Rohstoffpreise und damit Brasilien und Russland nach unten. Der Grund: Chinas Unternehmen produzieren weniger - und benötigen daher deutlich weniger Öl, Gas und Kohle. Aber auch in einst aufstrebenden Schwellenländern wie Indonesien und der Türkei läuft es alles andere als rund.

Börsen-Beben: Das Angstszenario für Anleger

„Erst begannen die Ölpreise zu stürzen, dann verunsicherte das Thema Griechenland, jetzt sind es die Emerging Markets (Schwellenländer), deren Währungen – und die Spekulationen über die weiteren Perspektiven der US-Zinsen“, beschriebt Stan Beckers, Leiter der niederländischen Vermögensverwaltung NN Investment Partners, das düstere Anleger-Szenario im Gespräch mit dem „Handelsblatt“.

Gerade die mögliche Zinswende in den USA könnte die Kapitalmärkte der Schwellenländer weiter unter Druck setzen. Denn wenn die US-Notenbank den Leitzins anhebt und die Ära des ultrabilligen Geldes beendet, werden Investoren weitere Milliardensummen aus den Schwellenländern abziehen - und das Geld wegen der steigenden Zinsen eher in Dollar investieren.

Beben an den Börsen: "Es wird bestimmt ein halbes Jahr dauern, bis wir etwas Ruhe bekommen"

Die Frage ist nicht, ob die US-Notenbank das tun wird, sondern nur noch wann. Schon im September, sagen die einen, im Dezember, die anderen.

Vermögensverwalter Beckers warnt: "Mit all den geschilderten Belastungen entwickelt sich eine negative Spirale nach unten, die schwer zu stoppen sein wird." Er sehe "keine Anzeichen einer Stabilisierung. Es wird bestimmt noch ein halbes Jahr dauern, bis wir hier etwas Ruhe bekommen.“

Der Anfang einer globalen Rezession, der Anfang vom Crash?

„Der Trend spricht im Augenblick für einen weiteren Fall der Kurse“, zitierte die „FAZ“ Carsten Brzeski, Chefsvolkswirt der ING-Diba. Die schlechte Stimmung an den Aktienmärkten erscheine fast schon erdrückend, schrieb ebenfalls Marktstratege Mislav Matejka von der US-Bank JPMorgan in einer Studie.

Während Anleger panisch reagieren, erwartet Reinhard Pfingsten vom Frankfurter Bankhaus Hauck & Aufhäuser nur ein „kurzfristiges Abtauchen unter die 10.000“.

An eine globale Rezession – „dies scheint der Markt ja derzeit einzupreisen“ – hält er für unwahrscheinlich. Sein Rat an Anleger: „mit einer gewissen Nüchternheit durch die Phase gehen.“

Auch einige Vermögensverwalter auf dem Frankfurter Parkett warnen vor zu viel Panik. Sie sehen durch die Kurskorrekturen sogar Chancen zum Einsteigen, weil deutsche Aktien gut bewertet seien, berichtet der Fernsehsender „ntv“. Allerdings kommt es ganz darauf an, wen man fragt.

(mit Material der dpa)

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