POLITIK
22/08/2015 13:37 CEST | Aktualisiert 22/08/2015 14:08 CEST

4 Dinge, die wir den Helden von Arras zu verdanken haben

Es waren dramatische Szenen. "Wir waren in einer Mausefalle gefangen", sagt der französische Schauspieler Jean-Hugues Anglade über den Moment, als die roten Sitze des Thalys zur Kulisse eines Alptraums wurden.

Der Hochgeschwindigkeitszug rollte gerade durch das belgisch-französische Grenzgebiet, da ertönten Schreie auf Englisch: "Er schießt! Er hat eine Kalaschnikow." Der Schütze sei nur einige Dutzend Meter entfernt gewesen, erzählt Anglade dem Magazin "Paris Match". "Ich dachte, das ist das Ende (...)."

Doch dann war der Spuk ganz schnell vorbei - und Frankreich feiert eine Heldengeschichte. Hier sind vier Dinge, die wir den Helden von Arras zu verdanken haben.

1. Sie haben "eine bei weitem schlimmere Tragödie verhindert"

In sozialen Netzwerken feierten Nutzer sie als Helden, auch US-Präsident Barack Obama lobte den Mut der Männer. Auch im frühen Stadium der Ermittlungen sei klar, dass "ihre heldenhaften Aktionen eine bei weitem schlimmere Tragödie verhindert haben". Der französische Präsident François Hollande will sie in den kommenden Tagen im Élyséepalast empfangen.

2. Hunderte Menschen bleiben am Leben

Hunderte Passagiere des Thalys nach Paris entgingen nur knapp einen Terroranschlag. Der Verdächtige selbst bestritt im Verhör zwar terroristische Absichten. Die Ermittler hielten seine Angaben aber nicht für glaubwürdig.

Er hatte in dem Zug neben der Kalaschnikow auch eine Pistole und zehn Magazine bei sich - gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er nicht von den Passagieren niedergerungen worden wäre. Die Fahrgäste hätten damit möglicherweise ein "furchtbares Drama" verhindert, sagte etwa Frankreichs Innenminister Cazeneuve.

3. Ein Attentat hätte Frankreich noch weitaus weiter in die Krise gestürzt

Wäre der Anschlag ausgeführt worden, hätte das nicht nur unzähligen Menschen das Leben gekostet, sondern Frankreich noch weiter in eine Krise gestürzt. Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" ist der Terror ständig präsent.

Die Warnungen der Behörden sind Routine: "Jeder weiß, dass das Bedrohungsniveau, dem wir gegenüberstehen, sehr hoch ist", sagte etwa Frankreichs Innenminster Cazeneuve am Samstag. Jetzt wird schon diskutiert, ob Züge nicht besser geschützt werden müssten. In den Thalys-Zügen patroullieren vorerst Polizisten.

4. Was im Zug passierte, ist ein kleines Wunder

"Wir haben einen Schuss und berstendes Glas gehört", erzählte der Nationalgardist Alek Skarlatos. Er habe hinter sich geschaut und einen Mann mit einer Kalaschnikow gesehen, dann habe er sich zusammen mit anderen Fahrgästen auf den Mann gestürzt.

"Wir haben ihn letztlich gefesselt, aber dann hat er währenddessen tatsächlich ein Messer gezogen und (den zweiten US-Soldaten) Spencer geschnitten", sagte der Brite Chris Norman, der den Amerikanern nach eigenen Angaben bei der Überwältigung des Mannes half. Skarlatos erzählte: "Wir haben ihn gegen den Kopf geschlagen, bis er bewusstlos war."

Weitere Fahrgäste - ein amerikanischer Student und ein 62-jähriger Brite - schlossen sich ihnen nach eigenen Angaben an. "Wir haben ihn letztlich gefesselt, aber dann hat er währenddessen tatsächlich ein Messer gezogen und Spencer geschnitten", sagt der Brite Chris Norman dem Sender ITV.

Ein Mann wurde von einer Kugel getroffen, für die übrigen Passagiere ging die Attacke glimpflich aus. Skarlatos erzählt später dem Sender Sky News, er habe eine Fehlfunktion an der Kalaschnikow bemerkt - Glück im Unglück. Oder, wie es Schauspieler Anglade sagt: "Wir waren am falschen Ort, aber mit den richtigen Leuten. Das ist ein Wunder."


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