POLITIK
22/08/2015 06:41 CEST

"In Deutschland wurde der Neid erfunden": So attackiert Til Schweiger seine größten Kritiker

dpa

Til Schweiger und das Thema Flüchtlinge - zwei Dinge, die in der deutschen Debatte über Toleranz und Offenheit derzeit unzertrennlich sind.

Schweiger will ein Flüchtlingsheim bauen, kündigte er vor einiger Zeit an. Flüchtlingsgegner attackieren den Schauspieler auf Facebook, Schweiger giftet zurück.

Und so manch einer wirft dem 51-Jährigen vor, sich nur aus PR-Gründen für Asylbewerber zu engagieren. Im Interview mit dem "Spiegel" ist Schweiger diesem Vorwurf jetzt auf seine eigene Art und Weise entgegnet - und hat zum Rundumschlag gegen seine Kritiker ausgeholt.

"Ich wurde in die Tonne getreten"

"Jetzt schauen Sie sich mal an, was ich hier in der deutschen Filmindustrie abgezogen habe. Meine Firma Barefoot Films ist gerade so erfolgreich, das hat nicht mal der Bernd Eichinger hingelegt. Und dennoch wurde jeder meiner Filme in die Tonne getreten. Und ich wurde auch in die Tonne getreten", sagte Schweiger.

Und weiter: "Jetzt stellen Sie sich mal vor, Will Smith würde in Amerika über Jahre hinweg nur fertiggemacht werden: Der kann nichts, der ist dumm, die Filme sind scheiße. Neid gibt es auf der ganzen Welt. Aber wenn ich mich jetzt festlegen müsste, in welchem Land der Neid erfunden wurde, dann würde ich sagen in Deutschland."

"Lassen Sie den Schweighöfer mal klar Position beziehen"

Auf die Frage, warum denn niemand auf seinen Schauspiel-Kollegen Matthias Schweighöfer losgehe, wenn es in Deutschland denn wirklich so viel Neid gebe, sagte Schweiger: "Weil er nichts sagt. Weil er den Journalisten seine Filme zeigt und gleichzeitig auch noch einen auf Welpenschutz macht: Ja, ich muss noch viel lernen. Aber lassen Sie den Schweighöfer mal irgendwo klar Position beziehen, und lassen Sie ihn mal noch ein bisschen mehr Erfolg haben,

dann werden Sie sehen, was passiert."

Am vergangenen Dienstag war Schweiger in der ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger" mit CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer aneinandergeraten. "Sie gehen mir auf den Sack, echt", sagte Schweiger. Scheuer hatte Schweigers Vorschlag, den Solidaritätszuschlag zur Finanzierung von Flüchtlingsunterkünften zu nutzen, als «"albern" bezeichnet.

Im "Spiegel"-Interview macht Schweiger deutlich, was ihn an der Politik derzeit wirklich stört. Er wolle zwar nicht, dass jetzt geschrieben wird: 'Til Schweiger fordert Vulgärsprache für Politiker", sagte er - fügte jedoch hinzu: "Aber es ist doch so: Wenn Politiker reden, versuchen sie, möglichst niemandem auf die Füße zu treten und möglichst nichts zu sagen. Die werden darauf trainiert, machen Kurse."

Ende der Woche war bekannt geworden, dass Schweiger eine Stiftung für traumatisierte Kinder gegründet hat. Die Stiftung heißt "Til Schweiger Foundation". Sie hat bereits prominente Unterstützer.

Zum Stiftungsrat gehören Bundestrainer Jogi Löw, Springer-Chef Mathias Döpfner, Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, NDR-Programmleiter Thomas Schreiber, Schauspieler Jan Josef Liefers, Rapper Thomas D. und SPD-Chef Sigmar Gabriel.

Ohne Werbung seien bereits 250.000 Euro zusammengekommen, sagte Schweiger der "Bild"-Zeitung. Darunter seien jeweils 100.000 Euro von ihm selbst und von dem Rapper Thomas D.. Auch Schauspieler Ralf Moeller habe seine Unterstützung angekündigt.


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