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22/08/2015 06:05 CEST | Aktualisiert 22/08/2015 07:47 CEST

"Furchtbares Drama verhindert" - Was Sie über die Schüsse im französischen Schnellzug wissen müssen

AP

Drei amerikanische Reisende haben im Schnellzug von Amsterdam nach Paris einen mit einem Sturmgewehr bewaffneten Mann überwältigt, nachdem dieser einen anderen Fahrgast angeschossen und einen weiteren mit einem Messer verletzt hatte.

Der Zwischenfall ereignete sich am Freitagnachmittag in Belgien, der Thalys-Zug wurde danach in das nordfranzösische Arras umgeleitet. Anti-Terror-Spezialisten ermitteln. Bei dem mutmaßlichen Angreifer handelt es sich nach Angaben eines Sprechers der französischen Polizeigewerkschaft Alliance um einen 26-jährigen Marokkaner.

War es ein terroristisch motivierter Anschlag?

Das dürfte noch unklar sein. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve warnte vor vorzeitigen Schlussfolgerungen, lobte aber die drei Amerikaner - einen Luftwaffensoldaten, einen Nationalgardisten und einen Studenten - für ihr tapferes Eingreifen "in schwierigen Umständen".

Sie hätten womöglich ein "furchtbares Drama" verhindert. In Frankreich gelten seit den Terrorangriffen auf die Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt in Paris mit insgesamt 20 Toten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Auf Bahnhöfen patrouillieren schwer bewaffnete Soldaten, allerdings müssen Zugreisende etwa im Pariser Bahnhof Gare du Nord noch keine Sicherheitskontrollen mit Metalldetektoren durchqueren.

Was sagen die USA zu dem Vorfall?

Das amerikanische Verteidigungsministerium bestätigte, dass ein US-Militärangehöriger bei dem Zwischenfall verletzt worden sei. "Die Verletzung ist nicht lebensgefährlich", sagte ein Sprecher. Präsident Barack Obama wurde über den Vorfall und das Eingreifen der drei Amerikaner informiert und erklärte anschließend, auch im frühen Stadium der Ermittlungen sei "klar, dass ihre heldenhaften Aktionen eine bei weitem schlimmere Tragödie verhindert haben".

Was genau hat sich gestern in dem Zug abgespielt?

Einer der Amerikaner, der Student Anthony Sadler, sagte der Nachrichtenagentur AP, sie hätten plötzlich einen Schuss und das Geräusch von splitterndem Glas gehört und einen Zugbegleiter gesehen, der vor einem mit einem Sturmgewehr bewaffneten Mann davonlief. "Als er es spannte um zu schießen, schrie Alek 'Spencer go!' und Spencer sprintete den Gang hinunter. Spencer war als erster bei ihm, packte ihn und Alek entwand ihm das Gewehr. Der Bewaffnete zückte ein Teppichmesser und schlitzte ihn ein paar Mal. Und wir drei schlugen auf in ein, bis er bewusstlos war."

"Das hätte ein echtes Blutbad geben können, daran kann es keinen Zweifel geben", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Passagier.

Ein anderer habe geholfen, den Angreifer zu fesseln. Spencer Stone, der Luftwaffensoldat, habe sich um einen aus einer Halswunde blutenden Reisenden gekümmert, der zuvor von dem Angreifer mit einer Klinge verletzt worden sei. Er habe die blutende Wunde an der Kehle gestoppt, bis Rettungssanitäter eingetroffen seien.

Die Stiefmutter des dritten Amerikaners sagte, sie habe mit ihrem 22-jährigen Stiefsohn nach dem Zwischenfall telefoniert. Alek Skarlatos war im Juli aus Afghanistan zurückgekehrt, sagte Karen Skarlatos. «Alek und Spencer sind große, tapfere, starke Kerle und sie haben beschlossen, ihn anzugreifen», sagte sie der AP. «Spencer hat ein paar Schnittwunden abbekommen, aber sie habe es geschafft, ihn zu überwältigen, während der Zug noch fuhr.»

Alliance-Sprecher Philippe Lorthiois sagte, der Angreifer habe seine automatische Waffe nicht abgefeuert, einen Reisenden aber mit einer Handfeuerwaffe verletzt und einen weiteren mit einer Klinge. Ein französischer Passagier, der Schauspieler Jean-Hugues Anglade, habe den Notfallalarm des Zuges ausgelöst. Ein weiteres Alliance-Mitglied, Sliman Hamzi, sagte im Fernsehsender i-Tele, bei dem Verdächtigen handele es sich um einen 26-jährigen Marokkaner.

Der Angriff ereignete sich gegen 17.45 Uhr, als der Zug des Transportunternehmens Thalys durch Belgien fuhr, wie das Büro des französischen Präsidenten François Hollande mitteilte. Am Samstagmorgen trafen die Reisenden erheblich verspätet in Paris ein. Sie wurden auf dem Gare du Nord von Betreuern der Bahngesellschaft SNCF empfangen, die ihnen Essen und Trinken anboten und dabei behilflich waren, Taxis und Hotelzimmer zu finden.

ca/AP


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