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21/08/2015 15:35 CEST | Aktualisiert 21/08/2015 15:39 CEST

Harvard-Studie: Stillende Mütter übertragen gefährliche Giftstoffe auf ihre Kinder

Dag Sundberg via Getty Images
Harvard-Studie: Stillende Mütter übertragen gefährliche Giftstoffe auf ihre Kinder

Eine neue Studie der Harvard School of Public Health belegt, dass giftige Chemikalien über die Muttermilch an Säuglinge übertragen werden. Es handelt sich dabei um Industrie-Chemikalien wie Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), mit denen wir jeden Tag in Kontakt kommen.

Mit jedem Monat, in dem Babys gestillt werden, steigt die Konzentration der Giftstoffe in ihrem Körper, sodass einige Säuglinge laut der Studie nach dem Abstillen höhere PFAS-Konzentrationen im Körper haben als ihre Mütter.

Was genau sind PFAS?

PFAS finden sich in den meisten industriell verarbeiteten Produkten und gelten als krebserregend. Sie werden beispielsweise in Kleidung verwendet, um sie wasser- fett- und schmutzabweisend zu machen. Auch Lebensmittelverpackungen, Nahrungsmittel und Trinkwasser weisen PFAS-Belastungen auf. In stark belasteten Innenräumen atmen wir sie sogar ein.

Auf der ganzen Welt wurden PFAS und andere industrielle Giftstoffe in menschlichen Blutproben festgestellt. Auch Tiere sind inzwischen belastet, genau wie Gewässer, Pflanzen und Böden. Es ist also fast unmöglich, die Chemikalien zu meiden.

Was genau haben die Harvard-Wissenschaftler festgestellt?

"Wir wussten, dass kleine Mengen PFAS in Muttermilch auftreten, aber unsere Blutanalysen haben gezeigt, dass die Ansammlung [der Chemikalien] bei Säuglingen größer wird, je länger sie gestillt werden", sagt Philippe Grandjean von der Harvard University.

Die Wissenschaftler beobachteten 81 Kinder, die zwischen 1997 und 2000 auf den Färöer-Inseln geboren wurden, über mehrere Jahre. Nach der Geburt sowie im Alter von 11 Monaten, 18 Monaten und 5 Jahren entnahmen sie Blutproben.

Bei Kindern, die anfangs ausschließlich gestillt wurden, stieg die PFAS-Konzentration mit jedem weiteren Monat um 20 bis 30 Prozent an. Bei Kindern, die nicht ausschließlich gestillt wurden, war der Anstieg geringer.

Warum werden so viele Chemikalien durch die Muttermilch übertragen?

Giftige Substanzen wie PFAS lagern sich im Fettgewebe an. Daher sind fetthaltige Organe wie Leber und Gehirn, aber auch die Muttermilch besonders betroffen. Das Milchfett in der Muttermilch wird aus Fettgewebe gebildet. So gelangen die im Fett gespeicherten fettlöslichen Giftstoffe in die Muttermilch.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland berichtet sogar von 300 Schadstoffen in der Muttermilch. Das Problem ist längst bekannt.

Sollten Mütter lieber nicht stillen?

"Es gibt keinen Grund, Müttern davon abzuraten, ihre Kinder zu Stillen, aber es macht uns Sorgen, dass diese Schadstoffe in einem so verletzlichen Alter an die nächste Generation weitergegeben werden", sagt Grandjean.

Trotz der Gifte, die in Muttermilch nachgewiesen werden können, übersteigen die Vorteile des Stillens die Nachteile.

"Die Belastung ist längst nicht so hoch, dass individuelle Schäden auftreten können. Mütter sollten wegen der eindeutigen Vorteile ihre Kinder sogar mindestens sechs Monate ausschließlich stillen, wenn dies möglich ist", sagte Umweltmediziner Professor Hermann Fromme vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit 2013 in einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen".

Die Belastung der Milch steige mit dem Alter der Mutter, da Schadstoffe mit langer Halbwertszeit im Fettgewebe gespeichert werden. Aber auch die Anzahl der Kinder spiele eine Rolle: "Je mehr Babys eine Frau gestillt hat, desto geringer wird auch die Schadstoffbelastung der Frau und damit auch der Muttermilch."

Was können Mütter zusätzlich tun?

Um die Schadstoff-Belastung möglichst gering zu halten, können Frauen beispielsweise erwägen, in der Schwangerschaft und Stillzeit auf besonders fetthaltige, tierische Lebensmittel zu verzichten. Denn Schadstoffe werden zu 90 Prozent über die Nahrung aufgenommen, viele sind in tierischen Fetten angereichert. Auch Pestizid-belastetes Obst und Gemüse sollten gemieden werden.


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