POLITIK
20/08/2015 17:51 CEST

"Nur telefonisch und per Fax erreichbar": 3 Zeichen, dass die Netzwerk-Panne des Bundestags eine Riesenblamage ist

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3 Zeichen, dass die Netzwerk-Panne des Bundestags eine Riesenblamage ist

Ein Trojaner hat sich Mitte Mai im Bundestagsnetzwerk "Parlakom" eingenistet. Seitdem richtet er dort Unheil an.

Am Donnerstagabend findet die unrühmliche Geschichte nun ihren vorläufigen Tiefpunkt, wenn vorübergehend alle Rechner abgeschaltet werden – und bis Montag abgeschaltet bleiben.

Die Netzwerk-Panne ist eine Riesenblamage für das Parlament. Das zeigen die folgenden drei Punkte. Vorweggenommen: Nein, Hoffnung auf Besserung besteht nicht.

1. Der Bundestag ist vorübergehend abgeschottet von der digitalen Welt

Während das System in den nächsten Tagen generalüberholt wird, können die Computer der Abgeordneten und die Mitarbeiter in den Wahlkreisen nicht auf das interne Netz des Bundestages zugreifen.

"Das heißt, dass ab kommenden Freitag bis einschließlich Montag unsere Büros nur telefonisch und per Fax erreichbar sein werden", sagt die für EDV zuständige Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Dagmar Ziegler.

Das Zentrum der deutschen Politik und alle Akteure sind also in den kommenden Tagen nicht digital erreichbar. Das spricht schon Bände. Aber es passt auch zu einem Land wie Deutschland, das digitalen Stillstand geradezu lebt.

2. Geheime Dokumente sind nicht mehr geheim

Das Leck führt(e) dazu, dass vertrauliche E-Mails, geheime Dokumente und persönliche Daten an unbekannte Server überspielt werden.

Unbekannte Online-Spione haben sich selbst als Systemadministratoren von Parlakom eingesetzt. Das bedeutet, dass nun weder die Abgeordneten noch die Mitarbeiter der Bundestagsverwaltung die Herren über das Computernetzwerk des Deutschen Bundestages sind, sondern unbekannte Angreifer.

3. IT-Leute schuften – am Problem vorbei

Nun sind Experten damit beschäftigt, eine Menge Hardware im Berliner Reichstagsgebäude auszutauschen und neue Programme aufzuspielen.

Der Haken: "Das löst das Problem nicht", sagt der Informatik-Professor Hartmut Pohl von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Denn schuld an dem Chaos sind weder Hard- noch gewöhnliche Software, sondern Sicherheitslücken. Die entstehen, weil Programmierer Fehler machen.

Die Lösung scheint klar: Diese Lücken müssten geschlossen werden. Doch gerade nach Sicherheitslücken wird nicht gesucht – weil Sicherheitsbehörden es laut "heute.de" nicht wollen. Allen voran die Nachrichtendienste. Die brauchen nämlich solche Sicherheitslücken, um ihrer Überwachungs- und Spionagetätigkeit nachgehen zu können.

So betreiben IT-Leute zwar gerade einen Riesenaufwand, um das System des Bundestags wieder in Gang zu bringen. Aber es steht jetzt schon fest, dass neue Probleme – im wahrsten Sinne des Wortes – programmiert sind.


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