POLITIK
20/08/2015 12:40 CEST | Aktualisiert 20/08/2015 13:59 CEST

Mazedonien verhängt Notstand wegen Flüchtlingen: die 4 wichtigsten Hintergrundinfos

Flüchtlinge warten an in Griechenland auf die Einreise nach Mazedonien
dpa
Flüchtlinge warten an in Griechenland auf die Einreise nach Mazedonien

Mazedonien hat seine Grenze zu Griechenland dicht gemacht, um das Land gegen Flüchtlinge abzuschotten. Ziel der Behörden ist es, den Druck auf die grenznahe Stadt Gevgelije zu mindern. Nur noch kleine Gruppen dürfen einreisen. Außerdem hat das Land den Notstand ausgerufen, der den verstärkten Einsatz von Militär auch zur Grenzsicherung erlaubt.

Diese vier Fakten zeigen, wie dramatisch die Lage wirklich ist:

1. Gigantischer Flüchtlingsansturm

Mazedonien hat nur zwei Millionen Einwohner – aber Schätzungen nach kommen jeden Tag 2000 Menschen illegal ins Land. Sie kommen aus Syrien, Pakistan und Afghanistan. Die sogenannte Balkan-Route zählt zu den wichtigsten Wegen, um in die EU zu gelangen.

Die Aufnahmesysteme werden mit diesem Andrang nicht mehr fertig. Das ist so, als kämen jeden Tag 80.000 Menschen nach Deutschland, oder 29 Millionen im Jahr.

2. Ungarns Flüchtlingspolitik bringt Mazedonien unter Druck

Vor einer Woche waren es nur halb so viele Flüchtlinge. Laut „Focus Online“ führen Helfer das auf die Pläne Ungarns zurück, bis Ende August die Staatsgrenze mit Stacheldraht zu verstärken.

3. Mazedonien ist nur Transitland – aber mit überfordertem Transportsystem

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Gelb in der Karte sind die EU-Länder, grün die Beitrittskandidaten wie Mazedonien

Von der grenznahen Stadt Gevgelije fahren jeden Tag drei Züge nach Serbien, von dort aus wollen viele Flüchtlinge weiter nach Norden. Nur klappt das nicht.

Wie die „Deutsche Welle“ am Mittwoch berichtete, warten an manchen Tagen 2000 Flüchtlinge mit gekauften Tickets auf den Zug, der höchstens 200 neue Fahrgäste aufnehmen kann. Die Flüchtlinge kämpfen um ihre Plätze, Kinder würden aus den Fenstern hin- und hergereicht, abhängig davon, ob es die Eltern in den Zug geschafft haben oder nicht. Manche Passagiere kämpften mit Messern um ihren Platz.

Die Flüchtlinge haben laut „Deutscher Welle“ offiziell 72 Stunden Zeit, um die 180 Kilometer lange Reise bis zur nächsten Grenze zu schaffen. Bleiben wolle angesichts der Asylbedingungen kaum jemand.

4. Auch Mazedonier fliehen

Für viele Mazedonier sind die Bedingungen in ihrer Heimat selbst so schlecht, dass sie fliehen. Im Jahr 2014 zählte Mazedonien zu den 10 Ländern, deren Bürger die meisten Asylanträge in Deutschland stellen. Inzwischen hat Deutschland Mazedonien allerdings zum sicheren Herkunftsland erklärt, die Chancen, dass Asylanträge von Mazedoniern bewilligt werden, gehen daher gegen Null.

Wer dort bleibt, versucht, sich irgendwie durchzuschlagen. Einige nutzen den Flüchtlingsstrom aus, um Geschäfte zu machen, mit Taxi-Diensten und dem Verkauf von Essen.

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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