LIFESTYLE
19/08/2015 08:02 CEST | Aktualisiert 25/08/2016 08:18 CEST

Was es wirklich heißt, gut in der Schule zu sein

Michel Gounot via Getty Images
SMALL CHILDREN IN CLASSROOM PAINTING PORTRAITS

Dies ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der Probleme in der Schule hatte. Statt dem Unterricht zu folgen, spielte er seinen Lehrern und Mitschülern Streiche und brachte sich damit regelmäßig in Schwierigkeiten. Er störte den Unterricht und wurde mehrfach wegen schlechten Benehmens nach Hause geschickt.

Dumm war der Junge nicht. Aber er sah einfach nicht ein, warum er irgendwelche Dinge auswendig lernen sollte. Und warum er unlogische Matheaufgaben lösen sollte. Die meisten Dinge, die auf dem Lehrplan standen, interessierten ihn ohnehin nicht.

Für seine Lehrer war er ein anstrengender Junge, der sich gegen alles sträubte, was ihm keinen Spaß machte und der seine Zeit lieber mit Albernheiten vergeudete. Der Junge passte einfach nicht ins System, weil er sich nicht unterordnen wollte. Und beinahe wäre er davon verschluckt worden.

Als er älter wurde, bastelte der Junge in der Garage seiner Eltern an elektronischen Geräten herum - eine Leidenschaft, die ihn seit frühester Kindheit begleitete. Es war diese Garage, in der er später schließlich den ersten Apple Computer zusammenschraubte.

Der Name des Jungen war Steve Jobs. Und wenn er seinen Weg nicht trotz aller Hürden gefunden hätte, wäre die Welt um einen ihrer vielleicht größten Visionäre ärmer gewesen.

Er hatte Glück und er ist ein Einzelfall. Denn im Schulsystem ist eigentlich kein Platz für Kinder wie ihn.

Gut in der Schule zu sein, bedeutet gut im Unterordnen zu sein.

Kinder, die anders denken und anders lernen, müssen sich anpassen - andernfalls setzen schlechte Noten sie unter erheblichen Druck.

Sie müssen lernen, dem vorgegebenen Lösungsweg zu folgen, anstatt nach ihrem eigenen zu suchen - nur dann können sie in der akademischen Welt bestehen.

Sie müssen ihre Talente und Neigungen zurückstellen, um dem vorgegebenen Pfad folgen zu können.

Der britische Autor und Berater Sir Ken Robinson warnt: “Wir werden alle mit einer tiefen, natürlichen Kreativität geboren, aber Massenbildungssysteme neigen dazu, sie abzuschaffen.”

Genau diese Eigenschaften müssten aber seiner Ansicht nach aus ökonomischen, kulturellen und persönlichen Gründen dringend gefördert werden. Doch das Gegenteil ist der Fall und das wird zunehmend zum Problem.

In einem aktuellen Bericht des Aktionsrat Bildung, ein Expertengremium im Auftrag der bayerischen Regierung, warnen Experten, dass in deutschen Schulen und Bildungseinrichtungen zu sehr die Ansammlung von Fachwissen im Vordergrund stehe, die persönliche und charakterliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen komme hingegen viel zu kurz.

Die Experten fordern eine Bildung, die sich nicht nur auf Wissen beschränkt, sondern beispielsweise auch die Aneignung sozialer und moralischer Fähigkeiten umfasst.

Diese persönlichen Fähigkeiten seien nötig, um sich in Zeiten von Globalisierung und schnellem technologischen Fortschritt angemessen entwickeln zu können.

Das Bildungssystem muss dringend überarbeitet werden. Eine 17-Jährige Schülerin aus Köln brachte das vor wenigen Monaten mit einem viel beachteten Twitter-Post auf den Punkt:

Natürlich kann das Schulsystem sich nicht von heute auf morgen ändern. Aber wir (Eltern) können zumindest anfangen, unsere Einstellung zu ändern.

Wir können aufhören, die Talente unserer Kinder in Schulnoten zu messen und akzeptieren, dass ihr 3er-Durchschnitt nicht bedeutet, dass sie weniger Erfolg im Leben haben werden.

Wir können unseren Erwartungsdruck von ihren Schultern nehmen und ihnen die Chance geben, Erwartungen an sich selbst zu entwickeln.

Und wir können ihnen Mut machen, sich auf die Talente und Fähigkeiten zu besinnen, die in ihnen stecken.

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