POLITIK
19/08/2015 02:03 CEST

"Wir haben Angst": Einwohner von Duisburger No-Go-Area schreiben offenen Brief

Aus Marxloh ziehen die Anwohner weg, die Polizei ist machtlos
DPA
Aus Marxloh ziehen die Anwohner weg, die Polizei ist machtlos

Es ist ein verzweifelter Aufruf. Die Anwohner des Duisburger Stadtteils Marxloh sind empört . Sie leben in einen der Gebiete, die man inzwischen "No-Go-Area" nennt. Die Polizei sieht ihren Wohnort als besonders gefährlich an und ist mir der Lage schlicht überfordert - und die Situation verschäft sich immer weiter.

Die Zustände seien nicht mehr länger haltbar. Das schreiben Anwohner nun in einem offenen Brief. In dem Schreiben an den Oberbürgermeister der Stadt, Sören Link, beklagen sie die unhaltbaren Zustände in ihrem Stadtteil beklagt. Das berichtet die „Rheinische Post“.

In dem Brief beschreiben die Anwohner ihren Alltag. Die meisten der Verfasser, die aus Angst anonym bleiben wollen, seien schon einmal auf offener Straße beklaut, angespuckt, beschimpft oder belästigt worden. "Und alles haben wir hingenommen, weil wir wehrlos sind", werden sie zitiert. Die wütenden Bürger müssen sich ihren Stadtteil seit gut einem Jahr mit Rumänen und Bulgaren teilen - und genau das sei das Problem.

Denn deren Leben spiele sich überwiegend auf der Straße ab. Und das ausgerechnet abends oder sogar nachts. Dann werde laut gelacht und gestritten, geschrien und gekreischt.

"Immer mehr wollen hier weg"

Die Anwohner fühlen sich im Stich gelassen. Bei den Behörden fanden die Anwohner keine Hilfe: "Wir sollen uns ruhig verhalten, um uns nicht selbst zu gefährden. Das ist deren Tipp, wenn wir ihnen erläutern, warum wir Angst haben." I

Es gehe dabei nicht um Rassismus. Dass sich die Anwohner über ihre Nachbarn beschweren, habe jedoch nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun - unter den Verfassern des Briefes finden sich auch viele Einwohner mit Migrationshintergrund. "Egal ob deutsch- oder türkischstämmig - immer mehr wollen jetzt von hier weg", sagt eine Frau gegenüber der "Rheinischen Post". Der Grund: Sie könnten hier "einfach nicht mehr leben".

Die Anwohner kommen zu einem düsteren Schluss. "Die Liste der angeführten, ablehnenden Argumente, die Zustände zu ändern und regulierend einzugreifen, ist mittlerweile lang und zeigt das mangelnde Verantwortungsbewusstsein gegenüber unserem Problem." Und es geht sogar noch weiter: "Wir haben wirklich Angst."

Die Betroffenen wollen, dass endlich gehandelt wird. Am 25. August soll die Bundeskanzlerin nach Duisburg kommen, um sich selbst ein Bild von den Zuständen zu machen. "Wir fänden es ganz schrecklich, wenn Frau Merkel der Eindruck vermittelt wird, dass es hier eigentlich gar nicht so schlimm ist, wie es die Medien darstellen", sagen sie.

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