POLITIK
17/08/2015 18:52 CEST | Aktualisiert 18/01/2016 14:02 CET

"Sie gaben uns Wasser mit Benzin" - Flüchtlinge berichten von ihren Überfahrten auf das europäische Festland

dpa

Sie träumen vom "Paradies Europa" - und begeben sich auf eine Reise, die menschenunwürdiger nicht sein könnte.

Flüchtlinge aus Afrika und den Kriegsgebieten im Nahen Osten setzen jeden Tag ihr Leben aufs Spiel, wenn sie in die Boote der Schlepper steigen - in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Berichte über katastrophale Bedingungen bei den Überfahrten aufs europäische Festland sind nicht neu - auch die Huffington Post hat darüber berichtet.

Jetzt sind neue schockierende Details ans Tageslicht gekommen, die zeigen, wie Flüchtlinge auf den Überfahrten zum Teil behandelt werden. Eine Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen sagte dem britischen "Independent", dass es sich wie ein "Einsatz in einem Kriegsgebiet" anfühle, wenn sie an der italienischen Küste neuankommende Flüchtlinge behandele.

Und sie verrät auch, wieso:

  • "Wir beobachten hier Verletzungen, die seit Wochen nicht behandelt worden sind", zitiert die Ärztin das Blatt. Sie zählt unter anderem "Brüche durch Schläge" und "Schusswunden" auf, die sie bei vielen Flüchtlingen behandelt. "Wir finden immer wieder Kugeln in Muskeln und unter der Haut."

  • Manche Verletzungen seien jedoch nicht so offensichtlich. Die Medizinerin berichtet, dass "fast alle Frauen aus Afrika oder dem Nahen Osten" auf dem Weg nach Europa vergewaltigt werden. Häufig würden die Frauen schwanger in Europa ankommen. "Sie sagen nur wenig über das, was ihnen widerfahren ist. Aber manchmal sehen wir Narben und Wunden von den Vergewaltigungen", sagt die Ärztin. Sie sei sogar 13-Jährigen begegnet, die missbraucht worden waren.

Der Horror beginnt für viele zudem bereits, bevor sie auf eines der vielen Boote steigen. Etwa, wenn sie wochenlang auf überfüllten Geländewagen durch die Sahara gefahren werden, um an die Küste Nordafrikas zu gelangen.

  • Ein 17-jähriger Palästinenser, der aus dem Gaza-Streifen nach Italien gereist war, hatte der Kinderrechtsorganisation Save The Children vor kurzem berichtet, wie drei andere Flüchtlinge mitten in der Wüste von einem Wagen heruntergeschmissen worden waren.

  • "Sie gaben uns Wasser aus einer Kanne zu trinken, aber es war vermischt mit Benzin", berichtete der 17-Jährige weiter. Er habe nur einmal am Tag essen dürfen, einige der anderen Flüchtlinge seien verhungert oder verdurstet, sagte der Palästinenser.

Immer wieder kommt es zu Flüchtlingsunglücken - vor allem im Kanal von Sizilien. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) zählte bis Ende Juli 2000 Tote in diesem Jahr. Die Route von Libyen nach Italien ist die gefährlichste - auch wegen der Skrupellosigkeit der Schleuser.

"Sie sind so rücksichtslos und geldgierig, dass sie eine so große Anzahl von Menschen auf Boote packen, um mehr Profit zu machen", sagt Melissa Fleming, Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. "Auf solchen Booten sollten nicht mehr als 40 oder 50 Menschen sein, und sie quetschen 600 darauf."

Viele Flüchtlinge sind sich nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen durchaus des Risikos bewusst. "Wenn wir die Menschen fragen, warum sie ihr Leben riskieren, bekommen wir immer dieselbe Antwort: 'Es gibt keine Alternative'", schrieb die Organisation auf Twitter.

"Sie kennen die Gefahren und tun es trotzdem. Sie würden lieber bei der Suche nach Sicherheit ertrinken, als in ihrer Heimat oder in Libyen zu bleiben."

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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