WIRTSCHAFT
17/08/2015 13:14 CEST | Aktualisiert 18/08/2015 04:38 CEST

„Verlogen durch und durch" – Wie Nestlé sich lächerlich macht

„Verlogen durch und durch" – Wie Nestlé sich in einem aktuellen Interview lächerlich macht
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„Verlogen durch und durch" – Wie Nestlé sich in einem aktuellen Interview lächerlich macht

In einem aktuellen Interview präsentiert sich der Schweizer Konzern Nestlé (u.a. Alete, Nespresso, Maggi) als ein Unternehmen, das ganz genau darauf schaut, dass auf der Welt ja kein Tröpfchen Wasser verschwendet wird.

„Ich fürchte, dass Wasser eher knapper wird als Öl“, gibt der Nestlé-Manager Luis Cantarell in der Zeitung „Die Welt“ besorgt zu Protokoll.

Deswegen senke Nestlé – der größte Abfüller von Trinkwasser weltweit mit über 60 verschiedenen Marken – den Wasserverbrauch in seinen Fabriken „kontinuierlich“.

Das ist großartig und gut. Aber Herr Cantarell hat da ein paar Dinge vergessen. Da war doch was mit Nestlé und seinem Geschäft mit über 60 Wassermarken, oder nicht?

Und so gibt es wenige Minuten, nachdem das Interview online ist, schon die ersten Reaktionen: „Verlogen durch und durch“, schreiben Nutzer.

Und zwar DESHALB:

1. Nestlés Geschäft mit dem Grundwasser ist höchst umstritten. Die Schweizer haben sich bereits in mehreren Ländern umfangreich Wasserrechte gekauft.

2. Der Hauptvorwurf: Der Konzern beute die Grundwasser-Vorkommen in Ländern wie Pakistan so sehr aus, dass der Grundwasserspiegel sinkt und die Bevölkerung keinen Zugang mehr zu frischem Wasser hat.

Auch in den USA hat es schon Klagen gegen Nestlé-Abfüllwerke gegeben, weil dort der Grundwasserspiegel gesunken ist. Nestlé bestreitet ALLES.

3. Nestlé füllt Quellwasser dort ab, wo andere selbst kein gutes Trinkwasser haben. So haben Nestlé-Mitarbeiter in Südafrika nahe Pretoria ein Leben inmitten von Müll und ohne Wasseranschluss. In ihrem Job füllen sie direkt nebenan Nestlé-Quellwasser ab.

4. Kanadische Umweltaktivisten werfen Nestlé vor, das Wasser „für Almosen“ aus dem Boden zu saugen und in einer Plastikflasche für viel Geld zu verkaufen. Nestlé zahle dort nur 2,25 Dollar – für eine Million Liter. Und verkaufe das Wasser dann für viel Geld als Lifestyle-Wasser im Handel, weil ein paar Mineralien (ein geheimer Nestlé-Mix) hinzugefügt würden.

Nestlé wiegelt in solchen Situationen immer ab - "Wir sind ein ziemlich kleiner Verbraucher“. Und der Schweizer Milliarden-Konzern (Umsatz 2014: 91,6 Milliarden Franken) verweist auf den Wasserverbrauch in der Landwirtschaft und beim Waschen von Autos und Füllen von Swimminpools.

5. Trotz der Dürre in Kalifornien will Nestlé dort nicht – anders als Starbucks – mit dem Abfüllen von Trinkwasser aufhören. Das käme „absolut nicht“ in Frage, sagte Konzernvertreter Tim Brown in einem Interview. "Die Tatsache ist, wenn ich morgen mit dem Wasserabfüllen aufhöre, würden die Leute eine andere Marke Wasser kaufen."

Auf der Nestlé-Homepage erklärt der Konzern: „Wenn wir unsere Betriebe schließen oder die Wassermenge, die wir abfüllen, deutlich reduzieren, wird das die Dürre nicht beheben. "

Man arbeite aber daran, die Wassermenge, die verwendet würde, zu reduzieren. "Wir sind immer auf der Suche nach Möglichkeiten, um Wasser bei unseren Tätigkeiten zu sparen und überwachen die Auswirkungen auf die örtlichen Wasserquellen. Verantwortungsvoller Umgang mit Wasser ist eine wichtige Säule, auf die sich unser Geschäft stützt", heißt es.

6. Selbst der Schweizer Pavillon auf der Expo 2015 in Mailand wird nach Kritik am Wasser-Geschäft nicht mehr von Nestlé-Wasser gefüllt, sondern mit lokalem Trinkwasser.

Das sind einige Reaktionen auf die Interview-Aussagen des Nestlé-Managers:


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