POLITIK
16/08/2015 04:57 CEST | Aktualisiert 17/08/2015 02:00 CEST

Zahl der Schleuser extrem gestiegen: 6 Dinge, die ihr über den Handel mit der "Ware Mensch" wissen müsst

Im Dezember führen Polizisten in Frankfurt einen mutmaßlichen Schleuser ab
dpa
Im Dezember führen Polizisten in Frankfurt einen mutmaßlichen Schleuser ab

1. Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, ist massiv gestiegen - und damit die Zahl derer, die mit ihrem Elend Geld machen.

Seit 2013 hat die Zahl der Schleuser extrem zugenommen - genauer die Zahl derer, die die Polizei dessen verdächtigt. Laut "Welt am Sonntag" waren es im ersten Halbjahr 2014 773 Personen, im ersten Halbjahr 2015 sollen es doppelt so viele gewesen sein, 1420. Schon von 2013 auf 2014 war die Zahl der Verdächtigen extrem gestiegen, dem Bericht nach von 1535 auf 2149.

Das Einschleusen von Ausländern ist nach Paragraf 96 des Ausländergesetzes strafbar - und kann, wenn es gewerbsmäßig betrieben wird, mit bis zu zehn Jahren Knast bestraft werden.

2. Politiker und Polizei fordern deshalb stärkere Grenzkontrollen

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte der "Welt am Sonntag": "Angesichts der riesigen Probleme an der südbayerischen Grenze zu Österreich muss die Bundespolizei deutlich verstärkt werden." Er sehe es als Erfolg, dass derzeit allein in Bayern mehr als 500 Schleuser in Untersuchungshaft säßen.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, sagte der Zeitung: „Unsere Nachbarstaaten dürfen Flüchtlinge nicht einfach durchreisen lassen. Falls sie dies weiterhin tun, benötigen wir stationäre Grenzkontrollen an den deutschen Grenzen."

3. Die Schleuser kassieren die Flüchtlinge gnadenlos ab

„Mit der Ware Mensch lässt sich zur Zeit mehr Kasse machen als mit Waffen und Drogen“, sagte Bundespolizeipräsident Dieter Romann der "Welt am Sonntag".

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere etwa erfuhr bei einem Besuch im niederbayerischen Deggendorf, dass ein Syrer seinem Schleuser 4500 Euro gezahlt hatte. Das liegt nach Recherchen der "WamS" sozusagen im Schnitt, üblicherweise würden etwa für eine Schleusung von Syrien nach Deutschland über den Balkan zwischen 3000 und 5000 Euro verlangt. Solle es eine Erfolgsgarantie geben, würden bis zu 30.000 Euro pro Person verlangt.

Trotz der hohen Summen müssen die Flüchtlinge um ihr Leben fürchten. Oft werden sie so in Kleinlastern eingepfercht, dass sie kaum Luft bekommen. Wie die Schleuser agieren, die Flüchtlinge von Afrika aus per Boot nach Europa bringen, ist nur allzu bekannt. Sie zahlen nach Recherchen des "Focus" im Schnitt um die 1500 Euro.

4. Es gibt drei besonders frequentierte Routen nach Europa

migration

Die Grafik des Bundesnachrichtendienstes zeigt die Hauptrouten für illegale Einwanderung.

  • Die Süd-Route wird vor allem von Afrikanern und Syrern genutzt. Die politische Instabilität in den Ländern Nordafrikas, vor allem Libyens, machen es den Schleusern leicht, dort abzulegen.
  • Die Süd-Ost-Route wird vor allem von Menschen aus dem Nahen Osten genutzt. Diese Route hat nach Informationen der "WamS" in den vergangenen Monaten stark an Bedeutung gewonnen.
  • Die Ost-Route sei für Migranten "nahezu aller Herkunftsländer Osteuropas und Asiens" die bevorzugte.

5. Die Grenzschutzagentur Frontex hat allein in diesem Jahr Abertausende illegale Grenzübertritte registriert

Dazu muss man wissen: Frontex, eine Kooperation von Polizisten verschiedener Länder, ist als "Stacheldraht Europas" umstritten. Ihre Aufgabe ist es eigentlich, die EU-Außengrenzen zu schützen - doch eine legale Einreise ist Asylbewerbern schlicht unmöglich.

frontex

Quelle: Frontex

  • Im Osten (Hellblau) hat Frontex von Januar bis Mai 553 illegale Einwanderer registriert.
  • Über den Westbalkan (Rot) waren es von Januar bis Juni 67.444.
  • Übers östliche Mittelmeer (Orange) waren es von Januar bis Juni 79.286.
  • Übers Mittelmeer (Mintgrün) waren es im gleichen Zeitraum 67.261.

6. Die Politik versucht, härter gegen Schleuser durchzugreifen

Im Mai haben die EU-Außenminister eine Militärmission gegen Schlepperbanden im Mittelmeer beschlossen.

Lesen Sie auch den Buchauszug auf der HuffPost-Seite: Mit Syrern auf der Flucht nach Europa


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