WIRTSCHAFT
16/08/2015 09:57 CEST | Aktualisiert 17/08/2015 02:02 CEST

Nach der Lektüre dieser 9 Fakten werdet ihr anders über Amazon denken

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Amazon-Chef Jeff Bezos

Amazon ist riesig. Gigantisch. An einem Spitzentag verkauft der Internet-Versandhändler schon mal fast 37 Millionen Artikel, 426 pro Sekunde. Jahresumsatz allein in Deutschland: 12 Milliarden US-Dollar. Es kaufen also viele, sehr viele Deutsche dort ein.

Möglich, dass ihr Amazon weniger mögt, wenn ihr diese Fakten kennt:

1. Amazon will, dass Mitarbeiter nachts E-Mails beantworten

Die „New York Times“ hat mit etwa 100 (ehemaligen) Amazon-Mitarbeitern aus den USA gesprochen. Was diese erzählten, ist schockierend. So sollen Mitarbeiter mitten in der Nacht E-Mails bekommen – und wenn sie nicht gleich antworten, folge eine SMS – mit der Frage, warum sie denn nicht reagiert hätten.

2. Amazon will, dass sich Kollegen anonym denunzieren

Wie die „NYT“ berichtet, finden sich im internen US-Telefonverzeichnis Ermunterungen, den Vorgesetzten von Kollegen zu schreiben. Sogar vorformulierte Sätze soll es dort geben. Darunter: „Ich mache mir Sorgen über seine Inflexibilität und seine offene Kritik an vermeintlich kleinen Aufgaben.“ Offenbar wird dieses Tool genutzt. Manche Mitarbeiter fühlen sich gemobbt.

3. Amazon will Leistung – und wer’s nicht bringt, hat Pech gehabt

Jedes Unternehmen hat ein Recht darauf, dass seine Mitarbeiter Leistung erbringen. Aber was der Internetriese fordert, geht offenbar zu weit. Ein ehemaliger Personalchef sagte der „NYT“ Amazon betreibe Darwinismus. Jährlich würden Mitarbeiter gezielt nach ihrer Leistung gefiltert. Wenn jemand vorübergehend wegen einer Krebserkrankung nicht so gut arbeiten könne? Pech gehabt.

„Wenn man nicht sein absolutes Maximum gibt, 80 Stunden die Woche, wird einem das als große Schwäche ausgelegt“, zitiert die Zeitung die ehemalige Mitarbeiterin Molly Jay. Ach ja: Jays Problem war, dass sie keine 80 Stunden arbeiten konnte, als ihr Vater im Sterben lag.

„Darwinistisch“ nannte das der Autor des Buches „The Amazon Way“ dieses System.

4. Weinen ist bei Amazon an der Tagesordnung

„Fast jede Person, mit der ich gearbeitet habe, sah ich im Büro weinen“, sagt ein Mitarbeiter der "NYT".

5. Amazon fragt die Mitarbeiter Tausende Zahlen ab

Moderne Unternehmen analysieren viele Parameter in ihrem Unternehmen – alles, was helfen kann Prozesse effizienter, besser zu machen. Das ist normal. Nicht normal ist, dass Amazon offenbar seinen Mitarbeitern wenige Tage vor Treffen bis zu 60 Seiten lange Paper austeilt und dann die Zahlen daraus abfragen lässt.

6. Amazon hat immer recht

Der Internethändler hat 14 Führungsprinzipien, die auch für Deutschland gelten. Eines davon lautet "Unsere Leader treffen meistens die richtigen Entscheidungen. Sie haben ein ausgezeichnetes Urteilsvermögen und einen guten Instinkt." Schön für die Chefs - und eine unmissverständliche Ansage an jeden, der zweifelt.

7. Amazon macht krank

Auch die Arbeitsbedingungen für jene Angestellten, die im Versand und nicht in der Firmenzentrale arbeiten, sind mies. In Deutschland kämpfen die Angestellten offenbar nicht nur um eine bessere Bezahlung, sondern auch um ihre Gesundheit. Laut einem Bericht der Gewerkschaft Verdi liegt der Krankenstand an sieben von acht Amazon-Standorten in Deutschland bei mindestens 11 Prozent, der bundesweite Schnitt aller Arbeitnehmer liegt bei unter 4 Prozent. In Großbritannien schleusten sich BBC-Reporter ins Unternehmen ein und dokumentierten ebenfalls Zustände, die die Gesundheit gefährden.

Die Liste ließe sich noch weiter führen. Aber es lohnt sich auch, einen Blick auf das zu werfen, was Amazon außerhalb des Unternehmens so anstellt.

8. Amazon macht den Markt platt

Wie eine ZDF-Dokumentation kürzlich zeigte, ködert Amazon kleine Versandhändler und bekämpft sie dann. Indem es ihn erst ermuntert, seine Produkte über den Amazon-Marketplace zu verkaufen – und dann dessen Preise scannt und schnell mit eigenen Produkten unterbietet. Und Händler in den Innenstädten müssen angesichts der rasant wachsenden Versandhandels dicht machen.

9. Amazon ändert die Preise extrem oft – nicht nur zum Vorteil der Kunden

Wer mutmaßt, Amazons Preisstrategie komme dem Kunden zugute, hat Recht – teils jedenfalls. Ein Preismonitoring hat allerdings ergeben, dass die Preise dort innerhalb von Stunden um bis zu 240 Prozent schwanken. Glück und Abzocke liegen da nah beieinander.


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