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15/08/2015 06:50 CEST | Aktualisiert 15/08/2015 10:31 CEST

El Niño: 6 Fakten, die ihr zum Wetterphänomen wissen müsst

Tote Krabben überziehen die Strände in Kalifornien, Millionen tote Krabben. Seelöwenbabys stranden dort, ausgemergelt. Indonesiens Wälder brennen.

Experten glauben, dass El Niño dahintersteckt, ein Klimaphänomen, das das Wetter alle paar Jahre weltweit massiv durcheinanderbringt.

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Tote Krabben in Kalifornien. Foto: dpa


Doch dieses Jahr, so fürchten die Fachleute, wird es besonders schlimm. "Wir rechnen mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit damit, dass El Niño in diesem Jahr stärker wird als 1997/98", warnt Hilda Carr vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW).

Hier sind sechs Fakten zu El Niño, die ihr jetzt kennen müsst:

1. Was heißt El Niño überhaupt?

El Niño ist eine Wetterschaukel im pazifischen Ozean, die vor allem zwischen der südamerikanischen Pazifikküste und der Region zwischen Indonesien und Australien zu beobachten ist. Etwa alle zwei bis sieben Jahre kommt es dort zu starken Veränderungen der normalen Wetterlage. Da das Phänomen zumeist um die Weihnachtszeit auftritt, wurde es "El Niño" getauft, was auf Spanisch auch "Christkind" bedeutet.

2. Was passiert bei El Niño?

Normalerweise treiben Passatwinde warmes Wasser in Richtung Australien und Südostasien. Dies hat zur Folge, dass feuchte Luft dorthin gelangt und es dort viel regnet. Im Gegenzug fließt kälteres Wasser, in dem sehr viele Fische zu finden sind, vor die Küsten Süd- und Mittelamerikas.

In El Niño-Jahren wird dieser Zyklus auf den Kopf gestellt: Die Passatwinde sind schwach und ändern sogar ihre Richtung. Das warme Wasser und die feuchte Luft kommt nicht an die regenreichen Regionen im südostasiatischen und ozeanischen Raum, sondern an die eigentlich trockenen Küste von Südamerika. Dort steigt die Meerestemperatur um bis zu acht Grad Celsius.

3. Warum ist El Niño so gefährlich?

Die Veränderungen lösen in Südamerika und Westafrika oft verheerende Überschwemmungen aus. Die Fischbestände in den dortigen Meeresregionen schrumpfen drastisch, Robben und Seevögel finden nicht mehr genügend Nahrung und sterben in großer Zahl. Auch der Fischfang muss starke Einbuße hinnehmen.

In Südostasien, an der Ostküste Australiens und an in Südostafrika kommt es hingegen zu großen Dürren, Ernteausfällen und Waldbränden. Der bislang stärkste El Niño ereignete sich 1997/1998. Damals starben weltweit mehr als 20.000 Menschen.

4. Warum ist dieser El Niño besonders?

Vier Jahre lang hatte das Wetterphänomen Meteorologen auf der ganzen Welt irritiert: Kommt er nun, oder fällt er wieder aus? Im März meldete der US-amerikanische Wetterdienst NOAA endlich Vollzug: El Niño sei zurück und werde große Teile unseres Planeten in diesem Jahr besonders hart treffen und noch schlimmer als 1997/1998 wüten. "Wir erwarten in den kommenden Monaten einen der stärksten El Niños der vergangenen Jahrzehnte", erklärte ein NOAA-Experte.

Seit Jahren schon steigt die Erderwärmung stark an. Das Wetterphänomen dürfte dafür sorgen, dass 2015 das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen wird.

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Eingefärbte Satellitenaufnahmen der Nasa zeigen die Wassertemperaturen im Pazifik im katastrophalen Jahr 1997 und 2015. Wärmeres Wasser, das normalerweise im Westpazifik bleibt, hier in hellem Orange, Rot und Weiß, bewegt sich entlang des Äquators nach Amerika.


5. Was konkret droht den betroffenen Regionen in diesem Jahr?

Bereits jetzt, also noch mehr als Vierteljahr vor dem eigentlichen Höhepunkt des El Niños, sind die Auswirkungen bereits spürbar. Stichworte: tote Krabben, Seelöwenbabys, Waldbrände. Im Rekord-EL Niño brannten im riesigen Inselstaat Indonesien mehr als fünf Millionen Hektar Tropenwälder. Das ist mehr als die Landesfläche der Schweiz.

Die bereits in den vergangenen Jahren von Tropenstürmen so arg gebeutelten südostasiatischen Staaten müssen sich in diesem Winter auf noch stärkere Taifune und Ernteausfälle einstellen. "Wir rechnen mit einem Einbruch der Reisernte um 43 Prozent", erklärte ein Vertreter des thailändischen Landwirtschaftsministeriums. Indien erwartet mindestens 15 Prozent weniger Regen im September. Die indonesische Regierung geht davon aus, dass El Niño 200.000 Hektar Felder ausdörren könnte.

6. Womit müssen wir in Europa rechnen?

Auch bei uns wirkt sich El Niño vor allem in den Wintermonaten auf das Wetter aus, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie in den Pazifikstaaten. Die Wetterschaukel führt dazu, dass Mitteleuropa in den nächsten Jahren kalte Winter bevorstehen. Experten gehen davon aus, dass - bedingt durch den Klimawandel - El Niño auch bei uns in Zukunft zu stärkeren Unwettern führen kann.

Mit Materialien von dpa


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