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14/08/2015 08:51 CEST | Aktualisiert 20/09/2015 10:55 CEST

6 Gründe, warum Griechenland vor einem neuen Zeitalter steht

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Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras

Historischer Tag für das hochverschuldete Griechenland: Mit der Zustimmung zu harten Sparauflagen hat sich das Parlament ein Rettungspaket in Höhe von 86 Milliarden Euro gesichert.

Das wird in Griechenland vieles verändern

Zuvor drohte die Staatspleite, ein Ausstieg aus dem Euro, ein Bürgerkrieg. Die Einschnitte sind das geringere Übel: höhere Mehrwertsteuer, niedrigere Renten, viel weniger öffentliche Ausgaben. Ein hohes Risiko - aber eine große Chance für ein Land am Abgrund. Die Sparauflagen werden Griechenland verändern - zum Guten. Sechs Gründe dafür:

1. Endlich eine stabile Regierung, die sich klar zu Europa und dem Euro bekennt

Regierungschef Alexis Tsipras regierte bislang in einer wackligen Koalition. Seine eigene Partei Syriza ist zerrissen. Bei der Abstimmung konnte Tsipras allerdings die Opposition auf seine Seite bringen. Am 20. August will er die Vertrauensfrage stellen - das könnte zu Neuwahlen führen. Im besten Fall bekommt das Land eine Regierung, die zum Euro und zu Europa steht, statt interne Kämpfe auszutragen.

2. Tsipras schafft eine neue Mitte

Die Griechen trauen Tsipras - seine Beliebtheit ist so groß, dass er seinem Volk unfassbare Einschnitte zumuten kann. Er hat es geschafft, sowohl linke als auch rechte Wähler hinter sich zu scharen. Vergessen sind die Zeiten, als die Grabenkämpfe zwischen den ehemals größten Parteien Nea Demokratia und Pasok das Land lähmten. Das macht Tsipras zu dem starken Regierungschef, den Griechenland in den kommenden Jahren braucht, um sich aus der Krise zu kämpfen.

3. Keine Staatspleite

Zehntausende griechische Bürger gingen gegen die Sparvorschriften auf die Straße. Doch was wäre passiert, hätte sich das Land gegen die Auflagen entschieden? Keine Unterstützung mehr von den europäischen Partnern, die Rückkehr zur alten nationalen Währung, der Drachme. "Mit der Drachme würde Griechenland als Armutsland zementiert", warnte der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel. Verglichen damit sind die Sparvorgaben das geringere Übel.

4. Neue Einnahmen

Ein Privatisierungsfonds soll Staatsfirmen wie Flughäfen oder Telefonanbieter verkaufen - behördengleich geführte Unternehmen, die ineffizient geführt werden. In weiten Teilen Europas, etwa in Deutschland, sind sie längst in privater Hand. Für den Staat bedeutet die Privatisierung Milliardeneinnahmen, die dann wieder investiert werden können.

5. Ein Schlag gegen die Klientelpolitik

Eins der größten Probleme Griechenlands waren nicht die schwache Wirtschaft und die hohen Schulden, sondern Klientelpolitik und Korruption. Syriza wurde gewählt, um diese Probleme zu bekämpfen, weil man das den etablierten Parteien nicht mehr zutraute. Auch, wenn Tsipras Partei bislang keine großen Erfolge vorzuweisen hat - jetzt hat es Zeit, dagegen entschieden vorzugehen. Der Regierungschef weiß: Daran muss er sich genauso messen lassen wie an seiner Euro-Politik.

6. Europa gewinnt Vertrauen in die griechische Regierung zurück

Ob berechtigt oder nicht: Die monatelangen Verhandlungen haben das Vertrauen in die griechische Regierung nahezu zerstört. Vergessen ist die Zeit, in der ein wildgewordener Yanis Varoufakis mit einem Grexit-Plan in der Tasche wie ein Rambo die Zukunft des Landes immer wieder aufs Spiel setzte. Zusagen wurden nicht eingehalten, Probleme vertuscht und Lügen verbreitet. Damit hat die Regierung nicht nur die EU-Regierungschefs gegen sich aufgebracht, sondern ganze Nationen. Die emotionale Debatte erschwerte pragmatische Politik enorm. Lange schien es, dass die Griechenland-Rettung nicht nur aus sachlichen Gründen scheiterte. Mit der Abstimmung hat Tsipras wieder Vertrauen zurückgewonnen - und kann so deutlich einfacher Politik machen. Das ist in der Krise, in der das Land steckt, auch dringend nötig.

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