POLITIK
12/08/2015 12:14 CEST | Aktualisiert 18/01/2016 13:56 CET

Meinungsforscher: Jeder dritte Deutsche schämt sich hin und wieder für seine Herkunft

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So stolz sind die Deutschen wirklich auf ihr Land

Die Deutschen und der Patriotismus - das ist ein schwieriges Thema. In vielen Ländern ist der Stolz auf das Heimatland selbstverständlich, in Deutschland war das lange Zeit angesichts der Last der Vergangenheit undenkbar.

2006 kam dann der Wandel. Die Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land impfte den Deutschen wieder ein flauschiges Wir-Gefühl ein. Seitdem darf man wieder mit Inbrunst die Nationalhymne singen und die schwarz-rot-goldene Fahne aus dem Fenster hängen. Deutschsein war plötzlich in.

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Trotzdem bleibt das Verhältnis vieler Menschen zu ihrer Identität gespalten. "Die Deutschen meinen, sie müssten immer selbstkritisch sein, um den Rückfall in den Nationalismus zu verhindern", sagte Ulrich Schmidt-Denter, Professor für Psychologie an der Universität zu Köln, 2012 der "Welt".

Doch wie sieht es heute, 2015, mit dem Selbstbild der Deutschen aus? Hält der "Hurra-Patriotismus" angesichts der jüngsten Sport-Ereignisse und -erfolge an? Und viel wichtiger: Wie fühlt es sich an, Deutscher zu sein in einer Zeit, in der es eine traurige Renaissance rechter Pöbeleien auf den Straßen gibt?

Genau diese Frage hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov zwischen September 2014 und April 2015 rund 1000 Menschen in Deutschland gestellt. Dabei sagten immerhin 70 Prozent der Teilnehmer, dass sie "stolz" seien, Deutsche zu sein. Etwas mehr als jeder dritte Deutsche sagte jedoch auch, dass er sich manchmal seiner Herkunft schäme.

Was die Deutschen sonst noch über das Thema Nationalstolz denken, seht ihr in folgender Grafik:

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(©2015 Edel Germany GmbH)

Ein weiteres Thema, das die YouGov-Forscher um den Psychologen Holger Geißler in ihrem neuen Buch "Wie wir Deutschen ticken" behandeln, ist die Vergangenheitsbewältigung. "Muss endlich mal Schluss sein?" haben sie 1000 Deutsche im Hinblick auf die NS-Vergangenheit gefragt.

Zwar ist ein Großteil der Meinung, dass Deutschland aufgrund seiner Geschichte "noch lange eine besondere internationale Rolle" spielen wird. Allerdings fanden zwei Drittel der Befragten auch: "Ich bin weit nach dieser Zeit geboren und habe damit nichts zu tun."

Das sagten die Deutschen außerdem zum Thema NS-Vergangenheit:

deutsche

(©2015 Edel Germany GmbH)

Apropos Vergangenheit: Erinnert ihr euch noch an die Hymnen-Panne von Sarah Connor vor zehn Jahren? Damals hatte die Sängerin beim Eröffnungsspiel der Münchner Allianz-Arena die deutsche Nationalhymne unfreiwillig umgedichtet. "Brüh im Lichte dieses Glückes ..." sang sie damals. Das hatte Hoffmann von Fallersleben anders vorgesehen.

Damals krümmte sich ganz Fernseh-Deutschland vor Lachen auf der Couch. Doch bei vier von zehn Deutschen sieht es nicht besser aus, wenn es um die Textsicherheit bei der Nationalhymne geht.

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(©2015 Edel Germany GmbH)

Die Ergebnisse und Info-Grafiken stammen aus dem Buch „Wie wir Deutschen ticken“ - erschienen im Edel Verlag - und basieren auf repräsentativen Umfragen des Meinungsforschungsinstituts YouGov.


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