WIRTSCHAFT
12/08/2015 13:29 CEST | Aktualisiert 13/08/2015 06:16 CEST

Lidl schwärmt von seinen glücklichen Mitarbeitern. Jetzt blamieren die das Unternehmen

Lidl/Youtube
Lidl schwärmt von seinen glücklichen Mitarbeitern. Jetzt blamieren die das Unternehmen

Lidl sieht sich ja bekanntlich als ganz tolles Unternehmen. Eines, das frische Lebensmittel von hoher Qualität anbietet – und das auch noch zu günstigen Preisen.

Der Einkauf bei Lidl lohnt sich, findet der Konzern. Weil sich seine Mitarbeiter ganz besonders ins Zeug legten – aus Identifikation mit dem Unternehmen und im Dienste des Kunden. Diese Geschichte erzählt zumindest die Imagekampagne von Lidl.

Etwas Wahres mag dran sein an dieser Geschichte. Viel ist jedoch Dichtung. Das zeigt ein aktueller Bericht des SWR. Darin erheben Mitarbeiter schwere Vorwürfe gegen Lidl. Es sind Vorwürfe, die in krassem Widerspruch zu dem Selbstbild des Unternehmens stehen.

Die Wahrheit, wie Lidl sie dichtet:

„Nur Dank unserer Mitarbeiter können wir selbstbewusst sagen: Lidl lohnt sich.”

(aus dem Imagefilm von Lidl)

lidl lohnt sich

Und so sieht es wirklich aus:

„Es herrscht eine Kultur der Angst – definitiv.”

(ein Mitarbeiter gegenüber dem SWR)

Die Wahrheit, wie Lidl sie dichtet:

„Sie (die Lidl-Mitarbeiter; d. Red.) stehen für das freundliche Lächeln, die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit.”

(aus dem Imagefilm von Lidl)

lidl mitarbeiter

Und so sieht es wirklich aus:

„Wenn die Stimme anfängt zu zittern oder wirklich zu wackeln, dann merken Sie, dass ein Mitarbeiter gegenüber seinem Vorgesetzten extrem eingeschüchtert wird.”

(ein Mitarbeiter gegenüber dem SWR)

Die Wahrheit, wie Lidl sie dichtet:

„Gute Qualität erkennt man an dem, was jeder von ihnen (den Mitarbeitern; d. Red.) jeden Tag leistet.”

(aus dem Imagefilm von Lidl)

lidl mitarbeiter

Und so sieht es wirklich aus:

Mehrere Mitarbeiter prangern in dem SWR-Bericht an, dass Angestellte bei Lidl in Einzelgesprächen systematisch eingeschüchtert werden. Das Ziel: die Bildung von Betriebsräten zu verhindern.

In der Praxis klingt ein solches Mitarbeitergespräch demnach so:

„Wenn Sie sich für einen Betriebsrat einsetzen, haben Sie keine Zukunft mehr in unserem Unternehmen.”

(ein Mitarbeiter von Lidl, der aus Angst um seinen Arbeitsplatz lieber anonym bleiben will, gegenüber dem SWR)

Die Wahrheit, wie Lidl sie dichtet:

„Weil ihnen ein faires Miteinander wichtig ist und sie ein gegebenes Wort auch halten.”

(aus dem Imagefilm von Lidl)

lidl mitarbeiter

Und so sieht es wirklich aus:

In nur drei von 3200 Lidl-Filialen deutschlandweit existiert ein Betriebsrat.

(diese Statistik führt die Gewerkschaft Verdi)

Die Huffington Post hat Lidl um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten. In einem schriftlichen Statement erklärte das Unternehmen:

„Der persönliche Erfolg und die Zufriedenheit der Mitarbeiter ist uns (...) ein wichtiges Anliegen, das wir (...) permanent verbessern wollen. Dabei entscheiden unsere Mitarbeiter selbst, ob es eines Betriebsrats bedarf oder nicht.”

Lidl selbst sei „nicht gegen die Gründung von Betriebsräten”. Man lehne es jedoch ab, „dass Aktivitäten zur Bildung von Betriebsräten von außen an die Mitarbeiter herangetragen werden”.

Und hier können Sie sich die heuchlerische Lidl-Kampagne nochmal in voller Länge ansehen:


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