WIRTSCHAFT
11/08/2015 14:56 CEST

Weltbank warnt vor Ölpreis-Absturz - diese Dinge müsst ihr jetzt wissen

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Der Ölpreis, der Schmierstoff der Weltwirtschaft, könnte vor einem dramatischen Absturz stehen.

Die Weltbank warnt in ihrem aktuellen Bericht davor, dass der Ölpreis im kommenden Jahr um zehn Dollar pro Fass sinken könnte. Das wären dann noch einmal 21 Prozent weniger.

Zur Erinnerung: Der Ölpreis ist jetzt bereits nur noch halb so hoch wie vor einem Jahr – und hat wieder das Niveau von 2009 erreicht. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 48,84 Dollar.

Die mehrjährige Hochpreis-Phase mit Notierungen jenseits der 100 Dollar dürfte ohnehin für längere Zeit vorbei sein.

Die Weltbank prognostiziert den Absturz, weil die geplante Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran zu einer „vollständigen Rückkehr des Iran auf den Weltmarkt“ führe – und dadurch täglich eine Million Barrel Öl zusätzlich auf dem Markt sind.

5 Dinge, die Sie jetzt über den drohenden Ölpreis-Absturz wissen sollten.

1. Was ist der Grund für den Ölpreis-Absturz?

Gerade kommen mehrere Faktoren zusammen, die auf die Preise drücken. Vor allem das Prinzip von Angebot und Nachfrage.

Die Länder des Opec-Kartells – allen voran Saudi-Arabien - produzieren so viel Öl wie noch nie. In den USA ist der Fracking-Boom keineswegs gebrochen. Und der Iran steht in den Startlöchern, um zusätzliche Ölmengen auf den Markt zu bringen. "Der Iran wird zu jedem Preis verkaufen", schätzt Hamburger Energieexperte Steffen Bukold.

Die Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris schätzen die globale Produktion von Rohöl gegenwärtig auf 95 Millionen Barrel pro Tag, die weltweite Nachfrage aber nur auf 93 Millionen Barrel, vor allem weil Chinas Industrie an Wachstumstempo verliert. Diese Überproduktion drückt die Preise.

2. Warum wurde nicht einfach die Produktion gedrosselt?

Das Ölkartell Opec hat bisher nicht mit einer Produktionskürzung auf den Preissturz reagiert. Dass die Preise noch weiter fallen, wird von Saudi-Arabien hingenommen, um zu verhindern, dass Mitbewerber wie der Iran oder die USA Markanteile gewinnen. Von einem „Ölkrieg“ wird gesprochen. Die Vereinigten Staaten wollten die Opec "in die Knie zwingen", kritisierte vor einigen Monaten Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro.

3. Sind die fallende Preise denn kein Grund zum Jubeln?

Einerseits schlagen sich die günstigen Rohöl-Notierungen am Ende zum Beispiel oft in günstigeren Sprit- und Dieselpreisen nieder. Das kommt zwar nicht in vollem Umfang beim Verbraucher an, doch tendenziell wird Tanken und Heizen günstiger.

Somit bleibt mehr Geld für den Konsum übrig. Auch für manches Unternehmen sind niedrige Rohstoffpreise ein kleines Konjunkturprogramm: So wird etwa die Lufthansa in diesem Jahr mit 6 Milliarden Euro voraussichtlich rund 200 Millionen Euro weniger für Kerosin ausgeben als bislang geplant.

Viele Vor- und Zwischenprodukte aus der Chemie könnten ebenfalls billiger werden, was die Wettbewerbsfähigkeit der Branche erhöht. Doch wenn die Rohstoffpreise weiter derart sinken, müssen etliche Firmen auch Gewinnziele kappen und Investitionen drosseln. Zum Beispiel direkte Zulieferer von Rohstoff-Förderunternehmen wie Armaturenhersteller und Pumpenbauer, warnt der Chefvolkswirt des Verbandes der Maschinen- und Anlagenbauer.

4. Welche Länder gehören zu den Verlierern?

Ganze Regierungen stünden nach dem Ölpreis-Verfall „regelrecht unter Schock“, zitiert das Magazin „stern“ bereits im Januar den renommierten Erdöl-Experten Daniel Yergin. Er sagt: „Wir stehen am Beginn einer neuen Ära in der Geschichte des Öls und seines Preises.“ An dieser Bestandsaufnahme hat sich nichts geändert. Werden die Prognosen der Weltbank Realität, sind sie aktueller denn je.

In Nigeria, Iran, Venezuela und Russland, den Erdöl produzierenden Länden, sorgt die aktuelle Lage für Entsetzen. Diese Länder hängen am Öl, teilweise kommen 95 Prozent der Exporteinnahmen (Venezuela) vom schwarzen Gold.

Russland bekommt bereits bei einem Ölpreis deutlich unter 100 Dollar ein Problem mit der Finanzierung seines Staatshaushalts. Man muss daher kein Mathe-Ass sein, um zu verstehen: Putin is not amused. An der Wall Street scherzt man bereits: "Putin verliert seinen besten Freund - das Öl“.

Kritiker werfen Putin unter anderem vor, in insgesamt 15 Jahren an der Macht den Haushalt nicht unabhängiger vom Ölverkauf gemacht zu haben.

Erdöl-Experte Yergin schätzt, dass durch die unterschiedlichen Wirkungen des Ölpreises Vermögen in Höhe von bis zu 1,5 Billionen Dollar umverteilt werden – allein im Jahr 2015, berichtete der „stern“Anfang des Jahres.

5. Wie geht es jetzt weiter?

Manche Analysten spekulieren schon über einen Ölpreis von nur noch 20 Dollar. Die Konsequenzen für die Staatshaushalte mancher Regierungen wären verheerend, die ganze Weltwirtschaft könnte ins Wanken geraten.

Und in manchen Ländern drohen soziale Unruhen. Weil die sprudelnden Öl-Gewinne der Vergangenheit ausbleiben und Ausgaben für soziale Wohltaten gekürzt werden müssen. Erdöl-Experte Yergin schätzt, dass durch die unterschiedlichen Wirkungen des Ölpreises Vermögen in Höhe von bis zu 1,5 Billionen Dollar umverteilt werden – allein im Jahr 2015, berichtete der „stern“Anfang des Jahres.