POLITIK
11/08/2015 11:28 CEST | Aktualisiert 11/08/2015 12:21 CEST

Die Deutschen haben keine Lust auf Kirche - warum sie trotzdem nicht austreten, ist kaum zu glauben

Deutsche sind nur noch aus Bequemlichkeit in der Kirche.
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Deutsche sind nur noch aus Bequemlichkeit in der Kirche.

Etwa 60 Prozent aller Deutschen sind Christen. Doch die Zeiten, in denen der sonntägliche Gottesdienstbesuch zur Regel gehörte, sind vorbei. Wie die Studie „Wie ticken wir Deutschen“ zeigt, steht es schlecht um die Kirche in Deutschland. Die Gotteshäuser bleiben leer, nur 16 Prozent aller Deutschen halten die Kirchensteuer noch für richtig. Mehr als die Hälfte der Kirchenmitglieder haben bereits über einen Austritt nachgedacht. Viele verwerfen den Gedanken nur aus Faulheit.

50 Prozent der Befragten im Westen und 30 Prozent der Befragten im Osten gaben an, an Gott zu glauben. Vor leeren Bänken wird das die Kirchen in Zukunft wohl nicht bewahren. Denn die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigt: Nur jeder zwanzigste Deutsche geht jede Woche in die Kirche. 47 Prozent der Befragten gaben an, nie ein Gotteshaus zu besuchen.

so ticken die deutschen kirche

Bild: Edel Germany GmbH

Besonders die Kirchensteuer scheint den Deutschen ein Dorn im Auge. Lediglich 16 Prozent erklärten sich mit der staatlich erhobenen Abgabe an die katholische Kirche einverstanden. 51 Prozent der etwa 80.000 Befragten gaben an, schon einmal mit dem Kirchenaustritt geliebäugelt zu haben.

Nur die eigene Bequemlichkeit hält sie in der Kirche. 46 Prozent der potenziell Austrittwilligen erklärten, sie seien aus Bequemlichkeit in der Kirche geblieben. 36 Prozent machten zu ihren Beweggründen doch nicht auszutreten keine Angabe. Nur 4 Prozent gaben an, ihren Glauben wiedergefunden zu haben. Noch eher ein Motiv der Kirche treu zu bleiben: Die Angst vor einem so radikalen Schritt, die sich 14 Prozent der Zweifler eingestanden.

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Bild: Edel Germany GmbH

Den Abwärtstrend der Kirche spiegeln auch andere Zahlen: So meldete die Deutsche Bischofskonferenz kürzlich, im Jahr 2014 seien so viele Menschen wie noch nie aus der katholischen Kirche ausgetreten. 217.716 kehrten der Kirche im vergangenen Jahr den Rücken, das sind mehr als 20 Prozent mehr Austritte als im Vorjahr.

Die Deutschen halten die Kirche für rückständig. Darin könnte ein Grund für die sinkende Identifikation mit der christlichen Religion liegen. 84 Prozent der Deutschen sind der Meinung, die Religionen sollten ihre Traditionen an die moderne Zeit anpassen. So einig wie in dieser Frage waren sich die Befragten nirgendwo sonst.

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Ein kleiner Lichtblick aus christlicher Sicht ist Papst Franziskus. Der Argentinier kommt bei den Deutschen besser an als Vorgänger Papst Benedikt XVI.. 41 Prozent waren überzeugt, der neue Papst mache seine Arbeit besser als sein Vorgänger, dem nur 18 Prozent der Deutschen ein besseres Arbeitszeugnis ausstellten. Außerdem: Noch weniger Begeisterung als gegenüber den beide christlichen Religionen äußerten die Deutschen gegenüber dem Islam. 49 Prozent der Befragten hielten Islam und Demokratie für unvereinbar, nur 16 Prozent sagten: Ja, der Islam gehört zu Deutschland.


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