WIRTSCHAFT
11/08/2015 08:57 CEST | Aktualisiert 11/08/2015 10:49 CEST

Neonazis kommen in einen Biergarten. Mit der Reaktion der Gäste hatten sie nicht gerechnet

Der Hirschgarten in München (Symbolbild)
giesing/Flickr
Der Hirschgarten in München (Symbolbild)

Der Hirschgarten ist der größte Biergarten Münchens – mit 8000 Sitzplätzen. Auf einem saß am Wochenende der Neonazi Philipp Hasselbach. Er ist wegen gefährlicher Körperverletzung zu 20 Monaten Haft verurteilt worden und gründete am 125. Geburtstag Adolf Hitlers den Kreisverband der Partei "Die Rechte".

Zwei Gäste erkannten den Neonazi, der mit einigen Kameraden dort gewesen sein soll, sofort: der SPD-Lokalpolitiker Nima Lirawi und Hans-Georg Stocker, Chef eines Veranstaltungszentrums.

Sie informierten Medienberichten nach den Wirt des Biergartens, doch dieser habe nichts unternommen.

"Mit so jemandem möchte ich nicht in einem Biergarten sitzen"

Für Lirawi war aber klar: „Mit so jemanden möchte ich nicht in einem Biergarten sitzen“, sagte er der "Bild." „Das sind Menschen, die übelst gegen Ausländer, unseren Staat und die Demokratie hetzen. Da bekomme ich ein mulmiges Gefühl."

So stieg sein Kollege Stocker auf einen Biertisch und sagte laut: „Hier sitzen die Obernazis von München.“ Medienberichten zufolge zogen Hasselbach und seine Kameraden genervt ab, weil auch andere Gäste das überhaupt nicht gut fanden.

Der Neonazi behauptet, gemütlich sein Bier ausgetrunken zu haben

Hasselbach behauptet in einer Presseerklärung hingegen, mehrere Gäste seien genervt gewesen und hätten ihrerseits Stocker zum Gehen aufgefordert. In Wirklichkeit habe er mit seinen Kollegen das Bier ausgetrunken, man habe "nach diesem Vorfall noch über eine Stunde gemütlich zusammen" gesessen.

Hat der Wirt richtig reagiert?

In den sozialen Netzwerken wird über die Rolle des Wirtes Johann Eichmeier diskutiert. Hätte er einschreiten müssen?

Der Wirt sagte der „Süddeutschen Zeitung“, dass er noch nie etwas von dem in München bekannten Neonazi gehört habe und deshalb keinen Grund zum Handeln gesehen habe. Was er getan habe, wenn er über die Vorgeschichte des rechtsextremen Gastes bescheid gewusst hätte, wollte Eichmeier nicht kommentieren. „Das ist spekulativ“, sagte er.

Stocker, der auf den Tisch gestiegen ist, ist verwirrt. „Mit einem Aufkleber am Eingang ist es nicht getan“, sagte er. „Gerade in Münchner Bierkellern sind die Nazis damals groß geworden. Und gerade hier darf man das kein Jota mehr akzeptieren.“


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