POLITIK
11/08/2015 03:42 CEST | Aktualisiert 26/08/2015 05:57 CEST

Heinrich Schmitz hat etwas Großes für uns alle getan - und jetzt das

„Keine Macht dem Mob“ hat er geschrieben. Und „Friede, Freude, Freital?“. Und „Die Petry und ihr Saftladen“. Und viele andere Texte, in denen er mit den Rechten abrechnet. Jetzt schreibt der Strafverteidiger und Blogger Heinrich Schmitz solche Artikel nicht mehr.

Ein mutiger Mann kapituliert

Im „Tagesspiegel“ veröffentlichte Schmitz am Montag seine „eine Kapitulationserklärung“.

Er sei jetzt auch ein „besorgter Bürger“ schrieb Schmitz in Anspielung auf die vielen Deutschen, die hinter diesem Ausdruck ihre Rechtslastigkeit gesellschaftstauglich zu kaschieren versuchen. Nur, schreibt Schmitz, sorge er sich inzwischen „um die Sicherheit meiner Frau und meiner Kinder“.

Er habe diverse wüste Beschimpfungen immer mit einem „bösen Lächeln“ abgetan, schließlich hätten sie bewiesen, dass er mit seinen Texten den Kern getroffen habe. Vergangenen Samstag aber sei etwas passiert, das für ihn alles geändert habe.

Jemand gab sich als Schmitz aus - und als Mörder

Schmitz war mit seiner Frau unterwegs, als sie einen Anruf von der Polizei bekam. Ob sie denn Frau Schmitz sei. Denn angeblich hatte Herr Schmitz bei der Polizei angerufen und gestanden, seine Frau ermordet zu haben. Auch seine Tochter hatte die Polizei schon über den „Mord“ informiert. Das Haus der Familie wurde nach der Leiche durchsucht.

„Spiegel Online“ sagte Schmitz, dass auch noch zwei Freundinnen von ihm bedroht und beleidigt worden seien.

Was Schmitz letztlich still werden ließ

Er hätte nach all dem immer noch nicht aufgegeben, so schreibt er, wenn er von den Menschen mehr Rückhalt gespürt hatte, mehr Mut, sich offen dem Mob entgegenzustellen. Aber es seien zu wenige. Und dafür könne er das Risiko nicht eingehen. „Ich glaube nicht, dass sich genug Leute aus der Mitte diesem Extremismus entgegenstellen wollen“, sagte er „Spiegel Online“.

Ein Student, der auf der Plattform change.org die Petition #HeimeOhneHass (für ein Verbot fremdenfeindlicher Demonstrationen vor Flüchtlingsheimen) ins Leben gerufen hatte, erhielt Todesdrohungen gegenüber seiner Familie. Auch Schmitz hatte die Petition prominent unterstützt. So sind vermutlich die Rechtsextremen auch auf die Idee gekommen, Schmitz zu bedrohen.

Was können wir daraus lernen?

Was Schmitz schreibt, schockiert, beschämt. Und öffnet die Augen.

Es reicht nicht, leise den Kopf zu schütteln, wenn Flüchtlingsheime brennen.

Es reicht nicht, fassungslos auf die täglich neuen Meldungen über Neonazis zu starren.

Es braucht eine offene Kampfansage vieler, sehr vieler, damit Deutschland ein freies Land bleibt. Ein lebenswertes für alle. Damit sich der braune Mob nicht ausbreitet. Nicht schon wieder.

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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