WIRTSCHAFT
12/08/2015 01:32 CEST | Aktualisiert 12/08/2015 01:34 CEST

4 Gründe, warum wir uns Sorgen um die chinesische Wirtschaft machen sollten

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Chinas Wirtschaft schwächelt

Es war eine Ankündigung, die Schockwellen durch die Börsen der Welt schickte. Die chinesische Zentralbank hat überraschend die heimische Währung mit einem Rekordeingriff auf Talfahrt geschickt: Um zwei Prozent wurde der Yuan abgewertet. Die Führung will die eigene Währung billiger machen, damit chinesische Produkte für das Ausland attraktiver werden.

Was die Zentralbank in Peking zu diesem Schritt bewegte, sollte auch uns Sorgen machen. Denn Chinas Regierung kämpft zurzeit mit einer starken Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. Zudem kommen Schwierigkeiten beim Export und ein Crash am Aktienmarkt. Und das könnte Effekte auf die Wirtschaft weltweit haben.

Welche starken Auswirkungen eine Verlangsamung des chinesischen Wachstums hat, zeigte sich schon gestern: Der US-Leitindex Dow Jones Industrial ging mit minus 1,21 Prozent bei 17 402,84 Punkten aus dem Handel. Insbesondere die Aktien von Unternehmen, die stark in das asiatische Land exportieren, fielen. Ganz unten im Dow-Jones-Index standen Apple-Papiere mit einem Kursverlust von 5,20 Prozent.

Auch die deutschen Autobauer litten. Im Dax sackten die Daimler-Aktien als schwächster Wert um 5,15 Prozent ab. Continental und BMW verloren jeweils mehr als vier Prozent. Für die Volkswagen-Vorzüge ging es um 3,69 Prozent nach unten. Die Aktien von Volkswagen (VW) verloren über drei Prozent. Auch die Rohstoffpreise fielen, weil die Händler nun eine niedrigere Nachfrage aus China erwarten.

Hier vier Gründe, warum wir uns um China Sorgen machen sollten:

1. Keiner weiß, wie es wirklich um Chinas Wirtschaftswachstum bestellt ist

Nach offiziellen Angaben ist das die Wirtschaft in China um 7,0 Prozent im ersten und im zweiten Quartal gewachsen. Das ist genau so viel, wie es Peking geplant hatte. Selbst wenn diese Zahl der Realität entsprechen würde, wäre die das schwächste Wachstum seit einem Vierteljahrhundert.

Doch viele Beobachter sind der Ansicht, dass diese sieben Prozent reines Wunschdenken sind. "Insgesamt besteht der Verdacht, dass das Ausmaß der wirtschaftlichen Abkühlung von offizieller Seite Chinas unterschätzt wird", sagt Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel der "Welt". Er verweist auf alternative, indirekte Berechnungsmethoden des chinesischen Bruttoinlandsprodukts. Danach liegt das Wachstum eher bei vier bis fünf Prozent.

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Experten gegen davon aus, das der Kurs des Yuan auch weiter fällt

2. Der Yuan wird weiter fallen - und das hat Auswirkungen auf die ganze Welt

Viele Experten rechnen nun mit einem anhaltenden Abwärtstrend bei der chinesischen Währung. Das jedoch könnte am Ende ungeahnte Folgen haben - weit über China hinaus.

" Wir fürchten, dass dieser Schritt weitere Kapitalabflüsse befeuern und so zusätzlichen Abwertungsdruck auf den Yuan ausüben könnte", sagt Craig Chan, Währungsexperte bei der japanischen Investmentbank Nomura der "Welt". Mit anderen Worten: Wenn die chinesische Währung an Wert verliert, werden Investoren ihre Guthaben in andere Währungen umschichten - und damit den Wertverlust des Yuan weiter anfeuern.

3. Eine schwacher Yuan trifft deutsche Autobauer und ihre Zulieferer

Für deutsche Firmen, die stark nach China exportieren, droht jetzt Gefahr von zwei Seiten. Zum einen macht der schwache Yuan ihre Produkte für Chinesen teurer. Die Abwertung schwächt die Wettbewerbsfähigkeit europäischer und amerikanischer Firmen auf dem wichtigen chinesischen Markt, schrieb Analyst Andreas Paciorek vom Broker CMC Markets.

Die Papiere der exportabhängigen deutschen Autobauer und -zulieferer, denen die Schwäche im wichtigen chinesischen Automarkt sowie schon zusetzt, verzeichneten gestern besonders hohe Kursabschläge. Gleichzeitig kaufen die Chinesen schon jetzt weniger ausländische Produkte, da ihrer Konjunktur schwächer wächst.

In der Volksrepublik war der Pkw-Absatz im Juli um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken, wie der Branchenverband CPCA mitteilte.

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China rüster massiv auf

4. Ein schwaches Wirtschaftswachstum könnte zu einer aggressiven Außenpolitik führen

In China hat sich eine wohlhabende Mittelschicht herausgebildet, die sich an einen westlichen Lebensstandard gewöhnt hat und Reformen verlangt. Mit der hat die Kommunistische Partei Chinas eine stillschweigende Übereinkunft getroffen: "Wir sorgen für das Wirtschaftswachstum, damit ihr euch BMWs und iPhones kaufen könnt - und ihr haltet die Klappe!" Die Partei braucht Wirtschaftswachstum als Legimitation ihrer allumfassenden Herrschaft.

Schon jetzt scheint sich die Führung auf turbulente Zeiten vorzubereiten: Repression und Zensur sind in den letzten Jahren verstärkt worden. Es besteht die Gefahr, dass die Führung dann auf ein anderes beliebtes Mittel autoritärer Staaten zurückgreift, um ihre Legimitation zu erhalten: die Beschwörung eines äußeren Feindes, namentlich der USA.

Zurzeit macht Wladimir Putin vor, wie man ein hungerndes Volk mit einer aggressiv-nationalistischen Außenpolitik zusammenhält. Auch China rüstet massiv auf - ein schwächeres Wachstum könnte dazu führen, dass das Land dem russischen Beispiel folgen wird.

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