WIRTSCHAFT
10/08/2015 14:45 CEST

Wie Deutschland von der Griechenland-Krise profitiert

So sehr profitiert Deutschland von der Krise in Griechenland
dpa
So sehr profitiert Deutschland von der Krise in Griechenland

In Griechenland gehen die Gespräche mit den Geldgebern über neue Hilfskredite offensichtlich auf die Zielgerade. Geld soll Athen wie schon in der Vergangenheit nur gegen konkrete Spar- und Reformzusagen erhalten. Deutschland ist dabei der der große Gewinner der Krise in Griechenland.

Wie profitiert Deutschland? Deutschland ist nach einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle ein großer Gewinner der Krise in dem Land. Von 2010 bis heute habe die Bundesrepublik wegen der in Folge der Krise gesunkenen Zinslasten rund 100 Milliarden Euro eingespart, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie. Die Einsparungen seien höher als die rund 90 Milliarden Euro, die Griechenland Deutschland direkt und indirekt zum Beispiel über den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) schulde.

"Deutschland hat in jedem Fall von der Griechenlandkrise profitiert", erklärte das Leibniz-Institut."Diese Einsparungen übertreffen die Kosten der Krise - selbst dann, wenn Griechenland seine Schulden komplett nicht bedienen würde."

Die Ergebnisse erzeugten aber auch Widerspruch. "Nicht Deutschland profitiert von den Niedrigzinsen, sondern die verschuldeten öffentlichen Körperschaften, also Bund, Länder und Kommunen", sagte der Wirtschaftsweise Lars Feld der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Was der Steuerzahler an Zinsaufwand spare, büßten auf der anderen Seite die Bürger als Sparer ein. "Die Sparer sind deutlich mehr geschädigt, das muss man gegenrechnen", sagte Feld.

Wie kommt es, dass Deutschland als Gewinner der Krise hervorgeht? Investoren hätten ihr Geld vor allem in deutsche Staatsanleihen investiert. Diesen sei von großen Ratingagenturen ein sehr geringes Risiko bescheinigt worden, so "Bild". Der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest, erklärte deshalb: "Wenn die Staatsanleihen von Inländern gehalten werden, dann ist der Zinsrückgang kein Gewinn für Deutschland, sondern lediglich eine Umverteilung von den Bürgern zum Staat."

Wie begründen die Forscher ihre Ergebnisse? Mit der Krise hätten Anleger aus aller Welt besonders sichere Anlagen gesucht. Dabei standen die deutschen Staatsschulden ganz vorne auf der Liste der sicheren Häfen. Außerdem pumpte die Europäische Zentralbank (EZB) Milliarden in den Markt. Die hohe Nachfrage drückte dann die Rendite der Anleihen. Die Folge: Deutschland konnte auslaufende Staatsanleihen mit Anleihen ersetzen, für die viel niedrigere Zinsen als üblich fällig werden.

Auch andere Länder haben profitiert. Wie "Bild" berichtet, habe auch die USA, Frankreich und die Niederlande profitiert. Jedoch in deutlich geringerem Ausmaß.

Bis 20. August muss das hoch verschuldete Griechenland Geld bekommen, um 3,2 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank (EZB) zurückzahlen zu können. Ein drittes Hilfspaket soll bis zu 86 Milliarden Euro umfassen. Gelingt die Einigung nicht, müssten Vorbereitungen für eine weitere Brückenfinanzierung vorangetrieben werden.

Wie hoch sind die Schulden? Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat beliefen sich die griechischen Schulden im ersten Quartal des Jahres auf 301 Milliarden Euro. Die Schuldenagentur des Landes bezifferte das Defizit Ende März auf 313 Milliarden Euro. In einem Ausschuss des griechischen Parlaments war kürzlich von 320 Milliarden Euro die Rede.

Mit Material von dpa


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