POLITIK
10/08/2015 23:44 CEST | Aktualisiert 11/08/2015 04:02 CEST

Schüsse, Krawalle, Notstand: In Ferguson herrscht wieder die Gewalt

In Ferguson kam es wieder zu gewalttätigen Protesten
AP
In Ferguson kam es wieder zu gewalttätigen Protesten

Wieder herrscht die Gewalt in Ferguson. Nach einer Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Todes des Afroamerikaners Michael Brown ist es zu Krawallen und mehreren Schießereien kommen. Wieder wurde der Notstand ausgerufen. Die Maßnahme gab ein Vertreter des Bezirks St. Louis County, Steve Stenger, am Montag bekannt.

Ein Schwarzer soll auf Polizisten geschossen haben. Er sei schwer verwundet worden, als diese zurückgeschossen hätten, sagte der Polizeichef von St. Louis County, Jon Belmar.

Vor der Schießerei hatte es Krawalle gegeben. Demonstranten warfen Steine und Flaschen auf die Polizisten. Mehrere Läden wurden geplündert. In der Nähe der Geschäfte waren schließlich auch Schüsse zu hören. Sechs verschiedene Personen hätten sich 45 Sekunden lang beschossen, nachdem sie zuvor in Streit geraten seien, sagte Polizeichef Belmar.

Daraufhin feuerte der Mann auf ein Auto mit Beamten in Zivil. Er habe dabei die Windschutzscheibe und die Motorhaube getroffen, sagte Belmar. Die Beamten hätten aus dem Wagen zurückgeschossen und den Angreifer dann zu Fuß verfolgt. Laut Belmar schoss der Mann erneut auf die Polizisten und alle vier feuerten zurück.

Der Mann wurde in ein Krankenhaus gebracht und operiert. Zu seiner Identität wurden zunächst keine Angaben gemacht. Der Vater des Angeschossenen sagte der Zeitung "St. Louis Post-Dispatch" aber, es sei sein 18-jähriger Sohn. Alle vier Beamten wurden wie nach dem Einsatz von Schusswaffen vorgesehen vorübergehend beurlaubt. Die Waffe des Angeschossenen war vergangenes Jahr als gestohlen gemeldet worden.

Es gab noch eine weitere Schießerei. In der Nähe eines Denkmals für Brown wurden zwei Jugendliche aus einem fahrenden Auto angeschossen. Ihre Verletzungen waren aber nicht lebensbedrohlich, wie die Polizei erklärte.

In St. Louis warfen Demonstranten vor einem Gerichtsgebäude der Polizei Rassismus vor. Sie forderten eine entschiedenere Reaktion der Regierung. Rund 50 Protestler wurden festgenommen, als sie den Zugang zu dem Gebäude versperrten, darunter der bekannte Bürgerrechtler und Universitätsprofessor Cornel West.

Michael Brown war am 9. August 2014 von einem weißen Polizisten erschossen worden. Er war zu dem Zeitpunkt unbewaffnet. Sein Tod hatte zu Unruhen und Demonstrationen gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt in den USA geführt. Der Beamte, der ihn tötete, wurde nicht angeklagt.

Die Gedenkveranstaltung für Brown hatte friedlich mit einem Marsch begonnen. Der führte vom Tatort zu einer Kirche der Stadt bei St. Louis im US-Staat Missouri. Vor dem Gedenkgottesdienst gab es einen Moment des Schweigens, an dem sich Hunderte Menschen beteiligten. Anschließend wurden zwei Tauben freigelassen. Später gab es auch einen Gedenkgottesdienst.


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