POLITIK
10/08/2015 13:36 CEST | Aktualisiert 11/08/2015 15:53 CEST

Auf zur Jagd: Wie Menschen auf Facebook zu Freiwild werden

Getty

Im Internet sind Menschen Freiwild geworden. Rechtsextreme haben überall in Deutschland zur Jagd gegen Ausländer aufgerufen. Sie nennen sich "Bürgerwehren" und das, was sie tun, "Widerstandshandlungen". Als sei es nur eine Form des zivilen Ungehorsams, ein Flüchtlingsheim abzufackeln.

Eins von vielen Beispielen ist die Facebook-Seite "Bürgerwehren gründen", die findet, dass "wir Bürger uns selbst schützen" müssen, weil "die Polizei nicht mehr in der Lage ist" und "die Bundeswehr nicht darf".

achtung

Die Bundesrepublik habe sich ein anderes Volk ausgesucht, heißt es da, vornehmlich aus Afrika. Deshalb müssten echte Deutsche die Sache mit den "Asylforderern und Armutseinwanderern" selbst in die Hand nehmen, damit diese keine Kinder missbrauchten.

aufruf

Die Aufrufe folgen einem bemerkenswerten Selbstverständnis: Ich bin kein Nazi, ich verteidige nur mein Leben.

kein nazi

Es gibt auch eine Bürgerwehr Unterstuhl, die Bürgerwehr Freital, die Bürgerwehr Lausitz und viele andere Bürgerwehren. Sie haben im Schnitt 500 bis 1000 Unterstützer.

Nicht jeder, der bei solchen zur Gewalt aufrufenden Facebook-Posts auf "Gefällt mir" klickt, schreitet sofort zu Tat. Dennoch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Hass aus dem Netz auf die Straße verlagert. Die Anschläge auf Asylbewerberheime in Deutschland häufen sich.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zitiert den Post des Neonazis Andreas Kraul, der früher in leitender Funktion bei den "Hooligans gegen Salafisten" tätig war und sich nun Blogger nenne. Er verbreitete demnach die folgende Drohung:

"Liebe Kriegsflüchtlinge und geschundene Seelen, solltet ihr (...), so möchten wir gern eure Tradition aufgreifen und es halten wie in euren Herkunftsländern. Wenn wir euch zu fassen bekommen – und wir sind gut darin –, hacken wir eure Hände ab."

1500 Likes.

Die Menschen schreiten zur Tat. Und so schwer es rechten Parteien fällt, Unterstützer in der realen Welt zu mobilisieren, so gern heizen sie den braunen Mob bei seinen Aktivitäten im Netz an. Der "Dritte Weg" etwa hat einen Leitfaden bereitgestellt, wie die Errichtung eines Asylantenheims verhindert werden kann. Unter anderem regt die Partei konkret an, Flüchtlinge mit Strafanzeigen in Misskredit zu bringen.

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Dieser gesammelte Hass ist kaum aus dem Netz zu bekommen. Wenn fremdenfeindliche Kommentare an der einen Stelle mal gelöscht werden, tauchen sie an einer anderen wieder auf.

Dass Tragische: Die Meisten, die diese Beiträge sehen, fragen nicht nach der Quelle. Und hinterfragen nicht, wie es um die Wahrheit hinter den angeblichen Gräueltaten der Flüchtlinge steht. Sie hetzen einfach mit.

Dabei sieht es in der Regel mit der Wahrheit etwas anders aus. Wie kürzlich im Fall einer 19-Jährigen aus dem oberbayerischen Holzkirchen. Sie hatte behauptet, Flüchtlinge hätten versucht, sie zu vergewaltigen.

Im Netz entstand eine regelrechte Hetzjagd auf die angeblichen Täter. Bis die Frau zugab, dass die Geschichte erfunden war.


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