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10/08/2015 13:47 CEST

Sie wollen nur das Beste. Aber so schaden sich Krebspatienten selbst

Sie wollen nur das Beste. Aber so schaden sich Krebspatienten
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Sie wollen nur das Beste. Aber so schaden sich Krebspatienten

Sie hatte Diabetes. Eigentlich keine lebensbedrohliche Krankheit, da sie sich mit Hilfe von Insulin gute behandeln lässt. Doch trotzdem starb die Vierjährige mit dieser Diagnose. Denn die Eltern hatten dem Kind kein Insulin mehr gegeben, sondern die Kleine stattdessen mit Rohkost "behandelt".

Ein 16-jähriger Mukoviszidose-kranker Teenager wurde jahrelang mit Meditation und Fastenkuren behandelt. Sein Leben konnte der Junge nur retten, indem er zu seinem leiblichen Vater flüchtete. Seine Mutter und der Stiefvater müssen nun wegen der Misshandlung Schutzbefohlener eine Gefängnisstrafe absitzen.

Das sind sicherlich extreme Beispiele. Doch trotzdem können beide beispielhaft für eine Abneigung gegen Schulmedizin gelten, die einige Menschen zu sehr fragwürdigen Alternativen suchen lässt.

Denn vermeintlich "sanfte" Methoden sind oftmals eine Mogelpackung: Sie sind nicht nur oft medizinisch fragwürdig, sondern können auch zu starken Nebenwirkungen führen.

Axel Eustachi, vom Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde der TU München, sagte im Gespräch mit der "Süddeutsche Zeitung": "Ich mag den Begriff der sanften Medizin gar nicht. Denn längst nicht alle dieser Methoden sind sanft - im Sinne von nebenwirkungsfrei. Und mitunter geht sogar eine erhebliche Gefahr von ihnen aus."

Eustachi steht nicht in Verdacht, alternative Methoden grundsätzlich abzulehnen. An der TU München behandelt er Krebspatienten z.B. mit Öl-Salz-Mixturen und Ringelblumensalbe. Allerdings eben komplementär und nicht anstelle von schulmedizinischen Therapien.

Doch genau darin liegt das Problem. Die meisten alternativmedizinlichen Behandlungen sind als durchaus gefahrlos einzustufen. Die Gefahr erwächst erst aus der Ausschließlichkeit, mit der sie von zum Teil dubiosen Behandlern verschrieben werden. Für Eltern, die nur das Beste für ihr krankes Kind wollen, sind solche gestrengen Behandlungsansätze oft verführerisch, da sie Wunder versprechen, auf die jeder ernsthaft Erkrankte hoffen möchte.

So hat sich auch der ehemalige Apple-chef Steve Jobs während seiner Krebserkrankung zunächst gegen eine Operation gewehrt und stattdessen diätet. Als er schließlich doch auf schulmedizinische Methoden umschwengte, war es zu spät.

Seinem Biograf vertraute Jobs kurz vor seinem Tod an, wie sehr er diese Entscheidung bereue.

Fälle, in denen verzweifelte Krebspatienten ausschließlich alternative Heilmethoden setzten, sind leider keine Seltenheit. Das zeigt auch eine Konferenz in England, die vor wenigen Monaten stattfand. Auf dem "Spirit of Health-"Kongress wurde unter anderem ein Behandler vorstellig, der behauptete eine 80 prozentige Heilrate auf Lungen-, Nymphknoten- und Knochenkrebs zu erzielen. Mit der Einnahme eines Salzes, dass in der Schafzucht eingesetzt wird.

Ein gefährliches Geschäft, dass mit "sanfter Medizin" gar nichts zu tun hat.


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