POLITIK
09/08/2015 04:37 CEST | Aktualisiert 18/01/2016 13:45 CET

Wissenschaftler: Islamunterricht an hessischen Schulen ist noch zu konservativ

dpa

In einem Land, das sich selbst als eine "Willkommenskultur" sieht, ist es ein gutes Zeichen, dass an immer mehr Schulen seit einiger Zeit neben dem evangelischen und katholischen auch Islamunterricht angeboten wird. Zuletzt hatte das Saarland versuchsweise den islamischen Religionsunterricht eingeführt.

Doch nach Meinung eines Experten ist der Islamunterricht an vielen Schulen viel zu konservativ. Zumindest in Hessen. In der "Welt am Sonntag" übte der Leiter des Fachbereichs Islamische Theologie der Pädagogischen Hochschule Freiburg, Abdel-Hakim Ourgh, scharfe Kritik:

  • „Eine Auseinandersetzung mit problematischen Koranversen findet nicht statt“, sagte der Islamwissenschaftler.

  • Und weiter: „Ebensowenig wird das Thema der Identitätsfindung der Schüler zwischen islamischem Glauben und ihrer westlich geprägten Lebenswirklichkeit angesprochen.“

Ourghi hatte im Auftrag eines Lehrers ein Gutachten erstellt, indem das Curriculum der Ditib Hessen kritisch überprüft wird. Der Landesverband des großen türkisch-muslimischen Verbandes beschreibt in den Richtlinien für den Unterricht, wie den Schülern muslimischen Glaubens ihre Religion näher gebracht werden soll.

In Hessen war der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht vor zwei Jahren eingeführt worden.

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) beschreibt die Einführung des Fachs dennoch als Erfolgsgeschichte. Die Kritik des Freiburger Islamwissenschaftlers weist der Ressortchef zurück:

  • Ourghi habe einen „überkonfessionellen“ islamischen Religionsunterricht vor Augen, der einem „humanistischen und modernen“ Islams entsprechen solle. Der islamische Unterricht in Hessen sei aber ein „ausdrücklich konfessioneller“.


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