WIRTSCHAFT
08/08/2015 14:44 CEST | Aktualisiert 18/01/2016 13:39 CET

Miet-Wahnsinn: So dreist zocken euch Makler ab

dpa

Nachwuchs, ein neuer Job oder endlich zusammenziehen - Gründe für einen Umzug gibt es für junge Menschen genug. Doch leisten kann sich das in Deutschland längst nicht mehr jeder. In Städten wie München oder Hamburg spielen sich Immobilienmakler als Großgrundbesitzer auf, Wohnen wird immer häufiger zum Luxus.

Besonders die astronomisch hohen Maklergebühren hatten in den letzten Jahren immer wieder für Kritik gesorgt - neben den ohnehin schon absurden Mieterhöhungen in beliebten Uni- und Großstädten.

Seit dem 1. Juni soll endlich alles besser sein. Das neue Bestellerprinzip verspricht Wohnungssuchenden den Himmel auf Erden. Zumindest auf dem Papier. Darum geht's:

  • Neu ist: Wer den Makler beauftragt, der muss ihn auch bezahlen. Mieter müssen nur noch Maklergebühren zahlen, wenn sie die Vermittler auch selbst beauftragt haben. Ist der Makler dagegen vom Vermieter beauftragt, muss dieser das selbst zahlen. Bislang konnte der die Gebühren an den neuen Mieter weiterreichen.

Hört sich fair an, finden Sie nicht auch? Da kann man auch mal darüber hinwegsehen, dass Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes der Wohnungswirtschaft (GdW) schon vor Wochen warnte, dass der Wohnungsmarkt jetzt noch knapper werden könnte - dann nämlich, wenn Vermieter ihre Wohnungen verkaufen, weil sich das Vermieten nicht mehr lohnt.

Und auch, dass in Mietshäusern bald wohl weniger modernisiert und repariert wird, dürften verzweifelte Neu-Münchner noch gerade so hinnehmen angesichts der Tatsache, dass sie jetzt unter dem Strich weniger für eine neue Mietwohnung zahlen sollen - zumindest laut dem neuen Gesetz.

Immerhin acht von zehn Deutschen stehen dem neuen Gesetz „sehr“ oder „eher positiv“ gegenüber. Das hat zuletzt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergeben. Doch ganz so rosig sieht es dann doch nicht aus. Oder anders ausgedrückt: Die Mieter haben trotzdem immer noch die berühmte A****karte. Denn Wohnungsvermittler und Eigentümer haben mittlerweile ziemlich dreiste Wege gefunden, das Bestellerprinzip zu umgehen.

Unzählige Berichte im Netz zeigen, mit welchen Tricks die Makler mittlerweile arbeiten, um finanzielle Einbußen zu vermeiden:

  • Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass manche Makler einfach neue Gebühren erfinden. Andere hätten bei der Wohnungsvermittlung einfach Courtage verlangt wie vorher und darauf gesetzt, dass die Menschen nicht ausreichend informiert seien, berichtet das Blatt. Zudem sollen einige Makler potenzielle Mieter haben spüren lassen, "dass nur der die Wohnung bekommt, der auch zahlt – und im Nachhinein noch einen Suchauftrag ausfüllt, damit es so scheint, als hätte er den Makler bestellt".

  • Die "SZ" liefert auch gleich ein erschreckendes Fallbeispiel mit: "In Kreuzberg, einer der gefragtesten Wohnlagen, will eine Frau Anfang 20 unbedingt die inserierte Altbauwohnung, doch sie ist nicht die Einzige. Gemeinsam mit vier Dutzend anderen Bewerbern ist sie zur Besichtigung gekommen, der Makler sammelt die Selbstauskünfte ein, dann zieht er ein Blatt hervor. Die junge Frau soll unterschreiben, dass sie es war, die den Makler ins Rennen geschickt hat. Der Preis dafür: zwei Nettokaltmieten."

  • Der "Münchner Merkur" berichtet von einer anderen Masche, mit denen Makler doch noch an ihr Geld kommen. Das Blatt berichtet von einer Immobilienfirma aus dem Münchner Umland, die Mietinteressenten gebeten haben soll, "sich erst einen Suchauftrag an ein bestimmtes Maklerbüro zu richten". Dreist: Deren Büro soll unter der gleichen Adresse wie die Immobilienfirma residiert haben - und auch der Inhaber war seltsamerweise derselbe. In einer Mietannonce der Immobilienfirma habe es zudem geheißen, dass Besichtigungstermine nur das besagte Maklerbüro durchführe.

  • Wer im Netz recherchiert, stößt immer wieder auf Fälle, bei denen der Makler versucht hat, schon bei der Wohnungsbesichtigung tätig zu werde. So versuchen offenbar viele Makler, den Mieter direkt beim Besichtigungstermin zu drängen, doch schnell selbst zum Auftraggeber zu werden. "Dazu legt der Makler dem Interessenten ein Schriftstück zur Unterschrift vor, in dem er bestätigt, dass er, also der künftige Mieter, den Makler angeheuert hat", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Nur gegen Unterschrift gebe es dann das Exposé, mit dem sich der Mieter für die Wohnung bewerben kann.

  • Makler einigen sich in Einzelfällen mit dem Vermieter darauf, mehr Geld vom Mieter etwa für Einbauküchen oder andere Ausstattungen zu verlangen. Gerade in Großstädten wie München, wo die Konkurrenz bei den Besichtigungen groß ist, dürften sich immer wieder Mieter finden, die bereit sind, die Preise zu zahlen.

Trotz der vielen Berichte über Makler-Abzocke gehen Experten davon aus, dass es sich dabei um Einzelfälle handelt. Immerhin drohen 25.000 Euro Strafe bei Gesetzesverstößen.

  • „Wir gehen davon aus, dass sich in der Branche die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass sich Umgehungsversuche nicht lohnen“, zitiert die "SZ" Siegmund Chychla, Geschäftsführer des Mietervereins in Hamburg.

  • Dieses Prinzip habe sich ohne größere Probleme etabliert, sagt auch Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz. "Es gibt keine wirtschaftlich vernünftige oder legale Möglichkeit, dies zu umgehen", zitierter ihn die Deutsche Presse-Agentur vor kurzem. Auch der Immobilienverband Deutschland fährt eine klare Linie. "Irgendwelche Schlupflöcher zu suchen ist Quatsch", betonte zuletzt Verbandsjurist Christian Osthus.

Wo greift das Bestellerprinzip (bzw. die Mietpreisbremse) eigentlich bisher?

  • Berlin, NRW und Hamburg sind bisher die einzigen Bundesländer. Anderswo dauert es länger. Viele andere Landesregierungen prüfen noch, in welchen Städten der Wohnungsmarkt besonders angespannt ist. Termine für eine Begrenzung der Neumieten haben sie noch nicht genannt. Manche peilen den Sommer an, in Niedersachsen zum Beispiel wird es 2015 aber wohl nichts mehr.

  • Wiederum andere Bundesländer wollen überhaupt keine Gebiete für die Mietpreisbremse ausweisen. Sachsen-Anhalt und das Saarland schätzen ihre Wohnungsmärkte nicht als so eng ein. In Sachsen-Anhalt steht bei großen Wohnungsunternehmen sogar fast jede achte Wohnung leer.


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