WIRTSCHAFT
07/08/2015 03:42 CEST

Deutsche Lkw-Fahrer fürchten sich vor Flüchtlingen am Eurotunnel

dpa
Deutsche Lkw-Fahrer fürchten sich vor Flüchtlingen am Eurotunnel

Mehr und mehr deutsche Lkw-Fahrer weigern sich, den Euro-Tunnel von Calais nach England zu nutzen.Das berichtet der "Focus" unter Berufung auf den Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL).

Der Grund: Die Fahrer fürchteten sich vor Flüchtlingen. Der BGL sagte dem "Focus", Lkw-Fahrer würden von Flüchtlingen, die von Frankreich nach England wollten, mit Messern bedroht und Steinen beworfen, um ihre Laster zu entern. „Die Fahrer sind völlig genervt, haben Angst und wollen nicht mehr nach England fahren“, zitiert das Magazin BGl-Vize Horst Kottmeyer.

Die Spediteure berichten von Lieferverzögerungen und Schäden. Kottmeyer, selbst Chef einer Spedition mit 150 Fahrzeugen aus Bad Oeynhausen, sagte, die Lieferzeit für Kunden in Großbritannien verlängere sich jetzt von 48 Stunden auf drei Tage aufgrund von Schäden an Fahrzeugen und Waren. Wegen längerer Fahrtzeiten können England-Trucker zudem ihre Lenk- und Ruhezeiten nicht mehr einhalten.

Tausende Flüchtlinge campieren in Calais in der Hoffnung, illegal durch den Kanaltunnel nach Großbritannien zu kommen. Nahezu täglich gibt es Berichte, denenzufolge die Menschen versuchen, den Tunnel zu stürmen. Ende Juli war ein Mann dabei gestorben - er war von eine Lkw erfasst worden, der von einer Fähre fuhr. Einer der Flüchtlinge soll die rund 50 Kilometer lange Strecke nach Großbritannien zuletzt zu Fuß hinter sich gebracht haben. Kurz vor dem Tunnelende bei Folkestone sei der Mann gefasst worden, berichtete die Regionalzeitung "Nord Littoral". Die meisten illegalen Einwanderer kommen Experten zufolge aber nicht durch den Tunnel oder übers Meer, sondern ganz legal, zum Beispiel als Touristen - und bleiben dann länger, als ihr Visum es erlaubt hätte.

Warum die Flüchtlinge unbedingt nach Großbritannien wollen: Viele Flüchtlinge hoffen auf einen Job, da die Arbeitslosenquote mit rund 5,5 Prozent im Vergleich zu südeuropäischen Ländern niedrig ist. Es gibt keine Meldepflicht. Das macht vielen Migranten Hoffnung, relativ leicht unterzutauchen und schwarz arbeiten zu können.

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Anders, als die Berichte über den Eurotunnel vermuten lassen, kommen vergleichsweise wenig Flüchtlinge nach Großbritannien. 2014 wurden der nationalen Statistikbehörde zufolge knapp 25.000 Asylanträge gestellt - die meisten Bewerber kamen aus Eritrea, Pakistan, Syrien und dem Iran. Migration gehört zu den Aufreger-Themen im Land. In der Regel dreht sich die Debatte aber um legal Zugezogene aus EU-Ländern, insbesondere Rumänien und Bulgarien, oder um Gruppen aus ehemaligen Commonwealth-Ländern, die oft britische Pässe besitzen. Die rechtspopulistische Ukip war bei der Parlamentswahl im Mai mit 12,6 Prozent drittstärkste Kraft nach Stimmanteilen geworden.

Die Tunnelbetreiber und die Behörden reagieren mit Abschottungsversuchen. Der Tunnelbetreiber Eurotunnel berichtete am Donnerstag, die Zahl der Versuche von Flüchtlingen, auf das Gelände zu kommen, sei unter Kontrolle gebracht worden. Eurotunnel begründete das mit neuen Zäunen und mehr sowie besser organisierten Polizeikräften.

Mit Material von dpa


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