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07/08/2015 02:39 CEST | Aktualisiert 07/08/2015 06:22 CEST

Eine App soll Muslimen helfen, gläubige Partner zu finden

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Muslime könnten ihren Traumpartner mit dieser App leichter finden

Wenn Muslime heiraten wollten, habe die Familie ein Wörtchen mitzureden, behauptet Ahmet Toprak, Professor für Erziehungswissenschaften in Dortmund, gegenüber der „Welt“. Auf eigene Faust einen Partner zu finden, könnte jetzt aber einfacher werden: In diesem August soll die deutsche Version von Minder auf den Markt kommen, einer Dating-App für Muslime.

„Wir bekamen so viele Anfragen von Muslimen aus Deutschland, dass wir unsere Europa-Aktivitäten einfach hier starten mussten", sagte der Erfinder Haroon Mokhtarzada der „Welt“. In den USA, Kanada und Großbritannien hat Minder laut Mokhtarzada schon mehr als 20.000 Nutzer. Dort ist die App seit Februar verfügbar.

Warum sollten Muslime eine religiöse Dating-App überhaupt brauchen?

Weil die Religion Studien zufolge eine Rolle bei der Partnerwahl spielt. Über 80 Prozent der deutschen Muslime heiraten Gleichgläubige, heißt es in einer 2009 veröffentlichten Studie des Bundesamtes für Migration. Tendenz steigend. Experte Toprak vermutet, dass den Familien eine ähnliche religiöse Einstellung der neuen Partner wichtig sei, außerdem müsse man den Partner nicht erst in die neue Kultur einführen.

Statt sich von Verwandten verkuppeln zu lassen, würden immer mehr Muslime lieber selbst die Initiative ergreifen wollen, erklärt Mokhtarzada auf „Spiegel Online“.

Wie funktioniert die App?

Im Prinzip wie die bekannte Dating-App Tinder, aber mit Infos zum Glauben. Zusätzlich zu den hochgeladenen Fotos machen Benutzer einsehbare Angaben über ihre Konfession und Ethnie. Außerdem geben sie laut „Welt“ an, wie religiös sie sind – von „sehr fromm“ bis „sehr liberal“. Diese Kriterien sollen Heiratswillige zur Zielgruppe machen und nicht Leute, die One Night Stands suchen.

Den Rest kennen Tinder-Nutzer: Man wischt sich durch die Profile von Nutzern aus der Umgebung – bei Gefallen nach rechts, bei einem Nein-Gefühl nach links. Nur wenn die Person gegenüber auch nach rechts wischt, bekommen beide Bescheid und können chatten.

Und wie stellt man sicher, dass sich nur Muslime anmelden?

Minder prüft alle User. „Wenn jemand offensichtlich kein Muslim ist, dann billigen wir das nicht“, sagte Mokhtarzada auf der kanadischen News-Seite „The Star“. Und nicht nur das: Minder soll „classy“ bleiben. Fotos, auf denen Kerle halbnackt posen, sind nicht erlaubt.

Gibt es Alternativen?

Muslimische Dating-Websites gibt es zuhauf, auch in Deutschland. Bei Muslimlife kann man beispielsweise angeben, wie oft man betet, den Koran liest oder pilgert. Solche Plattformen findet der Minder-Erfinder allerdings überholt. „Du musst Leute anschreiben, hoffen, dass sie antworten, und fühlst dich zurückgewiesen, wenn sie es nicht tun“, sagte er der „Jakarta Post“.

Die App Salaam Swipe verfolgt daher auch den Tinder-Ansatz, wie „The Star“ schreibt. Von einer deutschen Version ist bisher allerdings noch nicht die Rede.

Religiöse Dating-Apps gibt es auch für andere Glaubensrichtungen. So können Christen bundesweit etwa über cxSingle Gleichgesinnte suchen.


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