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07/08/2015 13:41 CEST | Aktualisiert 07/08/2015 15:34 CEST

4 Zeichen, dass das BER-Chaos noch viel größer ist als gedacht

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Wird der Pannenflughafen niemals fertig?

Ein paar Monate schien es, als gäbe es für das Krisenprojekt einen guten Plan, der nur noch abgearbeitet werden muss. Doch nun kehrt die schier unendliche Geschichte um die Pannenserie des neuen Berliner Hauptstadtflughafens BER schlagartig zurück ins öffentliche Bewusstsein.

Der Grund dafür ist die Pleite der deutschen Tochter des Gebäudetechnik-Unternehmens Imtech, welche den aktuell angepeilten Eröffnungstermin des Flughafens erneut hinfällig werden lassen könnte.

Imtech ist eine der wichtigsten Firmen auf der Pannenbaustelle, das Unternehmen kümmert sich unter anderem um Stromversorgung, Heizung, sanitären Einrichtungen und Lüftung. Neben anderen Unternehmen wie etwa Siemens ist Imtech auch mit der Behebung der Brandschutzprobleme beauftragt. Diese Mängel sind ein Hauptgrund für mittlerweile fünf Verzögerungen des Eröffnungstermins.

Was bedeutet dieser erneute Rückschlag für den Flughafen? Hier sind vier Zeichen, dass der Flughafen noch später fertig wird als ohnehin schon geplant.

1. Auf der Baustelle geht es noch immer chaotisch zu

Im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses berichten Beteiligte immer wieder von Unregelmäßigkeiten auf der Großbaustelle: Baufirmen, die größere Probleme schönreden und machen, was sie wollen. Schwere Vorwürfe gibt es auch gegenüber Imtech: Das Unternehmen soll mehrere Monate lang mehr Arbeiter abgerechnet haben, als wirklich auf der Baustelle beschäftigt waren.

2. Korruption

Laut eines anonymen Hinweises soll Imtech von der Flughafengesellschaft mehr als 300 Millionen Euro erhalten haben, die gewünschten Gegenleistungen blieben aber oftmals aus. Das Unternehmen soll einen leitenden Mitarbeiter des Flughafens bestochen haben, damit die Betreiber 65 Millionen Euro überweisen, ohne dass entsprechende Nachforderungen geprüft werden. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen die Verdächtigen nahezu abgeschlossen, der Flughafen-Mitarbeiter sitzt seit Mai in U-Haft.

3. Die Insolvenz von Imtech sorgt für große Unruhe

Die Insolvenz sei für die Auftraggeber ein "Super-Gau", sagte der Düsseldorfer Bauexperte Andreas Schmieg. "Es kommt jetzt darauf an, das Vertrauen sowohl der Auftraggeber wie auch der Lieferanten zu erhalten", erklärte ein Vertreter der Unternehmensberatung Buchalik Brömmekamp.

Zwar sei es möglich, die Verträge mit einem insolventen Unternehmen zu kündigen und andere zu beauftragen. Gerade bei Großprojekten sei dies sowohl technisch und zeitlich wie auch wirtschaftlich in der Regel nicht die optimale Lösung.

Obwohl der Chef der deutschen Imtech, Felix Colsman, dem Flughafen seine "maximale Unterstützung" zugesagt hatte und den Angestellten noch bis Oktober Lohn zugesichert hat, seien Teile der Belegschaft bereits am Freitag nicht mehr zur Arbeit erschienen.

4. Der angepeilte Eröffnungstermin wackelt erneut

Noch ist geplant, im zweiten Halbjahr 2017 an den Start zu gehen - mit sechs Jahren Verspätung. Die Situation jetzt erinnert an den Sommer 2010, als der Flughafen den ersten Eröffnungstermin im Oktober 2011 verschob - unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma.

"Imtech ist eine der wichtigsten Baufirmen auf der BER-Baustelle", sagt Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Auch ohne die Insolvenz des Gebäudetechnikunternehmens war der aktuelle Eröffnungstermin keinesfalls sicher.

Erst am vergangenen Donnerstag hatte Mühlenfeld die Planungs- und Baufirmen zu mehr Engagement aufgefordert, weil man einigen wichtigen Zwischenterminen hinterherhinke. Baufachleute sollen nun die möglichen Folgen für die Eröffnung klären, Mühlenfeld hat dafür eine "Task Force" eingesetzt. Harsche Worte fand Martin Delius.

Der Vorsitzende des Flughafenausschuss warf dem Flughafen-Management Versagen vor: "Ich halte den Eröffnungstermin für stark gefährdet", sagte Delius. Seiner Meinung nach hätte sich das Management schon viel früher von Imtech trennen sollen.

Mit Materialien von dpa


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