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06/08/2015 12:37 CEST

Was das Wrackteil über MH370 verrät – und was nicht

Still war es geworden um das verschollene Flugzeug der Malaysia Airlines. Jene Boeing 777 mit der Flugnummer MH370, die am 8. März 2014 mit 239 Menschen auf ihrem Flug von Kuala Lumpur nach Peking verschwand. Spurlos. Bis am Mittwoch vergangener Woche das Stück eines Flugzeug-Wracks auf der Insel La Réunion angespült wurde.

Viel Lärm ist seitdem um den Fund gemacht worden. Aber – welche Hoffnungen auf Aufklärung sind berechtigt?

1. Ist das Wrackteil Beweis für den Absturz über dem Meer?

Ja. Alles hatte dafür gesprochen, dass die MH370 in den Ozean gestürzt war und nicht irgendwo an Land zerschellte oder heimlich irgendwo gelandet war. Das angespülte Wrackteil ist der erste Beleg dafür.

verkehrsminister malaysia

Malaysias Verkehrsminster Liow Tong Lai, Foto: dpa

Experten hatten das Teil, eine Flügelkappe, schnell als Stück einer Boeing 777 identifiziert – und eine andere als MH370 wird nicht vermisst. Malaysias Verkehrsminister Liow Tong Lai sagte der Seite "The Star“, die Experten hätten darauf ein Wartungssiegel von Malaysia Airlines gefunden. Es handele sich um ein Teil von MH370.

Frankreich, Kanada und Frankreich wollen noch weitere Tests des Labors im französischen Toulouse abwarten, bis sie sich festlegen. So verwende jede Fluggesellschaft einen bestimmten Lack, sagte der ehemalige Leiter der französischen Flugunfall-Behörde BEA, Jean-Paul Troadec, laut "Tagesschau“.

2. Gibt es Hoffnung, dass noch mehr Teile angeschwemmt werden?

malaysia teil

Behörden bergen ein Wrackteil auf La Réunion, Foto: dpa

Eine kleine. Malaysische Suchmannschaften berichteten, sie hätten viele weitere Teile angeschwemmt gefunden – darunter Stücke eines Fensters. Doch die für die französischen Ermittlungen zuständige Pariser Staatsanwaltschaft weiß davon nichts.

Der US-Sender "CNN" zitiert einen Experten, der darauf hinweist, dass nur schwimmfähige Wrackteile angespült werden können. Das aktuell gefundene Teil ist innen hohl. Aber in den 17 Monaten, die die Teile nun unterwegs sein müssen, können sie sich in der Strömung sehr weit verteilt haben.

3. Kann man mit Hilfe der Strömung vom Fundort auf die Absturzstelle schließen?

Nur sehr, sehr grob.

Was man bisher wusste:

  • Von Kuala Lumpur aus flog MH370 erst etwa 40 Minuten lang wie geplant nach Norden – das belegt der reguläre Funkkontakt, der aus ungeklärten Gründen abbrach.
  • Dann wich die Maschine vom Kurs ab, flog in südliche und westliche Richtungen - das geht aus Daten des malaysischen Militärs hervor.
  • Danach muss sie etwa sechs Stunden über dem offenen Ozean nach Süden geflogen sein, wohl, bis der Sprit ausging – dafür gibt es vereinzelt Hinweise von Satelliten.
  • Mit diesen Informationen lässt sich der mögliche Absturzort nur sehr grob eingrenzen.

Was man jetzt neu schließen kann:

  • La Réunion liegt im Gebiet des Südäquatorialstroms.
  • Ein Experte rechnet auf "Spiegel Online“ vor, dass ein Wrackteil in den 17 Monaten durchaus vom bislang vermuteten Absturzort bis zur Insel schwimmen konnte.
  • Auf der Internetseite "adrift.org.au“, die eigentlich den Weg von Plastikmüll im Meer zeigen soll, kann man sich das ansehen: Dort wird visualisiert, wohin eine Plastikente schwimmen würde, wenn man sie zum Beispiel südlich von Malaysia ins Meer werfen würde. Die Ente könnte sehr weit getragen werden – unter anderem auf La Réunion.
  • Trotzdem: Das Wetter beeinflusst den Weg solcher schwimmender Teile derart, dass ein genauer Rückschluss auf den Herkunftsort nicht möglich ist. Die Experten sagten "Spiegel Online“, dass sich höchstens Gebiete ausschließen ließen.

4. Können Organismen auf dem Wrackteil Hinweise auf die Absturzstelle geben?

muscheln

Das Wrackteil nach 17 Monaten im Meer, Foto: dpa

Ja. Wie auf den Bildern deutlich zu sehen ist, haben sich Muscheln auf dem Wrack angesiedelt. Experten halten sie für sogenannte Entenmuscheln, die in kühlen Gewässern südlich Australiens leben. Ein genetischer Fingerabdruck dieser Organismen kann das fragliche Gebiet weiter eingrenzen.

5. Sagt das Wrackteil etwas für die Absturzursache?

trauer mh370

Für Angehörige der Vermissten ist die Ungewissheit quälend, Foto: Getty

Der Grad der Beschädigung des Wrackteils lässt zum Beispiel Rückschlüsse etwa über die Aufprallgeschwindigkeit auf dem Wasser zu. Experten untersuchen das Teil laut „Tagesschau“ mit einem Elektronenmikroskop, das eine 100.000-fache Vergrößerung erlaubt. Theoretisch könnten die Spuren Aufschluss über Sprengstoff oder ähnliches geben.

Es ist durchaus möglich, dass die Maschine – von wem auch immer – absichtlich zum Absturz gebracht wurde – zumal der Transponder, der Daten vom Flugzeug aus sendet, offenbar abgeschaltet wurde.

Eine Antwort auf das Warum wird aber letztlich nur die Blackbox geben können, so sie je am Meeresgrund gefunden wird.


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