POLITIK
06/08/2015 10:18 CEST | Aktualisiert 07/08/2015 13:04 CEST

"20 Euro am Tag": Grünen-Politiker Janecek fordert Prämie für jeden, der Flüchtlinge zuhause aufnimmt (HUFFPOST-EXKLUSIV)

Getty

Der wachsende Flüchtlingsstrom bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Überfüllte Asylbewerberunterkünfte und überforderte Kommunen machen vielen Menschen Angst. Und ein Ende der verfahrenen Lage ist nicht in Sicht. Gestern erst sagte Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in der Huffington Post, dass die Zahl von Flüchtlingen noch länger auf einem hohen Level bleiben werde.

Wahrscheinlich müssen wir völlig neu denken, um das Problem in den Griff zu bekommen. Das versucht jedenfalls Dieter Janecek, der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag mit einem radikalen Vorschlag: Er ist der Meinung, dass viel mehr Deutsche Flüchtlinge zuhause aufnehmen sollten - und dafür vom Staat belohnt werden.

"Ich bin dafür, dass Menschen motiviert werden, Gutes zu tun", sagte Janecek der Huffington Post. "Finanzielle Anreize für die private Aufnahme von Flüchtlingen wären wünschenswert. Dies würde insbesondere überforderte Kommunen schnell und wirksam entlasten."

Sein Vorschlag: "20 Euro am Tag schweben mir vor – für maximal drei Monate." Das wären 600 Euro im Monat – für eine gute Tat. Eine Idee, die für Aufsehen sorgen dürfte. "Wenn Flüchtlinge darüber hinaus in einer Privatunterkunft bleiben, sollten danach 100 Euro im Monat an die Vermieter gezahlt werden. Und sinnvoll wäre auch die Übernahme von Risiken bei der Wohnungsvermietung beziehungsweise -abgabe."

Schon heute nehmen Menschen Flüchtlinge bei sich zuhause auf: Der CDU-Politiker Martin Patzelt etwa hat zwei Asylbewerber aus Eritrea bei sich einquartiert und fordert auch von anderen mehr Engagement. Das würde sich auch positiv auf die Integration auswirken. Bislang blieb die Zahl der Freiwilligen allerdings gering. Daher könnte Janeceks Vorschlag tatsächlich etwas bewegen.



Bislang werden Flüchtlingen Miete und Heizkosten bis zu einer gewissen Höhe von der Kommune erstattet. Für alles andere müssen sie selbst aufkommen – mit dem Geld aus den Sozialleistungen, die sie erhalten. Die Menschen, die sie unterbringen, bekommen bisher nichts dafür.

Der Vorschlag hat noch weitere Anhänger: "Bürgerschaftliches Engagement für Flüchtlinge ist absolut begrüßenswert und sollte staatliche Unterstützung erfahren", sagte die innenpolitische Sprecherin der Linken, Ulla Jelpke, der HuffPost. Sie glaubt: "Es verdient Anerkennung, wenn Menschen ihre Solidarität mit den Flüchtlingen zeigen und bereit sind, diese bei sich aufzunehmen. Grundsätzlich wäre ein finanzieller Ausgleich oder eine finanzielle Entlastung durch den Staat hier durchaus angemessen."

Die Befürworter des Flüchtlings-Bonus kommen aus allen politischen Lagern: “Ich finde, es ist eine gute Sache, Menschen finanzielle Anreize zu bieten, damit sie Flüchtlinge zuhause aufnehmen", sagt Konstantin Kuhle, der Chef der Jungen Liberalen. "Wir müssen die Unterbringung sowieso organisieren und bezahlen. Und wenn privater Wohnraum so besser erschlossen werden kann, bin ich dafür.”

Doch die Befürworter sehen auch die Probleme einer solchen Idee: Linke-Politikerin Jelpke etwa gibt zu bedenken, dass “immer eine gewisse Missbrauchsgefahr” bestehe, wenn staatliche Pflichten gegen Bezahlung abgegeben werden.

Und Jelpke hat Grund für ihre Skepsis. “In Berlin wurden erst kürzlich Fälle bekannt, in denen private Anbieter Profit aus dem Elend von Schutzsuchenden geschlagen haben, in dem sie Flüchtlinge völlig überteuert in Mietwohnungen oder Hostels untergebracht haben”, sagt sie. Auch wenn es sich bei diesen Negativbeispielen um Einzelfälle handele, müsse solcher Missbrauch durch entsprechende Schutz- oder Kontrollmechanismen vermieden werden.


Lesen Sie auch:

2015-08-06-1438870629-2559366-10000.png

200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

An alle Flüchtlinge, diese 22 Zeilen sind für euch


Hier geht es zurück zur Startseite