WIRTSCHAFT
06/08/2015 07:51 CEST | Aktualisiert 07/08/2015 09:59 CEST

Shit: Bei Lidl ist die Kacke am Dampfen

Bei Lidl ist die Kacke am Dampfen. Seit Tagen liegt immer wieder Mist vor den Filialen des Discounters in Frankreich. Dorthin gekippt haben ihn aufgebrachte Bauern. Der Grund: die Wut auf den Lebensmitteleinzelhandel, die Preise für Lebensmittel, die eigene wirtschaftliche Krise. Vor allem: die Wut wegen des purzelnden Milchpreises.

Lidl senkt den Milchpreis noch weiter..Das ist die Antwort der Bauern darauf !!!Mehr auf > Avivehd

Posted by Avivehd on Dienstag, 4. August 2015


Das Misthaufen-Bild verbreitet sich auch auf Facebook und Twitter in Deutschland. Die einen kommentieren: „Drecks Discounter“. Oder: „So wie es aussieht, steckt Lidl jetzt ganz tief in der Scheiße“.

Andere bekommen aber auch Tausende Likes für Kommentare wie diesen: „Nicht Lidl ist Schuld, sondern wir. Denn es ist ja keiner mehr bereit, Geld für Lebensmittel auszugeben.“



Der Milchpreis-Verfall ist für Bauern in ganz Europa ein Problem. Es gebe aktuell nicht ein Land auf dem Kontinent, in dem die Milchviehhalter nicht mit „akuten und massiven Liquiditätsproblemen“ kämpfen würden, warnte die Lobby der Milchbauern kürzlich, zahlreiche Milchviehbetriebe seien in ihrer Existenz gefährdet.

Warum gibt es den Preis-Verfall? "Dieser massive Preiseinbruch wurde durch das Russlandembargo sowie durch konjunkturelle Schwächen in für den Export wichtigen Drittländern verursacht", sagen die Bauern. Im Klartext: Die Bauern verkaufen weniger Milch als früher ins Ausland, es folgt eine Überproduktion und Preisverfall. Dem Lebensmittelhandel wirft der Bauernverband zudem vor, seine Marktmacht auszunutzen und in dieser Situation die Preise zu drücken.

"Finger weg von Fleisch und Milch"

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) warnte daher am vergangenen Wochenende vor einem ruinösen Preiskampf bei Grundnahrungsmitteln und forderte vom Lebensmitteleinzelhandel faire Preise. "Ich appelliere an den Handel: Preiskampf mit Waschpulver meinetwegen - aber Finger weg von Fleisch und Milch."

Discounter hatten im Mai erneut die Preise für Milch, Butter und Sahne erheblich gesenkt. Bei Lidl etwa kostet der Liter frischer Vollmilch 0,51 Euro (1,5 Prozent Fett) beziehungsweise 0,55 Euro (3,5 Prozent Fett).

"Schwankende Preise, mit denen Bauern nicht vernünftig wirtschaften können"

Während die einen den Aufstand der Bauern nicht nachvollziehen können, gibt es aber auch Rückendeckung von Ökonomen.

„Die Bauern beklagen zu Recht (...), dass sie stark schwankenden Preisen ausgesetzt sind, mit denen sie nicht vernünftig wirtschaften können. Für Rohstoffe und agrarische Produkte schwanken die Preise in einer Art und Weise, die jedes Industrieunternehmen rasch an die Grenze seiner Anpassungsfähigkeit führen würde“, schreibt Ökonom Heiner Flassbeck in seinem Blog.

„Zudem sehen sich die Bauern einem Zwischenhandel gegenüber, der in hohem Maße oligopolisiert ist und die Preise quasi diktieren kann. Wann ist das deutsche Kartellamt zuletzt gegen Aldi oder Lidl im Lebensmittelbereich vorgegangen wegen zu großer Marktmacht?“

Doch es nicht nur die Bauern, die leiden. Für die Rabatt-Schlacht der Discounter, die wiederum nur die Schnäppchen-Gier der Verbraucher stillen, müssen Tiere leiden. Im Fall von Milch sogenannte Turbo-Kühe. Diese Tiere werden durch eine spezielle Zucht und mithilfe von Kraftfutter auf Leistung getrimmt, was krasse Auswirkungen auf das Tierwohl haben kann, wie jüngst eine ARD-Reportage zeigte.

(mit Material der dpa)


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