POLITIK
06/08/2015 10:55 CEST | Aktualisiert 07/08/2015 14:23 CEST

5 Fakten über den Hunger auf der Welt - und 5 Wege, wie wir ihn besiegen

Welthunger
ferrantraite via Getty Images
Welthunger

Die Vereinten Nationen haben sich ein gigantisches Ziel gesetzt: Sie wollen den globalen Hunger bis zum Jahr 2030 besiegen. Dahinter stecken nicht nur Absichtserklärung. Der Katalog soll im September von den Staats- und Regierungschefs aus aller Welt verabschiedet werden.

Die UN-Mitgliedsstaaten investieren 5 Billion Euro pro Jahr - eine gewaltige Summe. Ein Paradebeispiel für den Erfolg von solchen Initiativen ist Ghana. Im Vergleich zum Jahr 1990 konnte der afrikanische Staat den Hunger mindestens um die Hälfte reduzieren.

Wir haben 5 Fakten über das tödlichste Problem der Welt gesammelt - und zeigen 5 Wege, wie es gelöst werden kann.

1. Hunger gehört zu den häufigsten Todesursache weltweit

Nicht Krankheiten wie Malaria oder Aids ist die häufigste unnatürliche Todesursache weltweit. Unterernährung tötet doppelt so viele Menschen wie Malaria, Aids und Tuberkulose zusammen. Das belegt ein aktueller UN-Bericht.

Es leiden weltweit immer noch 795 Millionen Menschen an Hunger - das ist jeder neunte. 8,8 Millionen Menschen sterben jährlich, weil sie nicht genug zu essen bekommen.

2. Jeden Tag sterben 16.500 Kinder an Hunger...

... das sind mehr als sechs Millionen Kinder jährlich.

Aber auch die, die unterernährt sind aber überleben, leiden an weitreichenden Schäden, die ihr weiteres Leben beeinflussen: Sie haben nicht nur Wachstumsstörungen, sondern auch ihr Körper und ihr Gehirn können wegen mangelnder Ernährung unterentwickelt bleiben.

„Studien zeigen, dass es schwierig für Kinder ist zu lernen, wenn sie unterernährt sind“, schreibt das United Nations World Food Programme (WFP) in einem Bericht.

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3. Die weltweit produzierten Lebensmittel können alle Menschen ernähren

Wir produzieren jedes Jahr genug Essen, um alle Menschen weltweit zu ernähren. Aber gleichzeitig landen jährlich 1,3 Billionen Tonnen Essen auf dem Müll. Das ist ein Drittel aller Lebensmittel weltweit.

4. 20 Cent pro Tag reichen aus, um ein Kind zu ernähren

Um ein Kind mit allen wichtigen Vitaminen und Nährstoffen zu versorgen, sind nur 0,2 Euro pro Tag nötig. Das belegt ein Bericht des WFP aus dem Jahr 2011. Damit ein Kind ein ganzes Schuljahr lang ernährt wird, sind nur 50 Dollar nötig.

5. Frauen hungern öfter als Männer

60 Prozent aller hungernden Menschen weltweit sind Frauen. Der Grund sind geschlechterspezifische Unterschiede, die häufig in Familien aus armen Ländern üblich sind.

In einigen Kulturen dürfen Frauen erst essen, nachdem die männlichen Mitglieder der Familie es getan haben. Diese Regelung betrifft auch schwangere Frauen und führt dazu, dass durchschnittlich eines von sechs Kindern bei der Geburt zu wenig wiegt.

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Was können wir also gegen den massenhaften Hunger tun? Die Gründe sind komplex und hängen von den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Bedingungen eines Landes ab. Aber es gibt Ansätze, die vielversprechend im Kampf gegen den Welthunger sind.

Hier sind 5 Wege, wie wir einer Lösung des Problems nahe kommen können:

1. Bessere Landwirtschaft

Es helfen auch kleine Schritte, um gegen den Welthunger zu kämpfen: Wenn die Bauern aus Entwicklungsländern vor Ort direkt unterstützt werden, kann das ein wichtigen Beitrag im Kampf gegen den Welthunger leisten.

Wie bestelle ich meine Felder optimal? Wie verkaufe ich meine Produkte? Das Projekt Food & Cash for Work des WFP setzt genau hier an: Es bietet Bildungsprogramme für Bauern aus armen Regionen an. Sie erlernen wichtige Fähigkeiten, um sich selbst zu versorgen und den Anbau von Lebensmitteln zu optimieren.

Eine Erfolgsgeschichte des Programms Food & Cash for Work stammt aus Nepal. Die 23-jährige Dhaulidevi Bohara kommt aus einer Bergregion, in der es wenig Essen gibt. Das Projekt ermöglichte es ihr, die Fertigkeiten eines Bauarbeiters zu erlernen und selbst Geld zu verdienen. Mit dem Verdienst kann sie nun ihre Familie miternähren.

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2. Demokratische Politik

Bürger, die in undemokratischen und korrupten Ländern leben, leiden mit einer größeren Wahrscheinlichkeit an Hunger als Menschen, die in Demokratien leben. Denn diese Regierungen investieren tendenziell weniger Geld in Landwirtschaft und Bildung.

Internationale Organisationen können deswegen einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den Welthunger leisten. Denn sie setzen sich in betroffenen Ländern gegen Korruption und für demokratische Reformen ein.

Erfolge erzielte beispielsweise Angola. Die Regierung investierte verstärkt Gelder in landwirtschaftliche Projekte und Schulprogramme. Diese politischen Initiativen der Regierung konnten das Ranking Angolas im Welthungerindex deutlich verbessern. Das bestätigt ein Bericht der Welthungerhilfe aus dem Jahr 2012.

3. Essen in Schulen

An Hunger leiden insbesondere Kinder. Zum einen können Eltern aus armen Verhältnissen sie nicht ausreichend ernähren. Zum anderen gibt es in Schulen der betroffenen Entwicklungsländer nur selten Kantinen.

Schulspeisungsprogramme können helfen, Kinder regelmäßig mit lebenswichtiger Nahrung zu versorgen. Denn nur so können sie sich optimal konzentrieren und lernen.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen stellt deshalb pro Jahr über 20 Millionen Kindern in Entwicklungsländer Schulmahlzeiten zur Verfügung. Um weitere Erfolge zu erzielen, hat die UNO kürzlich die App "ShareTheMeal" ins Leben gerufen. Mit nur zwei Klicks auf dem Smartphone kann der Nutzer ein Kind für nur 40 Cent einen ganzen Tag ernähren.

Mit Erfolg: Bereits während der Testphase haben sich über 13.000 Menschen angemeldet und eine Mahlzeit für hungernde Kinder gespendet.

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4. Bewusster Konsum

Fleisch ist der Lebensmittelverschwender Nummer eins. Denn um Fleisch zu produzieren, werden Anbauflächen für Futtermittel vergeudet. Dabei nutzen die westlichen Industriestaaten auch Äcker in Entwicklungsländern. Dort könnten stattdessen Nahrungsmittel für Menschen angebaut werden.

Ein Bericht der Gesundheitsorganisation "Compassion in World Farming" bestätigt, dass „Getreide, das dazu genutzt werden könnte, die Hungernden zu ernähren, verwendet wird, um Tiere zu mästen. Um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren, werden bis zu 16 Kilogramm Getreide benötigt.“

Würden wir nur zehn Prozent weniger Fleisch produzieren, würden wir so viel Getreide einsparen, um 60 Millionen weitere Menschen zu ernähren. Das erklärt der Harvard-Ernährungswissenschaftler Jean Mayer auf dem Portal "Vebu".

Im Kampf gegen den Welthunger ist also auch jeder Einzelne gefragt. Auch die Bereitschaft, die eigenen Gewohnheiten zu überdenken und weniger Fleisch zu essen kann dabei helfen, den Hunger von Millionen Menschen zu stillen.

5. Weniger Nahrungsmittel im Müll

Über 40 Prozent der Nahrungsmittel in den ärmsten Ländern der Welt gehen zwischen Ernte und Handel verloren. Das liegt daran, dass Lebensmittel oft nicht sinnvoll gelagert, gekühlt und transportiert werden. Diese Zahl hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht.

Aber auch unser Verhalten trägt dazu bei, dass der Welthunger weiter anhält: Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, werfen wir weg. Die Kampagne "Zu gut für die Tonne" des Bundesernährungsministeriums kämpft mit zahlreichen Initiativen gegen die Verschwendung an.

Die App "Beste Reste" gibt Verbrauchern Tipps, wie sie optimal einkaufen und Essensreste sinnvoll verwerten. Mit großem Erfolg: Seit dem Start 2012 wurde die App von über einer halben Million Menschen heruntergeladen.

Wir alle sind gefragt: Denn wenn diese Verluste reduziert würden, könnte die Weltbevölkerung gerechter ernährt werden.

haende


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