POLITIK
07/08/2015 03:51 CEST | Aktualisiert 07/08/2015 06:17 CEST

6 Anzeichen, dass die US-Präsidentenwahl 2016 besonders absurd wird

Getty
Er ist nur einer von vielen Gründen, warum der US-Wahlkampf dieses Mal besonders absurd zu werden scheint: Republikaner Donald Trump

Noch liegt der Tag, an dem die USA den Nachfolger von Barack Obama bestimmen, in relativ weiter Ferne. 15 Monate sind es noch zur Präsidentschaftswahl.

Doch mit der Nacht auf Freitag hat für die 22 Kandidaten das Kräftemessen begonnen. In der ersten großen TV-Debatte traten zehn der 17 republikanischen Anwärter auf den Posten im Weißen Haus gegeneinander an. Der Sender “Fox News” entschied sich dafür, nur die zehn Bewerber mit den besten Umfragewerten einzuladen.

Bisher dominierte eindeutig der Milliardär Donald Trump die Riege der Republikaner. Vor der Debatte mutmaßten die Medien bereits, ob es den anderen Kandidaten überhaupt gelingen würde, sich Gehör zu verschaffen.

Diese Befürchtungen waren gerechtfertigt. Gleich am Anfang stellte sich Trump in den Mittelpunkt der Debatte. Als Moderator Chris Wallace die Kandidaten aufforderte, die Hand zu heben, falls sie nicht bereit seien, einen anderen Parteikollegen als Präsidentschaftskandidaten zu unterstützen, meldete sich nur einer: Donald Trump. Er könne dieses Versprechen nicht zu diesem Zeitpunkt geben, sagt er. Somit hält er sich einen Alleingang bei der Präsidentschaftswahl offen.

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Nach der Debatte zumindest steht fest: Es gibt gleich mehrere Anzeichen dafür, dass diese US-Wahl ganz besonders absurd wird. Hier sind 6 davon:

1. Die Demokraten haben nur einen einzigen geeigneten Kandidaten oder Kandidatin: Hillary Clinton ...

Einzige demokratische Kandidatin mit Aussichten auf eine Präsidentschaftskandidatur ist Hillary Clinton. 57 Prozent der Demokraten würden die ehemalige First Lady laut einer Umfrage des Fernsehsenders CNN in den Wahlkampf schicken - teils geschieht dies sicherlich aus Mangel an alternativen Kandidaten.

… und ihre Sympathiewerte sind im Keller

Das Problem ist: Clinton mag die einzige Kandidatin der Demokraten sein, die die Chance auf das Präsidentenamt hat. Doch in der amerikanischen Bevölkerung ist sie alles andere als beliebt. Schuld daran ist unter anderem ihre nicht enden wollende E-Mail-Affäre, für die sie jetzt sogar vor Gericht kommen könnte.

In einer Umfrage der Quinnipac University im Bundesstaat Connecticut gab mehr als die Hälfte der Befragten an, Clinton nicht als Nachfolgerin für Barack Obama in Betracht zu ziehen, da sie nicht ehrlich und nicht vertrauenswürdig genug sei. Durchgeführt wurde die Befragung in Iowa, Colorado und Virgina, die zu den sogenannten Swing States gehören, also Staaten, in denen keine klare Tendenz für Republikaner oder Demokraten zu beobachten ist.

2. Der aussichtsreichste Kandidat der Republikaner ist ein durchgeknallter Milliardär

Was Hillary Clinton unter Umständen freuen dürfte: Ihr möglicher Gegenspieler im Kampf um das Weiße Haus ist Donald Trump, ein größenwahnsinniger Immobilienmagnat. Dass er überhaupt Präsident werden will, war ohnehin schon ein Schock. Bisher hat er alles getan, um seiner Partei zu schaden: Die wahlentscheidende Minderheit der Lateinamerikaner vergraulte er mit seiner Forderung, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen. Falls die Republikaner ihn nicht als Präsidentschaftskandidaten aufstellen, will er notfalls einen Alleingang als Parteiloser wagen - was sicher in einem Wahlsieg der Demokraten enden würde.

Für 19 Prozent der Republikaner wäre Trump der gewünschte Kandidat, hat "CNN" ermittelt. Ihm folgen Jeb Bush (er wäre der dritte Präsident aus dieser Familie) mit 15 Prozent und Scott Walker (Mister Unscheinbar) mit 10 Prozent.

3. Vor keiner Wahl gab es eine derartige Fülle an absurden Kandidaten

Wo wir schon dabei sind … Merkwürdige Kandidaten gab es ja schon so einige - das zieht sich durch den US-Wahlkampf der letzten Jahrzehnte wie ein roter Faden. Doch angesichts der skurrilen Aktionen, die der Republikaner Donald Trump - Stichwort Telefonnummer-Fail - und neuerdings auch sein Parteikollege Ted Cruz - Stichwort gebratener Speck - abliefern, erscheinen die George Bush Seniors der amerikanischen Parteilandschaft auf einmal relativ normal.

Die Huffington Post USA hat sich dazu entschlossen, über Trump nur noch im Entertainment-Ressort zu berichten - wenn das nicht Beweis genug dafür ist, dass dieser Mann alles mögliche ist, aber kein geeigneter Kandidat für das mächtigste politische Amt der Welt.

4. Die Demokraten haben ein Altersproblem

Barack Obama war 47, als er 2008 für den Posten im Weißen Haus kandidierte. Damit war er nach John F. Kennedy der jüngste Anwärter auf das Präsidentenamt aller Zeiten. Der mit Abstand jüngste Kandidat der Demokraten in diesem Jahr, Martin O’Malley, ist 52. Die anderen vier sind im Durchschnitt Ende 60. Dass da der frische Wind und die Nähe zum Volk fehlt, ist kein Wunder.

O’Malley spielt zwar Gitarre in einer Band und sieht annehmbar aus, kommt aber bisher bei den Wählern nicht an - was auch daran liegen dürfte, dass er als ehemaliger Bürgermeister von Baltimore nicht verhindern konnte, dass dort Proteste von Schwarzen eskalierten.

5. Die Republikaner haben zwar relativ junge Kandidaten, aber keine, die auch so denken

Die Republikaner haben unter ihren 17 Kandidaten zwar gleich einige, die unter 50 sind - einer davon der oben erwähnte Speck-Schütze Ted Cruz -, doch mit einem charmanten, jungen Auftreten punkten sie ebenfalls nicht.

6. Der einzige schwarze Kandidat ist erzkonservativ

Der einzige Afroamerikaner unter den Präsidentschaftskandidaten, der Republikaner Ben Carson, sagt von sich: “Ich werde wahrscheinlich nie politisch korrekt sein, denn ich bin kein Politiker.” Er ist ein US-weit bekannter Neurologe - und hat mit seinen erzkonservativen Ansichten viele Afroamerikaner verschreckt, die ihn als Vorbild sahen. Damit hat sich für alle, die hofften, nach Obama wieder einen schwarzen Präsidenten zu haben, dieser Wunsch wohl erledigt.


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