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06/08/2015 00:38 CEST | Aktualisiert 06/08/2015 12:30 CEST

370 Menschen nach Kentern eines Füchtlingsbootes gerettet

MSF
Der Palästinenser Mohamed mit seiner einjährigen Tochter Azeel an Bord der Dignity I nach der Rettung

Nach dem Kentern eines Flüchtlingsbootes vor der Küste Libyens befürchten Hilfsorganisationen Hunderte Tote. Schiffe der italienischen Küstenwache, Marine und anderer Rettungskräfte suchten seit Mittwochnachmittag an der Unglücksstelle vor der Küste Libyens nach Vermissten.

Etwa 400 Migranten konnten in Sicherheit gebracht werden. Das gab die italienische Küstenwache an. Wie viele Menschen tatsächlich an Bord des Schiffes waren, blieb zunächst unklar. Hilfsorganisationen nannten Zahlen von bis zu 600 Menschen. 370 Überlebende würden am Donnerstagnachmittag in Palermo ankommen. Auch 26 Leichen wären dabei, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am späten Mittwochabend.

"Es war ein schrecklicher Anblick", sagte Juan Matías, Koordinator bei Ärzte ohne Grenzen (MSF) auf dem Schiff Dignity I, das den Flüchtlingen zu Hilfe kam. "Menschen, die sich verzweifelt an Rettungsringe, Boote und alles klammerten, die um ihr Leben kämpften zwischen Ertrinkenden und anderen, die bereits tot waren", MSF prangerte das "Fehlen adäquater Such- und Rettungsoperationen in dem Gebiet" an. Dies habe die erneute Katastrophe wieder einmal deutlich gemacht.

Mehrere Schiffe waren an der Such- und Rettungsaktion beteiligt. Doch für Dutzende Migranten kam vermutlich jede Hilfe zu spät. Sie waren möglicherweise im Frachtraum des Schiffes, als es am Mittwoch im Mittelmeer kenterte und innerhalb weniger Minuten sank. "Es gibt die Befürchtung, dass viele Menschen noch an Bord waren", sagte ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Viele Menschen könnten unter Deck gewesen sein und kaum eine Chance gehabt haben.

Sollten sich die Befürchtungen bestätigen, wäre es eins der schlimmsten Unglücke der vergangenen Monate. Im April waren Hunderte Migranten im Mittelmeer ertrunken, als ihr Boot kenterte und sank. Erst am Dienstag hatte die Internationale Organisation für Migration erklärt, dass in diesem Jahr bislang etwa 2.000 Menschen bei dem Versuch über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen ums Leben gekommen seien. Die mit Abstand meisten von ihnen hatten Italien als Ziel.

Die Menschen waren den ersten Erkenntnissen zufolge mit einem kaum seetüchtigen Holzboot von Libyen aufgebrochen. Schon nach wenigen Meilen gerieten sie in Seenot und setzten einen Notruf ab. Die italienische Küstenwache alarmierte ein irisches Marineschiff, das den Menschen zur Hilfe eilte. Vermutlich brachten die Migranten ihr Schiff dann unabsichtlich selbst zum Kentern, weil sie sich in Angst und Panik auf eine Seite drängten.

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