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05/08/2015 02:57 CEST | Aktualisiert 05/08/2015 03:32 CEST

Die Hitze macht Deutschlands Atomkraftwerken zu schaffen

Das Atomkraftwerk Grohnde stand aufgrund der Hitze kurz vor der Abschaltung
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Das Atomkraftwerk Grohnde stand aufgrund der Hitze kurz vor der Abschaltung

Deutschland leidet immer häufiger unter heißen und trockenen Sommern. Dieser Trend könnte jetzt auch die Stromversorgung in Deutschland gefährden: Denn die veränderten klimatischen Bedingungen werden zu einem Problem für die Atomkraftwerke.

Erst im Juli musste ein Kraftwerk fast heruntergefahren werden, wie jetzt bekannt wurde. Das Atomkraftwerk Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont stand kurz vor einer Abschaltung", sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur in Hannover.

Der Grund für die Probleme: Das Kühlwasser in den Kraftwerken wird zu warm. Das Kernkraftwerk des Betreibers Eon bezieht das Kühlwasser aus der Weser. Anfang Juli hätten Messungen ergeben, dass die Temperatur in dem Fluss nur noch 1,8 Grad Celsius unter dem Grenzwert von 28 Grad Celsius gelegen habe. "Gemessene 26,2 Grad - das war schon eine kritische Situation, die fast zu einer Abschaltung oder zumindest zu einer Drosselung der Kraftwerksleistung geführt hätte", sagte Wenzel.

Die Hitze wird allerdings nicht zur Gefahr für die Reaktoren - sondern für die Flüsse. Hintergrund für die Festlegung des Grenzwertes bei der Wassertemperatur in Flüssen wie der Weser ist die dortige Flora und Fauna.

Wenn das Kühlwasser in den Fluss zurückgeleitet wird, besteht die Gefahr, dass das ohnehin warme Gewässer weiter angeheizt wird und die Flussbewohner leiden. "Bei mehr als 28 Grad Wassertemperatur sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser derart, dass Tiere und Pflanzen dauerhaft geschädigt werden", sagte Wenzel. Die klimatischen Veränderungen lassen nach Ansicht des Ministers durchaus erwarten, dass derartige Situationen künftig häufiger auftreten. "Wir haben im Langzeitvergleich bereits den sechsten zu trockenen Frühling in den vergangenen sieben Jahren", sagte er.

Der spürbare Klimawandel hat damit nach Ansicht von Niedersachsens Ministers Wenzel bereits heute unmittelbare Konsequenzen für die Kraftwerke in Deutschland. Wenn es mehr Wetterlagen gebe, bei denen trockene Phasen mit sinkenden Fluss-Wasserständen mit heißen Temperaturen zusammenkämen, könne es dazu kommen, dass Kraftwerke abgeschaltet werden müssten. In anderen Ländern, etwa Frankreich, habe es dieses Problem in der Vergangenheit bereits häufiger gegeben.

"Ein großflächiges beziehungsweise zeitgleiches Abschalten von Kraftwerken kann Auswirkung auf die Netzstabilität haben", gibt der Energieversorger EnBW zu bedenken. Im Klartext: In Regionen, die weiter viel Atomstrom produzieren und nutzen kann es zu Blackouts kommen. Daher sei ein Maßnahmenplan erarbeitet worden, der Versorgungssicherheit bei gewässerschonendem Betrieb der Kraftwerke sichere. Mithilfe von Wetter-Prognosen bereiten sich die Kraftwerksbetreiber auf mögliche Extremsituationen vor.

Auch in Grohnde war die hohe Wassertemperatur vor wenigen Wochen nicht die erste kritische Situation. "Vor einigen Jahren stand Grohnde schon einmal kurz vor der Abschaltung", sagte Wenzel. Danach habe der Betreiber zusätzliche Vorratsbecken für das warme Kühlwasser angelegt. "Unsere jetzige Messung zeigt aber, dass dies offenbar nicht reicht. Wir prüfen das jetzt intensiv, um rechtzeitig einschreiten zu können."

Die Probleme der Kraftwerke in heißen Sommern sind ein Grund mehr für die Energiewende.

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