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05/08/2015 17:07 CEST

Hamburgs Innenstadt soll sich komplett verändern - und Fußgänger werden es sofort spüren

Restaurant in the Portuguese Quarter in Hamburg.
Thomas Winz via Getty Images
Restaurant in the Portuguese Quarter in Hamburg.

Es klingt wie aus einem Film. Hamburg will alle Autos aus der Innenstadt verbannen - Abgase, Krach, Staus und Falschparker wären dann kein Thema mehr. Und die Straßen gehörten Fußgängern, Rad- und Rollstuhlfahrer ganz alleine.

Wenn Hamburg den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2024 bekommt, soll dieser Plan Realität werden. Auch nach den Spielen soll der Verkehr noch eingeschränkt bleiben. Das geht aus einem Konzept hervor, das der Umweltsenator Jens Kerstan im Juli vorstellte. Seither diskutiert die Stadt, was das eigentlich bedeuten würde.

Was ist neu an dem Plan? Dass ein ganzer Stadtteil und nicht nur eine Fußgängerzone ohne PKWs auskommt, hat es in Deutschland noch nicht gegeben. In Berlin sagte man ein ähnliches Konzept kurzfristig ab - und überließ es den Bürgern, ob sie auf ihr Auto verzichten wollen oder nicht.

Der Einzelhandel ist nicht begeistert. Wolfang Linnekogel vom Hamburger Einzelhandelsverband bezeichnete die Pläne gegenüber dem "NDR" als Desaster für Geschäftsleute. Er fürchtet, dass dann weniger Kunden den Weg zu den Geschäften auf sich nehmen.

Eine Stadt in Südkorea hat es ausprobiert. Welche Folgen das Konzept für Hamburg bedeuten könnte, zeigt ausgerechnet eine Stadt in Südkorea - Suwon wagte dieses Experiment Ende 2013. Fast alle Privatautos mussten dem Viertel Haenggung-dong fernbleiben. Denn dort fand das Ecomobility Festival statt, das zeigen soll, dass autofreie Städte und umweltfreundlicher Transport möglich sind.

Mehr als 4.000 Bewohner waren betroffen, heißt es in einer Broschüre des Veranstalters. Zwar befürwortete der Großteil der Bevölkerung das Auto-Verbot, wie die US-amerikanischeInternetseite "Vox" berichtete.

Aber gerade die Besitzer kleiner Geschäfte hatten wie in Hamburg Bedenken. Sie fragten sich, wie sie ihre Lieferungen erhalten sollten, sagte Konrad Otto-Zimmermann, einer der internationalen Organisatoren, gegenüber "Vox". Deshalb wurde ein Kompromiss ausgehandelt: Die Hauptstraße des Viertels würde nur gut eine Woche gesperrt und ansonsten sollten Liefershuttles fahren.

Ein Vorbild für Hamburg? Als das Festival dann begann, änderte sich das Stadtbild komplett. Wo vorher Autos die Straßen verstopften, tummelten sich nun Fußgänger und Fahrradfahrer. Restaurants breiteten sich auf die Straßen aus und sogar Spielplätze, Badmintonfelder und Theaterbühnen tauchten auf. Selbst viele zuvor skeptische Ladenbesitzer seien vom PKW-Verbot begeistert gewesen, so Otto-Zimmermann auf "Vox". Denn mit dem zusätzliche Platz seien mehr Kunden gekommen.

Wenn das Konzept auch in Hamburg funktioniert, könnte es ein Vorbild für ganz Deutschland sein.


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