POLITIK
05/08/2015 07:38 CEST | Aktualisiert 06/08/2015 12:26 CEST

Fremdenhass: Ex-Außenminister Genscher verteidigt Ostdeutsche

Meißen, Tröglitz, Freital - viele Deutsche dürften derzeit zuerst an den Osten der Republik denken, wenn es um das Thema Fremdenhass geht.

Zwar kommt es auch immer wieder in anderen Teilen Deutschlands zu Protesten und Angriffen gegen Flüchtlinge, doch in Ostdeutschland ist die wachsende Asylskepsis besonders ausgeprägt. Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl warnte vor kurzem erst vor "besonders vielen rassistischen Angriffen" in Sachsen.

Die Bilder brennender Flüchtlingsheime wecken schlimme Erinnerungen. Aber hat der Osten Deutschlands wirklich ein Rassismus-Problem?

Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher wehrt sich gegen dieses Vorurteil. Im Gespräch mit der "Zeit" verteidigt der 88-Jährige die Ostdeutschen gegen den Vorwurf, sie seien für Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit besonders anfällig. Genscher sagte:

  • „Ich erinnere mich noch daran, welche rassistischen Töne in den frühen Fünfzigern in der Bundesrepublik zu hören waren. Da gab es die Rechtspartei, die Deutsche Reichspartei, die NPD saß in vielen Länderparlamenten."

  • „Sicher hat der Osten ein Rechtsextremismus-Problem, aber der Westen weiß nur zu gut, wie sich das anfühlt.“

Genscher sagte zudem, dass er sich bei den Angriffen auf Flüchtlingsheime an seine Kindheit im Nationalsozialismus erinnert fühle:

  • „Wissen Sie, immer wenn ich eine Meldung über einen Anschlag auf ein Asylbewerberheim lese, stehen vor mir die Bilder meiner Kindheit: brennende Synagogen und zerstörte jüdische Ladengeschäfte".

Diese Assoziation dürften zuletzt viele Deutsche gehabt haben. Seit Wochen kommt es in Deutschland fast jeden Tag zu rassistisch motivierten Gewalttaten gegen Flüchtlinge, Asylbewerberunterkünfte oder Menschen, die Flüchtlinge unterstützen. "Die rassistische Gewalt hat damit längst terroristische Züge angenommen", beklagte Pro Asyl zuletzt.

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