POLITIK
04/08/2015 00:27 CEST | Aktualisiert 04/08/2015 06:06 CEST

NRW-Innenminister Ralf Jäger: "Wäre ich ein kosovarischer Vater, würde ich es auch versuchen"

dpa
NRW-Innenminister Ralf Jäger warnt: "Wir dürfen Flüchtlinge nicht der Obdachlosigkeit überlassen"

Er ist der Innenminister des Bundeslandes, das die größte Zahl an Flüchtlingen aufgenommen hat. Ralf Jäger hat im Interview mit der "Welt" davor gewarnt, Flüchtlinge der Obdachlosigkeit zu überlassen. Der SPD-Politiker erklärte, es sei mittlerweile "am allerwichtigsten, die Obdachlosigkeit von Flüchtlingen zu verhindern".

In der Zusammenarbeit mit den Kommunen gehe es darum, "dass die Menschen ein Dach über dem Kopf haben". Jäger warnte davor, "dass wir in Deutschland Bilder wie in Calais oder in Griechenland haben". Die Menschen sollten nicht unter freiem Himmel übernachten müssen.

Gleichzeitig zeigte er sich beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Deutschen. Die sei "unglaublich groß". So nannte er zum Beispiel eine Einrichtung in Moers, die innerhalb weniger Stunden bezugsfertig mit Hilfe von Ehrenamtlichen bezugsfertig gemacht wurde.

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Jäger forderte den Bund auf, seine "Zuschauertribüne" zu verlassen. "Der Umgang mit Flüchtlingen ist eine nationale Aufgabe", sagte der Innenminister. Der Bund müsse "finanzielle Verantwortung übernehmen und die Kommunen bei den Unterbringungskosten entlasten".

Er möchte, dass der Bund eine Kopfpauschale zahlt. "Das würde die Kommunen sofort entlasten." Jäger sprach sich zudem für eine schnellere Bearbeitung von Asylbewerberanträgen aus. Außerdem sollten Immobilien des Bundes wie etwa Kasernen leichter für die Unterbringung genutzt werden.

Gleichzeitig zeigte Jäger Verständnis für die Flüchtlinge vom Balkan. "Wir sollten uns die prekäre Situation der Flüchtlinge vor Augen führen", sagte der Minister. "Das sind menschliche Tragödien. Er könne die Motivation der Armutsflüchtlinge verstehen, erklärte Jäger. Als Familienvater im armen Kosovo würde wohl auch er versuchen, nach Deutschland zu kommen. "Trotzdem müssen wir diesen Menschen ganz schnell sagen, dass sie hier keinen Anspruch auf Asyl und damit keine Perspektive haben, bei uns zu bleiben", so Jäger.

Der CSU warf Jäger ein Anbiedern am rechten Rand vor. Politiker müssten "sachlich und seriös mit der Situation umgehen", erklärte Jäger. Jetzt sei keine Zeit für Populismus. Daran sollte sich auch CSU-Chef Horst Seehofer halten. "Sonst bekommt er schnell Applaus von der falschen Seite", sagte Jäger.

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