POLITIK
01/08/2015 18:10 CEST | Aktualisiert 01/08/2015 18:12 CEST

Diese Zahl zeigt, wie Deutschland wirklich mit der Flüchtlingskrise umgeht

dpa
Deutschland schiebt 42 Prozent mehr Asylbewerber ab als noch vor einem Jahr.

Zunächst klingt die Zahl gar nicht so hoch: 8178 Asylbewerber hat Deutschland 2015 bisher abgeschoben. Führt man sich aber vor Augen, dass das einen Anstieg von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet, ist diese Zahl immens hoch. Und sie beweist erneut die Dramatik der Flüchtlingskrise.

Zugleich kehrten viele freiwillig in ihr Land zurück. Wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums der "Welt am Sonntag" sagte, sind bis Ende Juni 2015 bereits mehr als 12.600 Personen in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt. 85 Prozent davon stammten den Angaben zufolge aus den Staaten des westlichen Balkans.

Erreicht hat die Regierung das mit einer äußerst strikten Abschiebe-Strategie. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Roger Lewentz (SPD), sagte der "WAZ": "Wenn ein Asylantrag abgelehnt ist, dann müssen wir dafür sorgen, dass die Menschen in ihre Heimat zurückkehren.“ Wenn das nicht freiwillig geschehe, müsse man "in letzter Konsequenz auch mit Druck auf eine Ausreise hinwirken.“

Die Lage in den Städten und Kommunen ist angespannt. Viele Gemeinden wissen nicht, wohin mit den Neuankömmlingen. Sie fordern vom Bund mehr Geld. Länder und Kommunen wollen im Gegenzug konsequenter daran mitarbeiten, Asylbewerber schneller und gezielter abzuschieben.

Die Länder fordern schnelles Handeln. Wie die "WAZ" berichtet, haben die Länder die Bundesregierung in einer Telefonkonferenz in dieser Woche aufgefordert, ihre Prognose von bisher 450.000 Asylanträgen schnellstmöglich zu erhöhen. Die Bundesländer haben bis Ende Juli mit 302.415 Asylsuchenden deutlich mehr Anfragen registriert, als zuvor angenommen. Eine Anhebung der Prognose sei notwendig, um in den Ländern und Kommunen die erforderlichen Kapazitäten für den Herbst und Winter einzuplanen.

Die Kritik richtet sich im Besonderen an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz forderte eine schnellere Bearbeitung der Asylanträge durch das Amt. Lewentz sagte der Zeitung: "Die geplanten Stellen im BAMF müssen schneller besetzt werden."

Bereits in diesem Jahr würden "mindestens 200.000 Asylanträge" nicht bearbeitet. "Die Bugwelle von nicht entschiedenden Fällen wird immer gigantischer", so Lewentz. Lange Bearbeitungszeiten von Anträgen seien zudem "für viele ein Anreiz, um nach Deutschland zu kommen – auch wenn sie hier keine Chance auf Asyl haben".

Schnelles Handeln ist gefragt, darin besteht kein Zweifel. Ob der richtige Weg allerdings nur in einer Optimierung der Abschiebeverfahren liegen kann, ist mehr als fraglich.


Lesen Sie auch:

Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Video: Flüchtlinge zu Hause aufnehmen? Das denken die Deutschen wirklich darüber

Hier geht es zurück zur Startseite