WIRTSCHAFT
23/07/2015 13:07 CEST | Aktualisiert 24/07/2015 05:06 CEST

Restaurant bekommt plötzlich tausende negative Bewertungen - dahinter steckt etwas Schockierendes

Google

Ein Wirt kann entscheiden, welche Gäste er gerne in seinem Betrieb begrüßen möchte – und welche nicht.

Ricky Steinberg, Wirt des traditionsreichen Münchner Hofbräukellers (nicht zu verwechseln mit dem Hofbräuhaus) hat sich entschlossen, bei Studentenverbindungen genauer zu schauen, ob sie bei ihm noch reservieren dürfen.

Denn einige Studentenverbindungen hätten sich zuletzt häufiger daneben benommen. Erst waren da nur die Mitglieder, die das Personal angepöbelt und „Tische kaputt geschlagen“ hätten, berichtet Steinberg der „Süddeutschen Zeitung”. Doch dann, Ende Juni, gab es den Abend, als angetrunkene Mitglieder einer studentischen Verbindung zu später Stunde die erste Strophe des Deutschlandliedes gegrölt hätten.

„Mit Randale hätte ich noch leben können, aber diese recht Gesinnung will ich meinem Haus nicht haben“, stellt der Wirt klar.

Doch jetzt schlagen einige Studentenverbindungen zurück - bundesweit. Sie bewerten die Location negativ – was extrem bitter für den Hofbräukeller ist, denn gerade Neu-Bürger oder Touristen (von denen es in München reichlich gibt) schauen intensiv auf die Bewertungen im Netz.

Die sind plötzlich richtig mies - es ist ein dramatischer Abstieg. Allein bei Facebook gab es innerhalb weniger Stunden 3.000 Negativbewertungen.

hofbrauekeller

Und auch bei Google gibt es plötzlich vernichtende Urteile:

google wiener platz

google screenshot

Genauso wie bei Tripadvisor:

tripadvisor

Das sei ein Rufmord, klagt der Wirt. „Wir möchten nicht alle in den rechten Topf werfen. Aber es ist für uns schwierig, im vornherein die Gesinnung einer Verbindung zu überprüfen“, sagte er der Münchner „tz“.

HINTERGRUND:

Burschenschaften und Studentenverbindungen müssen sich häufig erklären – denn immer sorgen einzelne Gruppe für Negativschlagzeilen. "Die Burschenschaftsbewegung war von Anfang an sehr heterogen bis hin zu Formen des politischen Radikalismus", sagt der Würzburger Historiker Matthias Stickler. "Heutzutage gibt es mehr Burschenschaften außerhalb als innerhalb des 1881 gegründeten Dachverbandes 'Deutsche Burschenschaft'."

Laut Stickler hat sich deren Mitgliederzahl seit den 1960er Jahren drastisch verringert: Von damals etwa 140 Bünden mit etwa 28.000 Mitgliedern auf heute etwa 70 mit vielleicht 7000 bis 8000 Mitgliedern.

In den Nachkriegsjahren - damals wurden viele Studentenverbindungen in Westdeutschland neu gegründet - sei die Szene liberal-konservativ dominiert gewesen, erklärt der Historiker. In den frühen 70er Jahren habe es, vor allem als Folge der Aufnahme der österreichischen Burschenschaften einen "Rechtsruck" gegeben. "Immer mehr gemäßigte Burschenschaften betrachteten es mit der Zeit als rufschädigend, in einem solchen Verband zu sein. Die liberal-konservativen Bünde traten deshalb zunehmend aus."

(mit Material der dpa)

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