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22/07/2015 09:58 CEST | Aktualisiert 22/07/2015 10:58 CEST

Autobahn der Zukunft: Diese revolutionäre Idee wird den Verkehr in unseren Städten für immer verändern

Thinkstock

Tag für Tag verstopfen Autokolonnen die Straßen der Städte, verpesten die Luft und sorgen für einen Lärmpegel, der viele Menschen in den Metropolen krank macht. Arbeitnehmer, die im Stau stehen und zu spät zur Arbeit kommen, kosten die Unternehmen jährlich Milliarden Euro. Nicht zu vergessen, dass der Stress beim Weg zur Arbeit auch krank machen kann.

All das sind keine Neuigkeiten. Vielmehr sind die Folgen des zunehmenden Autoverkehrs in unseren Städten seit Jahren bekannt. Dennoch unternehmen Politik und Stadtplaner zu wenig, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Dabei wäre eine Lösung einfach, wie heute schon zwei Millionen Menschen in Deutschland zeigen: Sie sind vom Auto auf das Fahrrad umgestiegen.

Aber es könnten und müssten noch viel mehr sein.

Das Problem ist: Einer wahren Fahrradrevolution in den Städten steht die miese Fahrradinfrastruktur im Weg. Bedeutet: Kaputte oder gar keine Radwege, Autos die sie zuparken, gefährliche Kreuzungen, ein fehlender Winterdienst und zu wenige Abstellstellplätze.

Dabei macht Radfahren den meisten Deutschen Spaß. Laut dem “Fahrradklima-Test” des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) haben viele aber Angst, wenn sie mit dem Rad in der Stadt unterwegs sind.

Wie könnte es also besser gehen?

Wie können Städte mehr Menschen weg vom Auto und auf das Fahrrad locken und die Metropolen so für alle lebenswerter machen?

Diese Fragen hat sich auch die Stadt München gestellt - und jetzt mit einem ersten Konzept beantwortet. Am kommenden Freitag stellt München Pläne für mehrere Radschnellverbindungen vor, die schon bald das Umland der bayerischen Hauptstadt mit dem Zentrum verbinden sollen.

Wie die “Süddeutsche Zeitung berichtet”, sollen die Wege zwischen fünf und 15 Kilometern lang sein und das Fahrradfahren für Pendler attraktiver machen. Angedacht sind vier Meter breite Wege, auf denen die Radfahrer ungestört vom Umland an den Stadtrand gelangen - ohne Ampeln und ohne die Gefahr, von Autos übersehen zu werden, wenn sie am Rand der Landstraße fahren müssen.

Von dort können sie das schon vorhandene Radwegenetz nutzen und in die Stadt weiterfahren. Das Auto kann Zuhause stehen bleiben.

"Wir hoffen, dass viele Menschen vom Auto auf das Rad umsteigen werden, wenn es eine Schnellverbindung gibt", sagte Birgit Kastrup, vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München der “Süddeutschen Zeitung”. Ob die Stadt dem Ausbau zustimmt, ist aber noch offen.

Köln und Aachen planen ebenfalls Schnellwege für Radfahrer

In Köln sind die Planer schon etwas weiter. Derzeit baut die Stadt an einem Radwegenetz, das 6000 Pendlern den schnellen und sicheren Weg per Rad in die Stadt ermöglichen soll.

Dass die neuen Wege für Radfahrer richtig attraktiv werden, dafür sorgen Reparaturstationen ebenso wie ein Winterdienst und ein Belag mit besonders wenig Rollwiderstand.

Neben Köln plant auch Aachen einen Schnellweg in die Niederlande. In Düsseldorf und Ostwestfalen gibt das Land NRW Geld für neue Strecken. Auch Münster ist ganz vorne dabei. Laut AFDC wurde die Stadt in Westfalen mehrmals in Folge zur fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands gekürt.

Vorbild für die deutschen Fahrradpioniere sind andere europäische Metropolen. London zum Beispiel investiert in den nächsten Jahren mehr als eine Milliarde Euro in neue Fahrradwege. Auch die Verwaltung von Paris hat angekündigt, die Stadt bis 2020 zur Radmetropole umzubauen und den Prozentsatz der Fahrradfahrer von bisher fünf auf 15 Prozent zu steigern.

Erreichen will die französische Hauptstadt das, indem sie das bestehende Radwegnetz von derzeit rund 700 Kilometer auf 1400 Kilometer ausbaut. Der größte Teil des Investitionsprogramms soll aber ebenfalls in Fahrrad-Highways fließen, die die Stadtränder von Paris sowohl von Ost nach West als auch von Süd nach Nord verbinden.

Auch skandinavische Länder und die Niederlande gelten längst als Vorreiter auf dem Gebiet der fahrradfreundlichen Städte.

Dieses Video zeigt eine virtuelle Fahrt über einen Fahrrad-Highway in Kopenhagen, der 2014 eröffnet wurde:

Metropolen wie München und Köln, London und Paris zeigen also, wie wir dem Autoverkehr Herr werden und Städte lebenswerter machen. Jetzt müssen andere nur noch nachziehen.


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