WIRTSCHAFT
07/07/2015 07:45 CEST | Aktualisiert 14/07/2015 05:54 CEST

Aus diesem Grund weigert sich eine Zeitung, Abschlussfotos von Hauptschülern zu drucken

Es hätte alles so laufen können wie in den Vorjahren. Die Hauptschüler hätten stolz mit ihrem Abschluss in der Tasche fotografiert werden könne und das Bild wäre in der Lokalzeitung erschienen.

In diesem Jahr sollte aber an Hauptschulen in Melle, einer Stadt zwischen Osnabrück und Bielefeld, alles anders sein. Die Lokalzeitung wollte keine Bilder mehr veröffentlichen. Die Begründung? Weniger Platz im Blatt wegen angespannter Finanzen? Kein Geld für zusätzliche Seiten? Überhaupt keine Abschlussbilder aus Schulen mehr? Nein. Leider nicht.

Das wäre noch verständlich gewesen. Das hier hingegen nicht. Es ist, wenn es sich so zugetragen hat, ein Schlag ins Gesicht von Hauptschülern und ihren Eltern.

„Als Begründung wurde angeführt, dass es sich bei dem Hauptschulabschluss um keine intellektuelle Leistung handeln würde“, schreiben drei Schulleiter in einem Brief an die Eltern, der sich im Netz verbreitet. Die Lehrer verweisen nicht etwa auf Aussagen Dritter, sondern auf das, was sie angeblich selbst von Journalisten der Zeitung gehört haben.

Schämt euch!

Posted by Sabrina Stindt on Sonntag, 5. Juli 2015

„Das widerspricht jeder pädagogischen Grundhaltung an unseren Schulen. Auch die Schülerinnen und Schüler, die jetzt den Hauptschulabschluss erreicht haben, haben neun oder zehn Jahre in der Schule gelernt und sich angestrengt. Sie sind Teil unserer Schulgemeinschaft und solch eine Diskriminierung werden wir nicht tolerieren. Auch für Kinder mit einem Hauptschulabschluss ist der Tag der Schulentlassung ein wichtiges Ereignis im Leben. Wie will man sich dann erst gegenüber den Schülern mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf verhalten? Gelebte Inklusion sieht anders aus!“

„Schämt euch“, schreiben Facebook-Nutzer jetzt an die Redakteure des „Meller Kreisblattes“.

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Das Blatt reagierte auf die empörten Reaktionen. Beziehungsweise: musste reagieren.

Die Zeitung, die zur NOZ Mediengruppe gehört, distanzierte sich von den Zitaten. Da sei nichts dran.

In eigener Sache: Seit einigen Tagen ist ein Brief von drei Leitern Meller Oberschulen – der Lindenschule Buer, der...

Posted by Meller Kreisblatt on Montag, 6. Juli 2015

Das Meller Kreisblatt erklärte, dass man durch die „emotionalen Reaktionen“ festgestellt habe, dass „unsere bisherige Praxis nicht mehr den heutigen Bildungsabläufen entspricht“. Zwischen den Zeilen kann man hier durchaus ein kleines Schuldeingeständnis herauslesen.

Ein Nachgeschmack bleibt. Dass gleich drei Schulleiter in einem Brief an die Eltern sich das Zitat ausgedacht haben? Ist es so gewesen? Letztlich steht hier Aussage gegen Aussage.

Für die Schülerinnen und Schüler hat der Hickhack etwas Positives. Sie bekommen jetzt doch noch ihr Abschlussfoto. Wenn sie es nach der ganzen Aufregung überhaupt noch wollen. Jeder hat seinen Stolz.

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Video:Werden Sie zum Rechenkönig!: Schneller als in der Schule: Wie Sie durch "Hinzufügen" viel einfacher Subtrahieren

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