WIRTSCHAFT
07/07/2015 02:49 CEST | Aktualisiert 07/07/2015 02:53 CEST

"Die Fleisch-Mafia": Warum das Fleisch beim Discounter so billig ist, wie es ist

"Die Fleisch-Mafia": Warum das Fleisch beim Discounter so billig sein kann
NDR
"Die Fleisch-Mafia": Warum das Fleisch beim Discounter so billig sein kann

Falls Sie sich das nächste Mal fragen, warum das Fleisch im Supermarkt und beim Discounter so billig ist, wie es ist, und sich fragen, warum die Fleischindustrie trotz des Preises und der wachsenden Veggie-Lust immer noch so viele Millionen scheffelt ...

... dann erinnern Sie sich wahrscheinlich künftig nicht mehr nur an die Massentierhaltung, sondern auch an den ARD-Film „Die Fleisch-Mafia“.

Ex-Mitarbeiter: "Gefährliche Mafia", die Menschen bedroht und ausbeutet

Der sehenswerte Film, der am Montag lief, zeichnet nach, wie zahlreiche große Betriebe der deutschen Fleischindustrie in den vergangenen Jahren immer stärker in ein kompliziertes Netz von Firmen eingebunden sind, die laut NDR-Recherchen „offenkundig mit kriminellen Strukturen“ arbeiten.

Der NDR befragte für den Film mit ehemaligen Mitarbeiter dieser Firmengruppe, die von einer „gefährlichen Mafia“ sprechen, die Menschen bedrohe und ausbeute.

Bedroht, indem diese „Mafia“ Geschäftspartnern Schweigegeld zahlt und ausbeutet, indem sie sich selbst bereichern und über Strohmänner und Sub-Sub-Unternehmer Schlachthöfen billige Arbeitskräfte, zum Beispiel aus Rumänien anbieten, die bei Dienstbeginn ohne Unterkunft in Deutschland dastehen und nach ihrem Arbeitstag von weißen Lieferwagen abgeholt werden.

Bei den NDR-Informaten handele es sich „um Aussteiger, die sich auch der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stellen werden“. Die dem NDR vorliegenden Unterlagen begründen zudem den Verdacht, dass hierbei seit Jahren systematisch Millionen an Steuern und Sozialabgaben hinterzogen werden.

Die im Verdacht stehenden Drahtzieher residieren den Recherchen zufolge in Nordrhein-Westfalen, sind aber durch rund 40 von ihnen gegründeten "Tarnfirmen" mit eigens dafür eingesetzten Strohmännern in ganz Deutschland präsent.

"Wenn wir das nicht in den Griff kriegen, schadet es dem Ansehen unseres Landes"

Nahezu alle namhaften Schlacht- und Fleischbetriebe in Deutschland haben laut NDR Kontakt zu diesem Firmenimperium. Olaf Lies, Wirtschaftsminister in Niedersachsen, sagte: „Es ist eine schmale Gruppe, und wenn wir das nicht in den Griff kriegen, schadet es dem Ansehen unseres Landes.“

Schlachthof-Betreiber, die denken, sie hätten die Zusammenarbeit mit dem fragwürdiger Firma beendet, und Mitarbeiter von anderen Firmen, bemerken, dass es sich nur um andere Sub-Sub-Unternehmer handelt. Ein kompliziertes Geflecht, das Dumping-Löhne ermöglicht und billiges Fleisch, das die Verbraucher so lieben.

Doku-Reihe „Exclusiv im Ersten“: Die Fleisch-Mafia - Das geheime Netzwerk der Schlachthöfe, Autor: Michael Nieberg. Den Beitrag finden Sie hier in der ARD-Mediathek.

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