WIRTSCHAFT
06/07/2015 10:10 CEST

Eine pikante Unterhaltung in einer WhatsApp-Gruppe von Vapiano-Mitarbeitern bringt das Unternehmen in Schwierigkeiten

dpa

Die Italo-Kette Vapiano sammelt gerade gar keine Sympathiepunkte. Das positive Image bröckelt. Vor allem, weil Ex-Mitarbeiter auspacken, was sich hinter den Kulissen abspielt.

Unter anderem berichteten Ex-Mitarbeiter, dass sie angeblich gegen ihren Willen 50-Stunden-Wochen hatten. Die Überstunden würden zudem nicht vergütet. Und abgefeiert werden dürften sie auch nicht, berichteten die Ex-Angestellten vor der Kamera.

Und intern gibt es bei den Verantwortlichen offenbar Angst, dass da noch mehr Negatives ans Licht kommt.

vapiano

Nur so ist eine Geschichte im Investigativ-Blog von der "Welt" zu erklären. Die Kollegen berichten nämlich von einer WhatsApp-Gruppe, in der Vapiano-Restaurantschefs ihre Mitarbeiter vor einer "Welt"-Reporterin gewarnt haben. „Bitte aufpassen/wenn Sie da ist keine Auskünfte“, zitiert „Die Welt“ aus der Gruppe. „Bitte wachsam sein.“ In der Gruppe werden auch Fotos der Reporterin gepostet.

Übereifriger Vapiano-Bezirksmanager?

Möglicherweise wurden auch Bilder der Reporterin in Vapiano-Filialen aufgehängt, um Mitarbeiter zu warnen. Der Vapiano-Chef erklärte: „Mir ist das nicht bekannt gewesen.“

Die für Vapiano zuständige PR-Agentur teilte auf Anfrage des Medien-Branchendienstes „Meedia“ am Montagvormittag mit, dass ein Vapiano-Bezirksmanager „offenbar übereifrig“ gewesen sei.

Er habe möglicherweise die Reporterin bekannt machen wollen, damit sie bei ihrem nächsten Besuch „einen wirklich perfekten Service vorfindet”. Die Wortwahl in der WhatsApp-Gruppe passt jedoch zu dieser Einschätzung nicht sonderlich gut.

“So oder so: Es war ein Fehler", gesteht daher auch die PR-Agentur. "Und Vorstand und Zentrale sind alles andere als glücklich darüber. Alle Bezirksleiter sind aus diesem Anlass sensibilisiert worden, welche Wirkung ein solches Handeln haben kann.”

Hintergrund der Aufregung sind Recherchen der Reporterin, dass in einigen Vapiano-Betrieben offenbar Arbeitszeit-Angaben von Beschäftigten zu deren Lasten manipuliert wurden. Die "Welt am Sonntag" hatte berichtet, geleistete Arbeitsstunden - auch von Auszubildenden - seien nach Informationen ehemaliger Mitarbeiter nachträglich am Computer kleingerechnet worden.

Dadurch habe man den Gewinn der jeweiligen Filiale höher getrieben in der Erwartung, dass die betroffenen Mitarbeiter das nicht bemerken. Denn die Manipulation sei für die Einzelnen nur gering gewesen, in der Summe könnten jedoch stattliche Beträge zusammenkommen.

Vapiano verspricht "schonungslose und rückhaltlose" Aufklärung der Vorfälle

Arbeitsrechtler Wolfgang A. Gustavus sagte der "Welt": „Dieses Verhalten von Vapiano wäre als Betrug zu werten, der mit Hilfe einer Urkundenfälschung begangen wurde, um die Mitarbeiter um ihren Lohn zu bringen.“ Deutliche Worte.

Der Konzern erklärte: Man wolle den Vorwürfen nachgehen. Der designierte Vorstandschef der in Bonn ansässigen Kette, Jochen Halfmann, erklärte in einer Stellungnahme, das mache ihn betroffen.

Er habe eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit einer "schonungslosen und rückhaltlosen" Aufklärung der Vorfälle beauftragt. "Bei aufgedecktem Fehlverhalten werden wir personelle Konsequenzen ziehen", versicherte Halfmann.

(mit Material der dpa)


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