LIFE
06/07/2015 14:12 CEST | Aktualisiert 13/07/2015 14:39 CEST

5 Veränderungen nach der Schwangerschaft, die Frauen nicht ignorieren sollten

Beschwerden nach der Schwangerschaft
Schwangerschaft/Flickr
Beschwerden nach der Schwangerschaft

Aus rein körperlicher Sicht gibt es leider nichts wahnsinnig Tolles über die Wochenbettzeit zu berichten. Es ist eine Zeit der intensiven Genesung – ihr Körper hat gerade die unglaublich harte Arbeit geleistet, ein Baby zu nähren und es anschließend auf die Welt zu bringen – und es braucht eine Weile, bis Sie wieder voll bei Kräften sind. Ganz gleich, ob Sie einen Kaiserschnitt oder eine natürliche Geburt hatten, Sie werden sich in den ersten Tagen oder Wochen wahrscheinlich ziemlich zittrig fühlen. Sie könnten Ihre Haare verlieren. Sie könnten mit Problemen wie Melasma und nächtlichen Schwitzattacken zu kämpfen haben. Und oh, die riesigen Pads, die Sie tragen werden!

Glücklicherweise verschwinden die meisten dieser Probleme mit etwas Zeit und Erholung. Doch für viele frischgebackene Mütter gibt es anhaltende Schmerzen, die das nicht tun. Schmerzen, die Frauen laut Experten viel zu lange ertragen.

„Jedes Mal, wenn du ein Baby zur Welt gebracht hast, kommt dein Körper in die postnatale Phase,“ sagt Jessica McKinney, Leiterin des Beckenboden- und Frauengesundheitszentrums der Marathon-Klinik für Physiotherapie und Sportmedizin in Massachusetts. Die meisten der folgenden Probleme sollten Frauen mit ihren Hebammen bei den (oftmals viel zu schnellen) Nachsorgeuntersuchungen, etwa sechs Wochen nach der Entbindung, besprechen – wenn nicht sogar früher. Das bedeutet, „es ist niemals, nie zu spät um Hilfe zu bitten“, sagt sie. „Ich habe Mütter, die Jahre später in meine Sprechstunde kommen und sagen ‚Ich wünschte, ich hätte all das gleich nach der Geburt gewusst’.“

Schmerzende Brustwarzen

Es gibt jede Menge Kontroversen darüber, ob das Stillen Schmerzen hervorrufen darf oder nicht („Stillen sollte nicht weh tun“, schreibt die Non-Profit-Organisation La Leche Liga). Die meisten Experten gestehen jedoch, dass es normal für Frauen sei, in den ersten Tagen eine erhebliche Schmerzempfindlichkeit zu verspüren. Dennoch sei jeder intensivere oder länger anhaltende Schmerz ein Grund zur Besorgnis.

„Ihre Brustwarzen müssen verhärten, wenn man so will, weil sie sehr empfindlich sind“, erklärt Dr. Mary Rosser, Geburtshelferin und Gynäkologin im Montefiore Gesundheitszentrum. „Frauen sollte aber auf gar keinen Fall solch starke Schmerzen haben, dass sie sich fast übergeben müssen“ – was sie so leider schon erlebt hat. „Wenn Ihre Brustwarzen einreißen und bluten, dann sollten sie dringend etwas unternehmen“.

Sprechen Sie mit einem Laktationsexperten, rät Losser, der sollte in der Lage sein, Ihnen auf zweierlei Art zu helfen: Einerseits wird er ausschließen können, dass der Grund Ihrer Schmerzen keine ungünstige Anlegetechnik, falsche Saugtechnik ihres Kindes oder ein anderes Problem ist, das gelöst werden muss. Andererseits wird er Ihnen mit der Wundbehandlung helfen und Sie mit Strategien zur Schmerzbewältigung unterstützen können – auch wenn es unter Umständen nicht möglich sein wird, den Schmerz komplett zu beseitigen, bis die Brustwarzen vollständig geheilt sind.

Hämorrhoiden

Hämorrhoiden sind geschwollene Venen am After „und die schmerzhaftesten scheinen die zu sein, die bei der Vaginalentbindung heraustreten“, so Rosser. „Man erkennt sie an knallroten Blutungen“. Ihrer Erfahrung nach glauben viele Frauen, sie müssen mit dem damit einhergehenden Schmerz und Juckreiz einfach klarkommen, dabei gibt es vieles, was man dagegen tun kann, sagt Rosser: Benutzen Sie zunächst feuchte Hygienetücher mit ätherischen Ölen und Kräuterextrakten, nehmen Sie ein warmes Bad (optional auch ein Sitzbad) und halten Sie den Bereich trocken und sauber. Sie empfiehlt weiterhin, genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen sowie eine ballaststoffreiche Ernährung, sodass Ihr Stuhlgang Sie nicht übermäßig belastet, denn das könnte den Schmerz verstärken.

Und wenn die Hämorrhoiden bis zur ersten Nachsorgeuntersuchung nicht verschwunden sind? Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt darüber, meint Rosser. Sie operativ entfernen zu lassen sei eine Option, allerdings rate sie in der Regel davon ab, solange Frauen planen weitere Kinder zu bekommen, da die Hämorrhoiden in nachfolgenden Schwangerschaften und Entbindungen zurückkehren können.

Rücken-, Hüft- und Beckenschmerzen

„Wenn wir laufen, verlagern wir unser Gewicht entweder richtig durch die Gelenke oder eben nicht“, erklärt McKinney. Die körperlichen Veränderungen, die eine Schwangerschaft mit sich bringt, können diesen Prozess ziemlich durcheinander bringen und die korrekte Ausrichtung der Gelenke und allgemeine Muskelfunktion beeinflussen. „Es rechtfertigt dieses Gefühl von ‚ja, du kannst diese Schwangerschaftsschmerzen entwickeln und sie haben einen Grund, da zu sein’. Manchmal sind es geringfügige Veränderungen und manchmal benötigen sie ein Eingreifen“, so McKinney. „Schmerz sollte nicht ignoriert werden“.

Viele Frauen empfinden einen anhaltenden Schmerz in den Hüften, der Lendenwirbelsäule und dem Beckengürtel, sagt sie. Ein Physiotherapeut kann Abhilfe schaffen. Mit verschiedenen Übungen und einfachen Anpassungen des Ganges und der Art, wie sie sich hinsetzen zum Beispiel. Das kann erheblich zum Heilungsprozess des Körpers beitragen. „In den Köpfen der Menschen ist der Gedanke verankert, dass die Geburt ein natürlicher Prozess ist, das bestreite ich keinesfalls, aber es ist ein ziemlich gewaltiger körperlicher Akt, daher gilt Ehre, wem Ehre gebührt und wir sollten Müttern die Hilfe leisten, die sie brauchen, um sich zu stärken und zu erholen“, sagt sie.

Bauchmuskelspalt

Rektusdiastase ist der Fachbegriff für diese nachgeburtliche Krankheit, die viele Frauen zu erdulden haben. Sie entsteht, wenn die Bauchmuskeln, die sich dehnen und zusammenziehen, um sich so an ein heranwachsendes Baby anzupassen, auseinanderweichen. Das Problem tritt bei etwa 15 bis 25 Prozent der Frauen auf, schätzt McKinney, obwohl die wissenschaftliche Fachliteratur, die sich mit dem Thema befasst, nicht besonders tragfähig ist.

Das Problem mit den Diastasen ist kein rein kosmetisches, es kann sich auf den gesamten Körper auswirken, da die geraden Bauchmuskeln mit dem Becken und der Lendenwirbelsäule verbunden sind und angefangen bei der Atmung bis hin zur Körperhaltung für viele Dinge eine entscheidende Rolle spielen. „Es wird wirklich zur Schwachstelle. Diastasen entstehen in einer Region, in der sie Frauen, wenn nicht alle Muskeln zusammenhängen und die Kräfte richtig ausrichten können, regelrecht zermürben können“, so McKinney – und zwar genau dann, wenn man all seine Kräfte braucht, um das Baby zu halten, Kinderwägen zu heben, usw.

Inkontinenz... und Blähungen

Inkontinenz ist eine der Krankheiten, die viele mit einem Lachen abtun, erklärt McKinney, weil Frauen sich schämen, oder weil sie glauben, dass es sowieso zu erwarten war. „Aber nur weil es üblich ist, heißt das nicht, dass es normal ist“, sagt sie. Es sei weiterhin wichtig, anzumerken, dass Inkontinenz zwar in der Tat die Unfähigkeit meint, Urin und Stuhlgang zurückzuhalten, es kann sich jedoch auch schlicht und ergreifend auf Schwierigkeiten bei der Kontrolle seiner Blähungen beziehen.

„Je erheblicher die Menge des unkontrollierbaren Ausströmens, desto unwahrscheinlicher ist es, dass das Problem von allein verschwindet“, sagt McKinney. Wieder einmal können diverse Übungen helfen, deshalb sollten Sie einen Physiotherapeuten aufsuchen, der sich auf diese Dinge spezialisiert, so McKinney. In seltenen, schweren Fällen, könnte auch eine Operation nötig sein.

Dieser Text erschien ursprünglich in der Huffington Post USA und wurde von Sarah Czok aus dem Englischen übersetzt.

Hier geht es zurück zur Startseite

Lesen Sie auch:

Video:Rückbesinnung oder gefährlicher Rückschritt? Dieses Video einer Geburt in freier Natur löst heftige Diskussion aus


Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.