WIRTSCHAFT
06/07/2015 13:46 CEST | Aktualisiert 06/07/2015 14:33 CEST

Gäste boykottieren ein griechisches Restaurant in Deutschland – doch die Antwort des Inhabers hätten sie nicht erwartet

Griechenland, sagen wir es vorsichtig, hat derzeit nicht den besten Ruf.

Nach dem Volksreferendum, mit dem sich die griechische Bevölkerung gegen Europa gestellt hat, sind die Fronten mehr denn je verhärtet.

Das Missfallen, die viele Menschen hierzulande gegenüber Griechen hegen, hat jetzt auch ein Restaurantbetreiber in Osnabrück zu spüren bekommen.

Wie die „Neuer Osnabrücker Zeitung” berichtet, hat das griechische Restaurant Almani ein Boykottschreiben von angeblich langjährigen Stammkunden erhalten.

Sie kündigen an, dass sie das Lokal künftig meiden werden – aufgrund des Fehlverhaltens der griechischen Regierung.

Wörtlich heißt es:

„Wir wissen zwar, daß Sie und Ihre Mitarbeiter an Ihrer geradezu irrsinnigen Regierung keine Schuld tragen, dieses ändert jedoch nichts daran, daß uns allen angesichts der aktuellen Ereignisse der Appetit auf griechisches Essen vergangen ist.”

Als Restaurant-Betreiber Marinos Ioannidis diese verblüffende Begründung las, konnte er nicht glauben, was ihm dort gerade widerfährt. Der "NOZ" sagte er:

„Als ich die Mail gelesen habe, hätte ich vor Wut den Computer aus dem Fenster schmeißen können. Ich diskutiere gerne über das Thema – auf sachlicher Ebene. Aber in diesem Fall musste die Wut einfach raus. Irgendwann reicht’s. Wenn einer sagt: ‚Dein Lammrücken schmeckt nicht, deshalb komme ich nicht mehr‘, okay. Aber mich für die Regierung in Griechenland verantwortlich zu machen, das ist lächerlich.“

Als sich der Ärger des Restaurant-Betreibers etwas gelegt hatte, kam ihm ein genialer Einfall. Ioannidis beantworte den Brief mit einem eigenen Schreiben, den er zugleich auf der Facebook-Seite des Restaurant veröffentlichte.

Der Inhalt: Ironie pur.

Vordergründig wirbt Ioannidis bei seinen langjährigen Kunden um Verständnis. Schreibt, dass seine Familie selbst beim Referendum für Ja gestimmt habe – sprich für die Forderungen der Gläubiger an Griechenland.

Die eigene griechische Regierung bezeichnet er als „linke Bazillen”, die einen „Arschtritt” verdient hätten.

Bei genauerer Betrachtung der Zeilen erkennt man: Das ist blanker Hohn.

Die zweite Antwort offenbart nämlich, was Ioannidis wirklich über die Situation in Griechenland denkt – und über die aufdringlichen Gäste:

„Zum Teufel mit Ihnen, Ihr Schlappschwänze.”

Der "NOZ" sagte Ioannidis zudem:

„Ich habe nicht erwartet, dass das solche Wellen schlägt. Auf der anderen Seite ist es eine Genugtuung, weil 99 Prozent der Reaktionen positiv sind.“


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