POLITIK
05/07/2015 20:41 CEST | Aktualisiert 06/07/2015 03:58 CEST

Referendum in Griechenland: Tsipras feiert gefährlichen Sieg

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Griechenland hat abgestimmt - und das Ergebnis ist eindeutig. Mehr als 60 Prozent der Griechen haben laut dem Innenministerium des Landes gegen die Reformvorschläge der Geldgeber votiert. Es ist ein Sieg für den Premierminister Alexis Tsipras und seinen Finanzminister Gianis Varoufakis. Beide hatten ihre politische Zukunft vom Ausgang des Referendums abhängig gemacht.

Vor dem Referendum gingen alle Beobachter von einem knappen Ergebnis aus. Am Ende war das Resultat aber ziemlich deutlich.

Völlig unklar ist derzeit, wie es in den kommenden Stunden und Tagen weitergeht. Die griechische Regierung wollte schon am Montag Unterhändler nach Brüssel schicken, um die Verhandlungen über ein weiteres Rettungsprogramm fortzuführen. Bisher kam keine offizielle Reaktion von den Geldgebern (dem Euro-Rettungsfonds, der EZB und dem IWF), wie und wann sie wieder in die Verhandlungen mit Griechenland einsteigen.

Ersteinmal folgt ein Konferenz-Marathon der Geldgeber. Am Montag sind Treffen und Telefonate zwischen den wichtigsten Teilnehmern im Griechenpoker angesetzt. Am Dienstag um 18 Uhr ist ein hochrangiges Treffen der Eurogruppe geplant. Griechenland hat also noch eine Chance - ob das Land sie nutzt, ist völlig offen.

Das Problem: Viel Zeit bleibt nicht. Denn den griechischen Banken könnte schon am Montag oder Dienstag das Geld ausgehen. Lebensmittel und Medikamente könnten sich dann viele Menschen nicht mehr leisten können.

Als Fazit eines langen Wahl-Tages, der Europa verändern könnte, bleibt: Tsipras hat zwar einen eindeutigen Sieg errungen. Aber er könnte ihm doch noch gefährlich werden. Denn wie der Präsident des EU-Parlamentes Martin Schulz sagte: 18 Euro-Mitglieder haben sich auf den Reformplan geeinigt. Dass der nochmal grundlegend verändert wird, ist deshalb unwahrscheinlich.

Ist es also ein Sieg, der gar keiner ist? So könnte es sein. Bringt Tsipras in den nächsten Tagen nicht ein sehr viel besseres Angebot mit nach Hause, dann könnten sich die Menschen, die am Sonntag in Athen das Nein feierten, gegen den Premier wenden. Diesen Dreh des Schicksals kennen die Griechen nur zu gut: Er nennt sich Pyrrhussieg.

Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen nach dem Referendum in Griechenland in unserem NEWS-Blog.

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